Schuldenberatung: Über 110.000 Privatkonkurse in Österreich seit 1995

Vor 20 Jahren wurde der Privatkonkurs gesetzlich verankert. Die betroffenen Personen sind mit durchschnittlich mit 70.000 Euro verschuldet.

Eisenstadt/Wien. Donnerstag und Freitag findet in Eisenstadt die 6. Schuldenberatungstagung statt. Thema der Konferenz ist "20 Jahre Privatkonkurs". Seit diese Möglichkeit 1995 gesetzlich verankert wurde, seien österreichweit mehr als 110.000 Personen in den Privatkonkurs gegangen, zog Hans W. Grohs, Geschäftsführer der Dachorganisation der staatlich anerkannten Schuldenberatungen (asb), am Mittwoch Bilanz.

In der Schuldenberatung sei sehr viel getan und sehr viel erreicht worden. Jedoch gebe es offene Punkte: Gerade "bei jenen, die es am notwendigsten brauchen" - Menschen, die nichts mehr zurückzahlen könnten und wo auch die Gläubiger keine Chance mehr hätten, an Geld zu kommen, müsse man auch gesetzliche Maßnahmen setzen, so Grohs. Hier gebe es die Forderung der Schuldenberatung, dass das Abschöpfungsverfahren erleichtert werde. Die Gerichte sollten mehr Chancen haben, Billigkeitsentscheidungen zu treffen.

Gemeinsamer Fokus der Dachorganisation und der Schuldenberatungen sei, dass man die existenzbedrohenden Folgen von Verschuldung verhindere, sagte Grohs. Schuldenberatung rechne sich für den, der komme, aber auch für die Volkswirtschaft und indirekt hätten auch die Banken etwas davon.

Das Wissen "ich kann nicht mehr ausgeben, als ich einnehme und dass ich Kredite auch zurückzahlen muss" müsse im Privathaushalt verankert sein. "Da fehlt's teilweise und daran arbeiten wir", meinte Grohs. Auch Prävention sei in diesem Zusammenhang sehr wichtig.

Österreichweit liege der Durchschnitt der Verschuldung bei Klienten etwa bei 70.000 Euro. Fast zwei Drittel der Betroffenen hätten bis zu 30.000 Euro Schulden. Wichtig wäre, eine Strategie aufzusetzen, wie man im gesamten Land eine vernünftige Finanz- und Wirtschaftsbildung initiieren könne, meinte Grohs.

Gastgeber der Tagung ist das Burgenland, wo es die Schuldenberatung seit 1998 gibt. Im Burgenland beginne Präventionsarbeit zum Teil schon im Kindergarten, erläuterte Landesrätin Verena Dunst (SPÖ): "Das ist der Beginn, dass man lernt: Was man hat, muss man einteilen."

Im Burgenland kamen im Vorjahr 627 Klienten in die Schuldenberatung, mit steigender Tendenz. Im Jahr würden durchschnittlich rund 1.200 persönliche Beratungsgespräche geführt. Hauptursache für Verschuldung sei im Burgenland falsches Konsumverhalten, so Dunst. Die älteste Klientin war 79 Jahre, der älteste männliche Klient 77 Jahre alt, erläuterte Gabriela Perusich, die Leiterin der Schuldenberatung Burgenland. 54,7 Prozent der Klienten, die die Beratung in Anspruch nehmen, seien männlich, 45,3 Prozent weiblich.

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Analysten zur politischen Krise in Italien

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Italienische Aktien steigen nach geplatzter Regierungsbildung