Skandale chinesischer Firmen erschüttern Finanzplatz Frankfurt

(Reuters) - Skandale bei chinesischen Firmen mit Frankfurter Börsennotiz sorgen in der Finanzbranche für Unmut. Jüngster Fall ist der Schuhhersteller Ultrasonic, bei dem der Vorstandschef und große Teile des Firmenvermögens verschwunden sind. Ähnliches war in diesem Jahr bereits bei dem Modehersteller Kinghero und dem Verpackungs-Hersteller Youbisheng Green Paper passiert. "Anlegern kann man nur raten, von Investments in unbekannte Aktien aus China Abstand zu nehmen", sagte Daniel Bauer, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

"Ich bin sprachlos", sagte Jens Hecht von der Hamburger Firma Kirchhoff Consult, die chinesische Unternehmen bei Börsengängen beraten hat. "Ich tue mich schwer, das zu verstehen. Aber gegen Betrug kann man nichts machen." Der SdK sieht dagegen eine Mitschuld bei Wirtschaftsprüfern, die den Wert des operativen Geschäfts von chinesischen Firmen prüfen, sowie den Emissionshäusern, die die Börsengang begleiten. "Geschädigte müssen prüfen, inwieweit man die beteiligten Berater in Haftung nehmen kann", rät SdK-Vorstnad Bauer. "Denn in China die Hintermänner zu verklagen, erscheint aussichtslos."

Die Deutsche Börse hat viele Jahre dafür geworben, dass chinesische Unternehmen in Frankfurt an die Börse gehen. Zahlreiche Firmen sind diesem Ruf gefolgt. Die Frankfurter setzten darauf, dass sich zunächst kleine chinesische Firmen und später auch große Konzerne für ein Initial Public Offering (IPO) in Frankfurt entscheiden. Diese Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht, Chinas führender Online-Händler Alibaba geht beispielsweise am Freitag in New York an die Börse. Die Deutsche Börse hat deshalb schon im Sommer 2013 entschieden, "aus betriebswirtschaftlichen Gründen" nicht mehr aktiv um Börsenkandidaten aus China zu werben, wie ein Sprecher des Unternehmens am Mittwoch erklärte.

Bei vielen chinesischen Firmen steht beim Börsengang nicht der Emissionserlös im Vordergrund, wie der nun verschwundene Ultrasonic-Chef Qingyong Wu beim Börsendebüt 2011 offen zugab. Er erhoffte sich durch die Börsennotiz jedoch einen leichten Zugang zu Bankkrediten in China. Vielen chinesischen Unternehmen gehe es bei der Börsennotiz in Deutschland um Image und um Geld, betont Berater Hecht. "Die Hoffnung auf letzteres wurde aber in den letzten Fällen meistens enttäuscht."

Die in Frankfurt gelisteten Unternehmen aus China haben in der Regel eine in Deutschland ansässige Holding, die operativen Gesellschaften befinden sich aber in China. "Für uns Prüfer macht das die Arbeit natürlich nicht einfacher", sagte Edgar Ernst, der Chef der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR). Die Kommunikation sei zum Teil schwierig, bestimmte Dokumente gebe es nur auf chinesisch. Die Bilanzpolizei prüft die Geschäftsberichte von Unternehmen, kann aber auch Protokolle von Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen anfordern oder den Unternehmen eine Liste mit Fragen schicken.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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