Solar, Wind künftig Stromsystem-Säulen - Aber weiter Förderung nötig

Wien - Wind- und Solaranlagen werden in einigen Jahrzehnten die zentralen Säulen des Stromsystems in Europa sein - staatliche Förderung wird aber trotz der Kostensenkungen bei den Erneuerbaren auf längere Sicht weiter nötig sein. Dies nimmt der deutsche Energieexperte Patrick Graichen vom Think-Tank Agora an. Die Börsepreise für Strom würden soweit jetzt absehbar auch 2020 nur bei 35 Euro/MWh liegen.

Es sei sehr unwahrscheinlich, dass Wind- und Solaranlagen sich am Energy-Only-Markt jemals refinanzieren können, meinte Graichen am Donnerstag in einem Vortrag auf Einladung des heimischen Regulators E-Control in Wien. Immerhin gehe es um das "Schließen" einer Lücke zwischen 35 Euro je Megawattstunde Börsepreis und 70 Euro/MWh Gesamtkosten, geht man von einem Mix aus Wind Onshore, PV und Gas aus. Die Förderung sollte von Kilowattstunde (Arbeit) auf Kilowatt (Leistung) umgestellt werden, wobei auf eine systemkonforme Nennleistung abzustellen sei. "Eine Auktion auf Kilowatt-Basis wäre meine Option", so der Experte.

Es sei positiv, dass die deutsche EEG-Umlage, mit denen Haushaltskunden die Erneuerbaren stützen, von früher 20 Cent je kWh nun bei knapp unter 30 Cent faktisch gedeckelt sei; ein weiterer Anstieg 2015 sei so gestoppt. Deutschland habe hier am zweitmeisten zu zahlen, nur Dänemark sei noch teurer. Von den EEG-Kosten fast ganz ausgenommen ist die energieintensive Industrie, obwohl dort oft laut gejammert werde.

Dass 30 Prozent des Stroms unterschiedlich gefördert werden, passe nicht mit "einem Markt" zusammen, meinte Energie-Control-Vorstand Walter Boltz und plädierte für eine Vereinheitlichung in Europa. Im Sommer wolle die EU-Kommission dazu umfangreiche Konsultationen starten, wie künftig der Strommarkt aussehen solle und die Förderungen unter einen Hut zu bekommen seien.

Eventuell werde der Kunde einmal von kurzfristigen Börsennotierungen, etwa stundennahen Preisen, profitieren, in Norwegen gebe es schon Vormittags- und Nachmittags-Produkte. Insgesamt sei der Beweis aber noch ausständig, ob eine zu 80 Prozent CO2-freie Stromerzeugung technisch und kommerziell gelingen könne, meinte Boltz. Strom zu Null Grenzkosten, wie ihn Wind und PV lieferten, verändere natürlich den Markt. Früher hätten in Österreich die Regelenergiekosten 70 Mio. Euro bei 2 Mrd. Euro Stromvolumen ausgemacht, nun seien es über 200 Mio. Euro für 1,2 bis 1,3 Mrd. Euro Strom.

Viel Wind- und Sonnenstrom im System garantieren laut Graichen, dass die Grenzkosten faktisch von Gaskraftwerken auf die Werte von Kohlekraftwerken heruntergedrückt werden. Hochmoderne Gasanlagen (GuD) würden damit aus dem Markt gedrängt - nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, Frankreich und den Niederlanden -, sofern dabei nicht durch Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) auch Fernwärme erzeugt werde. Zugleich habe der Kohle-Strom zugenommen in Deutschland, weil Kohle billig sei. Der Börsepreis pendle sich in etwa bei den Grenzkosten alter Steinkohle-Kraftwerke von 30 bis 40 Euro je MWh ein. Der Preis für Gas bleibe moderat hoch, die CO2-Preise seien "im Keller". Es sei paradox an der "Energiewende", dass in den letzten Jahren trotz insgesamt weniger CO-Ausstoß die Treibhausgas-Emissionen des Energiesektors zugenommen hätten, zumindest bis 2013.

