Schweizer Helikopter-Start-up fordert Airbus heraus

Zürich (APA/Reuters) - Der Schweizer Hubschrauber-Hersteller Marenco will sich mit frischem Kapital für ein Kräftemessen mit Branchenriesen wie Airbus stärken. Marenco Swiss Helicopter sei dabei, bei Großanlegern 150 Mio. Franken (130 Mio. Euro) einzusammeln, erklärte Firmenchef Andreas Löwenstein und bestätigte damit Reuters am Freitag vorliegende Informationen.

Mit der Kapitalerhöhung wolle die Jungfirma den Aufbau der Serienproduktion und des Vertriebs seines ersten Helikopters finanzieren. Testflüge seien erfolgreich verlaufen und die ersten Maschinen des Typs SH09 sollen 2019 an die Kunden ausgeliefert werden. "Wir wollen sehr schnell auf den Weltmarkt gehen", sagte der frühere Airbus-Manager.

Der Hubschrauber, der bis zu acht Personen befördern könne, sei für eine breite Palette von Anwendungen wie Polizeieinsätze, Krankenflüge oder Lastentransporte geeignet. Marenco habe bereits zwölf feste Bestellungen, darunter von der Matterhorn-Bergrettungsgesellschaft Air Zermatt. Zudem lägen 112 Absichtserklärungen sowie 15 Aufträge vor, die vom Erreichen bestimmter Meilensteine abhingen. Die Hälfte der Orders stamme aus den USA. "Wir zielen darauf ab, relativ schnell deutlich über 100 Stück pro Jahr zu verkaufen", erklärte Löwenstein. Damit würde Marenco mit den 3,3 Mio. Dollar (2,8 Mio. Euro) teuren Geräten einen zweistelligen Marktanteil erreichen. "Der Gesamtmarkt in diesem Segment ist zwischen 600 und 700 Einheiten im Jahr."

Die Konkurrenzangebote von Airbus, der amerikanischen Bell oder der italienischen Leonardo seien ursprünglich in den 1970er Jahren entwickelt worden. Marktführer sei Airbus. "Wer sein Produkt über Jahrzehnte anbieten kann und immer noch Marktleader ist, ruht sich irgendwann aus", erklärte Löwenstein. "Für uns ist das eine hervorragende Gelegenheit, um als Herausforderer in dieses Segment zu gehen."

Marenco hebe sich von den bestehenden Angeboten mit ihrer modernen Technologie ab. So sei die aus Karbonverbund-Werkstoffen gefertigte, rund drei Tonnen schwere Maschine leistungsfähiger und auch bei Unfällen sicherer, sagte Löwenstein. Schlüsselkomponenten wie die Rotorblätter oder Getriebe produziere die Firma selbst, viele andere Bestandteile kaufe sie ein, so etwa den Motor von Honeywell.

Dennoch sind die finanziellen und regulatorischen Hürden für einen Erfolg hoch: Bis Ende des kommenden Jahres hofft die Firma auf grünes Licht von den Flugsicherheitsbehörden Europas und der Schweiz. Klappt es mit der Zulassung, trifft der 250-Personen-Betrieb auf Konkurrenten mit einem großen Vertriebsnetzwerk und tiefen Taschen. Analysten weisen darauf hin, dass es bei Luftfahrtprojekten wegen technischer Probleme immer wieder zu Kostenüberschreitungen kommt.

Doch Löwenstein gibt sich unbeirrt. "Die Gewinnschwelle wollen wir Ende 2022 erreichen." Marenco steht im Besitz einer Familienstiftung, die vom russischen Bankier Alexander Mamut aufgesetzt wurde. Während die Familie die Entwicklung seit 2009 finanzierte, sollen die weiteren Mittel von reichen Familien oder strategischen Investoren kommen. Mit der von Rothschild organisierten Aktienplatzierung sei der Kapitalbedarf voraussichtlich gedeckt. Ein späterer Börsengang sei dennoch denkbar. "Ich bin nicht der Aktionär", so Löwenstein. "Aber ich würde ein IPO in einem reiferen Stadium nicht ausschließen."

Der südafrikanische Steinhoff-Großaktionär Christo Wiese kappt nach seinem Rücktritt als Verwaltungsratschef weitere Verbindungen zu dem angeschlagenen Handelsriesen. Wiese sagte am Freitag den Verkauf der Einzelhandelskette Shoprite an Steinhoffs Afrika-Tochter STAR ohne Angabe von Gründen ab.
 

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Steinhoff-Großaktionär sagt Milliarden-Firmenverkauf ab

Der kriselnde Möbelhändler Steinhoff - Muttergesellschaft von Kika/Leiner - lässt seinen Ankündigungen Taten folgen und versilbert Anteile an der südafrikanischen Investmentgesellschaft PSG Group. So habe das Unternehmen 20,6 Millionen Aktien oder 9,5 Prozent der Anteile an PSG verkauft, teilte Steinhoff am Freitag mit.
 

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Steinhoff verkauft Anteile an südafrikanischer Investmentgesellschaft

Am Mittwoch ist die Air-Berlin-Tochter Niki pleitegegangen. Noch gibt es eine leise Hoffnung, die Firma zu erhalten. Unterdessen fischen Konkurrenten bereits nach den hoch qualifizierten Niki-Mitarbeitern. Und auch die Kunden können hoffen, dass sie nicht um ihr Geld umfallen. Die deutsche Regierung muss aber einen Teil ihres 150 Mio. Euro schweren Überbrückungskredits für Air Berlin abschreiben.
 

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Niki-Pleite - Chancen für Mitarbeiter und letzte Hoffnung für Firma