Siemens-Beschäftigte wollen Stellenabbau nicht kampflos hinnehmen

München (APA/dpa) - Siemens stehen unruhige Wochen ins Haus: Beschäftigte, Betriebsräte und Gewerkschaft haben entschiedenen Widerstand gegen den angekündigten Abbau Tausender Arbeitsplätze angekündigt. Schon zur Verkündung der umstrittenen Pläne am Donnerstag gab es erste Protestaktionen, weitere sind geplant. Auch Österreich ist vom Stellenabbau betroffen, das Ausmaß ist noch nicht bekannt.

Die IG Metall hat an diesem Freitag zu einer Demonstration gegen die drohende Schließung des Siemens-Standorts Offenbach aufgerufen. Im Berliner Dynamowerk ist eine Kundgebung geplant.

Der Münchener DAX-Konzern hat die Streichung von weltweit 6.900 Stellen angekündigt, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Die Werke in Görlitz und Leipzig mit zusammen 920 Arbeitsplätzen sollen komplett geschlossen werden. In Berlin stehen insgesamt 870 Stellen auf der Streichliste, am Standort Mülheim an der Ruhr sollen 640 Stellen wegfallen. Auch Offenbach gilt als hoch gefährdet, weil die Kraftwerksplanung im gut 200 Kilometer entfernten Erlangen konzentriert werden soll.

Als Grund für die Einschnitte nannte Siemens schlechte wirtschaftliche Perspektiven für die Sparten Kraftwerksbau und Antriebstechnik. Die IG Metall sieht mit der Ankündigung möglicher betriebsbedingter Kündigungen und den drohenden Standortschließungen gültige Vereinbarungen mit Siemens verletzt. "Für uns ist klar, dass Offenbach dicht gemacht werden soll", erklärte die Offenbacher Bevollmächtigte Marita Weber. Dagegen werde man entschlossen Widerstand leisten und Alternativen entwickeln.

Die Schließungspläne für Görlitz und Leipzig haben auch in Sachsen Empörung ausgelöst. Die IG Metall kündigte an, die Pläne nicht hinzunehmen. Man werde "alles dafür tun", dass der Standort Görlitz erhalten bleibe, sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Ostsachsen, Jan Otto.

Für den 23. November sei eine Demonstration in Berlin mit 300 Mitarbeitern des Turbinenwerks geplant. In Leipzig hatten am Donnerstag schon vor Bekanntwerden der Kürzungspläne 300 Mitarbeiter für den Erhalt ihres Arbeitsplatzes demonstriert, wie die Gewerkschaft mitteilte. Am Abend versammelten sich mehrere Dutzend Angestellte vor dem Görlitzer Werk zu einer Art Mahnwache.

In Berlin sollen im Dynamowerk 570 Arbeitsplätze wegfallen, im Gasturbinenwerk in Berlin-Moabit ist der Abbau von etwa 300 Stellen geplant. Die IG Metall kündigte an, um jeden Arbeitsplatz zu kämpfen. Siemens-Chef Joe Kaeser habe "erst letzte Woche Rekordgewinne verkündet. Die seit zehn Jahren geltende Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung, die Kündigungen und Standortschließungen ausschließt, wird von Siemens mit Füßen getreten", sagte der IG-Metall-Bezirksleiter für Berlin-Brandenburg-Sachsen, Olivier Höbel. "Wir fordern Herrn Kaeser auf, die Pläne für Schließungen und Stellenabbau zurückzunehmen."

Der massive Stellenabbau hinterlässt auch Spuren in Österreich. Die Kürzungen im Bereich Kraftwerksplanung und Großturbinen werden auch den Standort Wien betreffen, wurde bei einer deutschen Telefonkonferenz des Konzerns Donnerstagnachmittag klar. In Wien sowie in Offenbach und Erlangen gebe es die gleichen Kompetenzen bzw. Beschäftigte, die das gleiche machen. Der Schwerpunkt dieser Aktivitäten liege derzeit in Erlangen. Nun wolle das Management diese Kapazitäten dort bündeln, hieß es vom Siemens-Management. Alleine durch die Zusammenlegung des Lösungsgeschäft (Solutions) der deutschen Standorte Offenbach und Erlangen sollen 680 Arbeitsplätze wegfallen.

Dazu werde es noch Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern geben. Es gehe um die sogenannten "white-collar"-Jobs, also Angestellte bzw. Ingenieure. Auf APA-Anfrage waren gestern bei Siemens Österreich keine Zahlen zum hiesigen Jobabbau zu erfahren. "Es ist uns sehr wichtig, zuallererst unsere Mitarbeiter zu informieren. Nähere Informationen geben wir anschließend gerne bekannt", hieß es aus der Pressestelle. Bei Siemens in Österreich arbeiten derzeit 10.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 5.800 in Wien.

Wien (APA/Reuters) - Der Wiener Öl- und Gaskonzern OMV will trotz des Ausstiegs der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran vorerst nicht von seinen Plänen in dem Land abrücken. "Unser Vorhaben im Iran ist nicht zum Stillstand gekommen, sondern läuft weiter", sagte OMV-Vorstandsmitglied Johann Pleininger am Dienstag auf der Aktionärsversammlung.
 

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OMV will Iran-Pläne vorerst nicht abblasen

Berlin (APA/Reuters) - Nach der Einigung zwischen den USA und China im Handelsstreit hat EU-Kommissionsvizepräsident Jyrki Katainen die US-Regierung aufgefordert, die Europäische Union (EU) dauerhaft von Schutzzöllen auf Stahl und Aluminium auszunehmen. "Wir können nichts anderes akzeptieren als die dauerhafte Ausnahme", sagte Katainen am Dienstag in Berlin.
 

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EU-Kommissionsvize pocht auf dauerhafte Ausnahme von US-Strafzöllen

Istanbul (APA/AFP) - Die türkische Lira ist auf ein neues Rekordtief gefallen, nachdem die US-Ratingagentur Fitch sich besorgt über die Unabhängigkeit der Zentralbank geäußert hat. Die türkische Währung verlor allein am Dienstag 1,3 Prozent ihres Werts gegenüber dem Dollar und notierte vorübergehend bei 4,66 Lira zum Dollar.
 

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Türkische Lira setzt Talfahrt ungebremst fort