Um die Grenzkosten für alte Braunkohle-Kraftwerke zu erhöhen, wurde vorigen Freitag von der deutschen Regierung ein Plan vorgelegt, erinnerte Graichen. Das sei auch nötig, um das Minus-40-Prozent-Ziel für THG-Emissionen bis 2020 zu erreichen. SPD-Umweltminister Sigmar Gabriel und CDU-Kanzlerin Angela Merkel könnten es sich angesichts der Vorreiterrolle Deutschlands gerade vor der heurigen Pariser Konferenz wohl nicht leisten, von diesem Klimaziel abzurücken. Vom derzeit gut 40-prozentigen Kohlestrom-Anteil entfällt dem Experten zufolge die Hälfte auf Braunkohle.

"Ziellinie" der deutschen Stromversorger sei für 2050 ein Strom-Anteil von 80 Prozent Erneuerbaren und 20 Prozent Gas. Die Kohle, deren Anteil an einem leicht größeren Stromvolumen von 1990 bis 2014 von 60 auf 44 Prozent gesunken ist, wäre dann schon weg. Auch die Kernenergie - früher 29 Prozent, zuletzt 16 Prozent Anteil - wäre auf Null. 2022/23 soll es da ja in Deutschland aus sein. 35 Prozent Erneuerbaren-Stromanteil wie teils in Norddeutschland ließen sich ohne Probleme managen, verwies Graichen auf Aussagen des Netzbetreibers 50Hertz. Für Anteile von 50 oder 80 Prozent müsse das System aber so umgestellt werden, dass man technisch, regulatorisch und ökonomisch klarkomme.

Grundlast-Kraftwerke seien in der künftigen Stromwelt, die primär auf Solar und Wind basiert, fehl am Platz, "ich brauche flexible Kraftwerke, die mitatmen und das spiegeln", so Graichen. Gefragt sei ein flexibles Lastmanagement, bei dem etwa Großabnehmer aus der Industrie ihre Verbräuche zeitlich verschieben. Auch Speicheranlagen in Österreich und der Schweiz könnten dann viel Geld verdienen. Auch die E-Mobilität, wenn sie in großem Stil komme, könne als Stromspeicher fungieren.

Die künftig vermehrt nötigen Backups, die Regelenergie und der Netzausbau würden sich freilich mit 10 bis 15 Euro je MWh niederschlagen; dazu will Agora in eineinhalb Monaten eine eigene Studie vorlegen. Wenn der bis 2022 geplante Netzausbau in Deutschland erst 2032, ein Jahrzehnt später, käme, wäre das "nicht schlimm", allerdings müsste man schon 2030 mit 5 Prozent Re-Dispatch-Aufwand rechnen. "Die Freunde in Bayern" würden den Widerstand gegen neue Stromleitungen "nicht durchhalten können", vermutet Graichen.

Frankfurt/London/Brüssel (APA/Reuters) - Die Regierungskrise in Großbritannien hält Anleger von Engagements an den Aktienmärkten ab. Der Dax schloss am Freitag knapp im Minus mit 11.341 Punkten und auch der EuroStoxx50 gab auf 3184 Zähler nach. Auch die Wiener Börse hat knapp im Minus geschlossen. Der ATX fiel 1,01 Punkte oder 0,03 Prozent auf 3.134,10 Einheiten. Der US-Standardwerteindex Dow Jones kam ebenfalls kaum vom Fleck.
 

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Brexit-Chaos macht Anlegern weiter zu schaffen

Washington (APA/Reuters) - Die US-Notenbank Fed steuert laut ihrem Vizechef Richard Clarida auf einen Zinssatz zu, der die Konjunktur weder hemmt noch fördert. Sich auf einem solchen "neutralen" Niveau zu bewegen, sei sinnvoll, sagte der Währungshüter am Freitag dem Sender CNBC. Er sei nicht der Meinung, dass die Erhöhungen der Fed zu weit gingen oder zu schnell vollzogen würden.
 

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Vizechef der US-Notenbank für Zinserhöhungen mit Augenmaß

Rom (APA) - Der italienische Premier Giuseppe Conte plant ein Treffen mit EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, um ihm zu erklären, warum Italien an seinem umstrittenen Haushaltsplan festhält. Anfang nächster Woche werde er Kontakt zu Juncker aufnehmen, berichtete Conte am Freitag im Gespräch mit Journalisten in Rom.
 

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Italien-Budget: Conte plant nächste Woche Treffen mit Juncker