Spaniens Börse nach Abstimmung in Katalonien auf Talfahrt

Madrid/London/Frankfurt (APA/Reuters) - Nach dem Votum der Katalanen für eine Unabhängigkeit haben die Anleger am Montag den spanischen Finanzmärkten und dem Euro den Rücken gekehrt. "Es ist nicht klar, ob es tatsächlich zu einer Unabhängigkeit der Region kommt. Aber klar ist, dass Spanien vor einer tiefen politischen Krise steht", sagte Analyst Padhraic Garvey von der Bank ING.

Während der deutsche Aktienmarkt sich weiter in Richtung Rekordhoch bewegte, ging die Börse in Madrid in die Knie. Der Leitindex verlor 1,5 Prozent auf 10.223 Zähler. An den Rentenmärkten gerieten die spanischen Staatsanleihen unter die Räder, so dass die Renditen anzogen, was für die Regierung die Refinanzierungskosten erhöht.

"Die Stimmung im Land ist jedenfalls gründlich vergiftet. Es wird dauern, die Wunden des 1. Oktober zu heilen", sagte Ulrich Stephan, Anlagestratege bei der Deutschen Bank. Bei dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien hatten sich am Sonntag 90 Prozent der Wähler - die Wahlbeteiligung betrug 42,3 Prozent - für eine Loslösung von Spanien ausgesprochen. Die katalanische Regionalregierung plant nach eigenen Worten aber keinen traumatischen Bruch mit Spanien. Die Regierung in Madrid unter Ministerpräsident Mariano Rajoy bezeichnet die Volksabstimmung als illegal, die von heftigen Zusammenstößen von Polizei und Anhängern einer Unabhängigkeit begleitet war.

"Bilder von bewaffneten Polizisten, die auf Zivilisten losgehen, sind per se schockierend", erklärte Michael Hewson, Marktanalyst vom Broker CMC Markets. "Aber noch schlimmer wirken sie, wenn so etwas in den Straßen von Katalonien passiert und schlimmere Folgen haben könnte für den politischen Zusammenhalt in ganz Spanien." Vor allem am Devisenmarkt sorgte die Abstimmung und ihre Umstände denn auch für Stirnrunzeln. "So kurz nach der Bundestagswahl ist das ein weiterer Dämpfer für all jene, die auf eine tiefere Integration der Eurozone setzen", sagte ein Händler.

Der Euro, der noch Mitte September ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch von mehr als 1,20 Dollar erreicht hatte, ist seit der deutschen Bundestagswahl unter Druck. Denn viele fürchten, Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel werde bei der Regierungsbildung weniger zügig als gedacht vorankommen. Zudem steht die FDP, die als möglicher Koalitionspartner gilt, einer weitergehenden Integration der Eurozone kritisch gegenüber. Mit 1,1745 Dollar notierte die Gemeinschaftswährung mehr als halben US-Cent unter dem Freitags-Schlussniveau.

Während der für die Exporte günstigere Wechselkurs an den übrigen Börsen der Eurozone die Spekulationen auf steigende Unternehmensgewinne anheizte, ging die Börse in Madrid auf Tauchstation. Dabei standen vor allem die Bankenwerte mit Sitz in Katalonien unter Druck: Banco de Sabadell und Caixabank verloren in der Spitze 5,7 und 4,7 Prozent. Die im Auswahlindex der Eurozone gelisteten Aktien der größeren Bankhäuser Santander und BBVA büßten je etwa 2,5 Prozent ein und bremsten den EuroStoxx50 aus, der kaum verändert notierte.

Die Kurse der spanischen zehnjährigen Staatsanleihen rutschten um fast einen ganzen Punkt ab. Entsprechend zogen die Renditen auf ein Hoch von 1,70 Prozent von 1,62 Prozent am Freitag an. Auch die Pendants aus Italien gaben nach, allerdings nicht so stark. Da ihre Rendite dadurch weniger heftig auf 2,21 von 2,18 Prozent anzogen, stieg damit der Risikoaufschlag für die spanischen Staatspapiere gegenüber den italienischen im Vergleich zu den richtungsweisenden deutschen Bundesanleihen. Deren Kurse zogen leicht an, was die Renditen auf 0,45 von 0,46 Prozent drückte.

Frankfurt (APA/dpa) - Kunden des AUA-Mutterkonzerns Lufthansa drohen die ersten Streiks seit Frühjahr vergangenen Jahres. Im Tarifkonflikt um die rund 1.000 Flugbegleiter bei der Billigtochter Eurowings sind die Fronten so verhärtet, dass die Gewerkschaft Verdi Verhandlungen absagt und sich für Streiks rüstet.
 

Newsticker

Verdi droht mit Streiks bei Eurowings - "Jederzeit denkbar"

Peking (APA/Reuters) - In die Bemühungen um ein Ende des Handelsstreits zwischen China und den USA kommt wieder Bewegung. Die Führung in Peking lieferte US-Regierungskreisen zufolge eine schriftliche Antwort auf die Forderung nach weitreichenden Änderungen in der Handelspolitik.
 

Newsticker

Wieder Bewegung im Handelsstreit zwischen China und USA

Wien (APA) - Im Korruptionsprozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/ÖVP) und andere war heute, Donnerstag, am 64. Tag des Verfahrens, wieder die Causa Buwog und Linzer Terminal Tower dran. Für Protokollberichtigungsanträge der Verteidiger zu diesen Themen mussten alle Angeklagten dieser Causa, also auch Grasser, wieder vor Gericht erscheinen.
 

Newsticker

Grasser-Prozess - Protokolle: Vom "Zahlenhecht" zum "Zahlenknecht"