Statistik Austria: 0,9 Prozent Jahresinflation "besorgniserregend"

Österreich hat im vergangen Jahr 2015 eine der niedrigsten Jahresinflationsraten der vergangenen Jahre aufgewiesen. Der in den Keller gerutschte Rohölpreis hat eine größere Preissteigerung eingedampft. Durch "hausgemachte" Effekte bleibt die Teuerung eine der höchsten in der Eurozone. Aus konjunktureller Sicht ist das Unterschreiten der Ein-Prozent-Marke ein "besorgniserregendes Zeichen".

Während die heimischen Verbraucher sich über die niedrigen Treibstoffpreise an den Tankstellen freuen und über den "Sondereffekt" im Geldbörsel jubeln, sieht der Generaldirektor der Statistik Austria, Konrad Pesendorfer, die Preisentwicklung nicht nur im rosigen Licht. Im Gegenteil: Die Jahresinflation von 0,9 Prozent sei ein "besorgniserregendes Zeichen". Rechne man die Treibstoffpreise aus der Statistik heraus, hätte Österreich im Vorjahr eine Teuerungsrate von 1,5 Prozent ausgewiesen. Die niedrigen Rohölpreise, die mehr als 70 Prozent nachgaben, und die schwache Konjunktur habe zu dieser niedrigen Inflation beigetragen.

Wie aus den heute veröffentlichten Statistiken hervorgeht, wurde die Schallgrenze von einem Prozent Inflation in den vergangenen zwanzig Jahren nur zwei Mal unterschritten. Nach der Einführung des Euro in den Jahren 1998/1999 und im Krisenjahr 2009, als Österreich nur mehr ein negatives Wachstum auswies. Aber der Tourismus, eine der wichtigsten Einnahmequellen und Konjunkturtreiber für die heimische Wirtschaft, zeigen eine gute Auslastung, so Pesendorfer. Nicht zuletzt würden die gestiegenen Restaurant- und Hotelpreise (+2,9 Prozent) in der Teuerungsstatistik diese widerspiegeln.

Die Preistreiber bei der Vorjahresinflation waren vor allem die hohen Mieten in Österreich (4,4 Prozent höher als 2014) sowie Steuern und Abgaben (+2,5 Prozent). Die Mietkosten sind ein altbekanntes Ärgernis für die Arbeiterkammer (AK). Die Mieten seien fast fünf Mal so stark gestiegen wie die gesamte Jahresinflation, kritisierte AK-Präsident Rudi Kaske heute in einer Aussendung. Er fordert eine Mietrechtsreform mit wirksamen Mietpreisobergrenzen. Auch der Pensionistenverband schloss sich heute dieser Forderung an.

Verteuert haben sich gegenüber dem Vergleichszeitraum 2014 etwa auch Pauschalurlaubsreisen (+2,4 Prozent), Pflegeheime (+2,3 Prozent), die Gesundheitspflege (+1,6 Prozent) sowie Zigaretten (+3,4 Prozent). Billiger wurde neben Diesel (-13,7 Prozent), Superbenzin (-10,9 Prozent) und Heizöl (-20 Prozent), unter anderem der Wahlarzt und der Zahnarzt (-9,9 Prozent).

Österreich hatte im Dezember mit 1,1 Prozent die dritthöchste Inflation in der Europäischen Union. Im Vergleich zu Deutschland oder dem Euroraum liegt die österreichische Jahresinflationsrate mit 0,8 (HVPI) im Vorjahr aber immer noch deutlich höher. Im Dezember 2015 lag der harmonisierte Verbraucherpreisindex sogar bei 1,1 Prozent (VPI: 1,0 Prozent). Unser Nachbar Deutschland wies 2015 eine Inflationsrate von 0,1 Prozent aus (voraussichtlicher Wert, Jahresdurchschnitt 2015 laut Destatis). Im Euroraum lag der harmonisierte Verbraucherpreisindex sogar bei 0,0 (laut Eurostat, voraussichtlicher HVPI-Jahresdurchschnitt). Mit diesem Null-Wert "kratzt der Euroraum an der Deflation", erklärt Pesendorfer.

Um diese Gefahr zu bekämpfen gehe er davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) weiter das Ziel verfolge "viel Geld auszuschütten", um die Inflation anzuheizen. Im Gegensatz zur amerikanischen Notenbank Fed sieht Pesendorfer im Euroraum in der nächsten Zeit keinen Wandel in der Zinspolitik heraufziehen. Die EZB werde weiter Geld auf den Markt pumpen, jedoch herrsche international wenig Bereitschaft für langfristige Investitionen.

Nationalbankgouverneur Ewald Nowotny, Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), zeigt sich seit Monaten wegen der zu geringen Inflation in der Eurozone beunruhigt und drängt auf strukturelle Maßnahmen, um die Nachfrage und damit das Wirtschaftswachstum in der Eurozone anzukurbeln.

Das europäische Statistikamt Eurostat hat heute aktuell ihre jährliche Inflationsrate im Dezember für den Euroraum und die EU veröffentlicht. Diese stieg in der Eurozone und in der gesamten EU auf 0,2 Prozent.

Paris (APA/AFP) - Unter Präsident Emmanuel Macron ist Frankreich für deutsche Unternehmen wieder deutlich attraktiver geworden: 90 Prozent der deutschen Firmen in Frankreich bewerten die Wirtschaftslage derzeit als gut oder zufriedenstellend - mehr als doppelt so viele wie vor zwei Jahren, wie es in einer am Freitag in Paris veröffentlichten Studie der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer heißt.
 

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Deutsche Unternehmen finden Frankreich wieder attraktiv

London (APA/Reuters) - Der Haushaltsstreit von Italien mit der EU-Kommission bremst am Geldmarkt die Spekulationen auf eine EZB-Zinserhöhung. Mittlerweile wird erst für Oktober 2019 damit gerechnet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) einen ihrer Schlüsselzinsen anhebt. Die Chancen für einen Schritt um zehn Basispunkte bereits im September 2019 werden dagegen inzwischen als deutlich niedriger angesehen.
 

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Erster EZB-Zinsschritt 2019 wegen Italien-Streits später erwartet

Bangalore/Santa Clara (Kalifornien) (APA/Reuters) - Der Chiphersteller Micron Technology Inc kauft seinem Partner Intel dessen Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen IM Flash Technologies ab. Dafür lege Micron Techology rund 1,5 Milliarden Dollar (1,30 Mrd. Euro) in bar auf den Tisch, teilte das US-Unternehmen am Donnerstag mit.
 

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Micron kauft Intel-Anteil an Joint-Venture IM Flash Technologies