Schweizer Notenbank dürfte Negativzinsen noch beibehalten

Zürich (APA/Reuters) - Angesichts der weltwirtschaftlichen Turbulenzen dürfte die Schweizerische Nationalbank (SNB) bei ihrer vierteljährlichen Zinssitzung am Donnerstag Ruhe ausstrahlen. An den Negativzinsen von durchschnittlich minus 0,75 Prozent wird sie wahrscheinlich nicht rütteln. Das geht aus einer von Reuters am Dienstag veröffentlichten Umfrage unter 40 Ökonomen hervor.

Mit einer ersten Zinserhöhung rechnen einige wenige Experten frühestens zum Ende des Jahres. Daher dürften die Ökonomen die Äußerungen der Währungshüter auf weitere Hinweise zum Zeitpunkt für einen solchen Zinsschritt abklopfen.

Die SNB ist in einer schwierigen Lage - denn der Franken ist bei Investoren als sichere Anlagemöglichkeit in turbulenten Zeiten gefragt. Das haben jüngst die politischen Unsicherheiten um die Regierungsbildung in Italien gezeigt: Kurzfristig war die eidgenössische Währung zum Euro auf den höchsten Wert seit über einem halben Jahr gestiegen.

"Wir sehen den Schweizer Franken immer noch als sicheren Hafen und beobachten oft, dass er stärker wird, wenn geopolitische Unsicherheiten den Markt umtreiben", sagte Alan Mudie, Investmentstrategie-Chef der Vermögensverwaltung bei der französischen Großbank Societe General. Auch die Schweizer Regierung warnte am Dienstag vor einer Verunsicherung durch das Programm der EU-kritischen Regierung in Italien, die zu einem "deutlichen Aufwertungsdruck" auf den Franken führen könne. Aber auch die Furcht vor einer Eskalation des Handelsstreits der USA mit China und den Europäern belastet die Wirtschaft und die Märkte.

Die SNB ist an einer schwächeren Währung interessiert, weil das Schweizer Waren im Ausland günstiger macht und somit die exportorientierte Wirtschaft stützt. Um den Franken für Anleger unattraktiv zu machen, hat die Notenbank die Zinsen in den Negativbereich auf minus 0,75 Prozent gesenkt und interveniert bei Bedarf am Devisenmarkt. Die Bereitschaft für diese Eingriffe dürfte sie auch am Donnerstag betonen, sagte Mudie. Zudem dürften die Währungshüter den Franken nach Einschätzung der Experten weiterhin als "hoch bewertet" bezeichnen.

Wann es zu einem ersten Zinsschritt in der Schweiz kommt, hängt den Ökonomen zufolge auch maßgeblich von der Europäischen Zentralbank ab. Sie hatte vergangene Woche zwar ein Auslaufen ihres Anleihenkaufprogramms zum Jahresende angekündigt. Gleichzeitig hatten die Euro-Hüter jedoch erklärt, die Leitzinsen frühestens im Herbst 2019 anzuheben. Zwar schließt Credit-Suisse-Anlagestrategin Nannette Hechler-Fayd'herbe eine Zinserhöhung der SNB vor der EZB nicht aus. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass sich der Franken abschwäche. "Die SNB könnte im ersten Quartal eine Zinserhöhung machen, wenn sich abzeichnet, dass die EZB dies im zweiten Quartal mit großer Wahrscheinlichkeit auch tut", sagte sie.

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