Sozialversicherung - Foglar wirft Regierung "Stimmungsmache" vor

Wien (APA) - ÖGB-Präsident Erich Foglar kritisiert die ÖVP-FPÖ-Regierung für ihre Privilegien-Vorwürfe gegen die Sozialversicherungen. Zugleich forderte der oberste Gewerkschaftsvertreter die Regierung zu Verhandlungen mit den Sozialpartnern und den Bundesländern auf.

"Es ist sehr bedauerlich, dass die Regierungsspitzen zu derart unhaltbarer Stimmungsmache gegen die Sozialversicherung greift. Es ist auch schwerst bedenklich, weil es von den Fakten her in keinster Weise haltbar ist", sagte Foglar der APA. Der Regierung falle in Wahrheit kein Sachargument für ihre Reform ein. Da man sachlich nichts findet, um die eigenen Machtansprüche durchzusetzen, greift man auf solche Argumente zurück."

Kolportierte Regierungskritik wie die Bildung von Rücklagen oder zu viele Dienstautos wies Foglar zurück. Bei einer so großen Organisation wie der Wiener Gebietskrankenkasse gebe es de facto nur zwei Dienstautos, der Rest seien Kranken- oder Medikamente-Transporter, entsprechende Vorwürfe deshalb "reine Polemik". Punkto Rücklagen warf der rote ÖGB-Präsident der Regierung mangelnde Rechts- und Sachkenntnis vor. "Wenn man die Rücklagen schon kritisiert, sollte die Regierungsspitze so weit gesetzeskundig sein, dass man weiß, dass die Sozialversicherungen gesetzlich dazu angehalten sind, Rücklagen von einem Monatsaufwand zu bilden." Das alles werde auch vom Rechnungshof regelmäßig geprüft. Dabei seien bisher keinerlei Vorwürfe aufgetaucht.

Foglar wünscht sich, dass die Regierung zur Sachlichkeit zurückkehrt und es zu Gesprächen mit den Sozialpartnern, die für die Selbstverwaltung in den Sozialversicherungen zuständig sind, und den Bundesländern kommt. "Die Regierung soll endlich alle an einen Tisch holen, erklären, was sie wirklich will, und nicht nur aktionistische Symbolpolitik betreiben und von unqualifizierter Stimmungsmache Abstand nehmen."

Der ÖGB-Chef, der sein Amt im Juni an den bisherigen GPA-Chef Wolfgang Katzian übergibt, vermutet aber, dass es der Regierung gar nicht um Reformen, sondern um "ganz platte Machtgelüste" gehe. "Es geht darum, dass die FPÖ dort hinein will, wo sie derzeit keinen einzigen Erfolg nachzuweisen hat und noch nie etwas beigetragen hat." Machtgelüste ortet der Gewerkschafter auch bei der "türkisen Seite der schwarzen ÖVP".

Sachlich und vernünftig reden wäre aber noch immer der beste Weg für Reformen. Das hätten die Sozialpartner schon bei den bisher beschlossenen Leistungsvereinheitlichungen in den Sozialversicherungen gezeigt. Foglar hofft deshalb, dass sich die Vernunft doch noch durchsetzt und "das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet wird".

Kritik an der von der Regierung losgetretenen Privilegien-Debatte kam auch aus der SPÖ . Für sinnvolle Reformen brauche es Dialog statt stilloser Untergriffigkeiten, so Gesundheitssprecherin Pamela Rendi-Wagner. Hinter den Angriffen dürften am Ende keine Leistungskürzungen oder Privatisierungen der Gesundheitsleistungen stehen.

Gegen Privilegien im Bereich der Sozialversicherung sprach sich unterdessen die Pharma-Interessensvertretung Pharmig aus. Die Debatte darüber müsse allerdings faktenbasiert geführt werden, so Generalsekretär Jan Oliver Huber: "Eine populistische Neiddebatte zu entfachen, nützt niemandem etwas." Die Reformschritte im Regierungsprogramm im Bereich der Sozialversicherung seien transparent festgelegt worden, meinte er, und das Hinterfragen von Strukturen und Prozessen seitens der Politik sei auch der Sozialversicherung zuzumuten. "Sie selbst geht übrigens mit ihren Vertragspartnern auch nicht gerade zimperlich um", so Huber.

Frankfurt/London/Brüssel (APA/Reuters) - Die Regierungskrise in Großbritannien hält Anleger von Engagements an den Aktienmärkten ab. Der Dax schloss am Freitag knapp im Minus mit 11.341 Punkten und auch der EuroStoxx50 gab auf 3184 Zähler nach. Auch die Wiener Börse hat knapp im Minus geschlossen. Der ATX fiel 1,01 Punkte oder 0,03 Prozent auf 3.134,10 Einheiten. Der US-Standardwerteindex Dow Jones kam ebenfalls kaum vom Fleck.
 

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Brexit-Chaos macht Anlegern weiter zu schaffen

Washington (APA/Reuters) - Die US-Notenbank Fed steuert laut ihrem Vizechef Richard Clarida auf einen Zinssatz zu, der die Konjunktur weder hemmt noch fördert. Sich auf einem solchen "neutralen" Niveau zu bewegen, sei sinnvoll, sagte der Währungshüter am Freitag dem Sender CNBC. Er sei nicht der Meinung, dass die Erhöhungen der Fed zu weit gingen oder zu schnell vollzogen würden.
 

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Vizechef der US-Notenbank für Zinserhöhungen mit Augenmaß

Rom (APA) - Der italienische Premier Giuseppe Conte plant ein Treffen mit EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, um ihm zu erklären, warum Italien an seinem umstrittenen Haushaltsplan festhält. Anfang nächster Woche werde er Kontakt zu Juncker aufnehmen, berichtete Conte am Freitag im Gespräch mit Journalisten in Rom.
 

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Italien-Budget: Conte plant nächste Woche Treffen mit Juncker