Siemens will bei Windkraft Frankreich ins Boot holen

Siemens könnte bei dem geplanten Zusammenschluss seiner Windkraftsparte mit dem Konkurrenten Gamesa einem Zeitungsbericht zufolge auch dessen Gemeinschaftsunternehmen in Frankreich übernehmen

Siemens-Chef Joe Kaeser sei nun doch bereit, dem französischen Areva-Konzern seinen 50-prozentigen Anteil an dem Joint Venture namens Adwen abzukaufen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Dienstag unter Berufung auf Verhandlungskreise. Ein Siemens-Sprecher lehnte einen Kommentar ab.
Vergangene Woche hatte ein Insider zu Reuters gesagt, Siemens sei eigentlich nicht an den Aktivitäten der Franzosen interessiert. Deswegen sei der geplante Zusammenschluss der Siemens-Windkraftsparte und Gamesa ins Stocken geraten. Die beiden Unternehmen wollen den weltgrößten Windanlagenhersteller mit einem Jahresumsatz von rund 10 Mrd. Euro formen. Damit würden sie den bisherigen Marktführer Vestas überholen.
Bei einer Übernahme von Adwen geht es auch um milliardenschwere Windkraft-Großaufträge der französischen Regierung. Diese sind an eine Produktion in Frankreich gekoppelt - erfolgt diese nicht, könnte die Regierung in Paris sie fallenlassen. Im Westen Frankreichs will Adwen zwei Werke zum Bau von großen Windturbinen errichten.
Frankreich will eine wettbewerbsfähige Windkraft-Industrie mit einer starken Produktion aufbauen. Es sei Sache der Unternehmen, eine Lösung zu finden, sagte der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron am Dienstagnachmittag bei einem Besuch im Westen Frankreichs. "Ich will, dass diese Fabriken gebaut werden". Da wahrscheinlich nicht Adwen die Werke errichten werde, würden sie von einem Partner gebaut, der das beste Offert im Hinblick auf industriepolitische Ziele und Beschäftigung biete, sagte Macron. Er hatte sich am Vormittag mit Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme zu einem Gespräch im Elysee-Palast getroffen.
Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge fordern die Franzosen für den Areva-Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen wohl mehr als die 280 Mio. Euro, mit denen die Geschäfte bei der Gründung der Windkraftfirma im Jahr 2014 bewertet worden waren. Areva könnte die Finanzspritze gut gebrauchen: Der mehrheitlich im Staatsbesitz befindliche Konzern schreibt seit Jahren rote Zahlen, weil das Kerngeschäft mit Atomkraft brachliegt. Der gesamten Branche setzt zu, dass seit der Atomkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 weniger Kernkraftwerke gebaut werden. Zudem machen langwierige Verzögerungen beim Bau eines Reaktors in Finnland zu schaffen, den Areva gemeinsam mit Siemens errichten soll.
Branchenkreisen zufolge wäre eine Übernahme von Adwen durch Siemens mit schweren wettbewerbsrechtlichen Bedenken verbunden, da die Deutschen ihre Dominanz bei Offshore-Windanlagen weiter ausbauen würden. Gemessen an allen installierten Windanlagen auf Hoher See in Europa hatte Siemens dem Branchenverband EWEA zufolge Ende 2015 einen Marktanteil von 63,5 Prozent und Adwen 5,7 Prozent.

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