SBO-Chef Grohmann: 2017 war ein Übergangsjahr

Wien/Ternitz (APA) - "Nach den schweren Krisenjahren 2015/16 war 2017 ein Übergangsjahr" für den österreichischen Ölfeld-Ausrüster Schoeller-Bleckmann, so SBO-Chef Gerald Grohmann. Ins Jahr 2018 starte man optimistisch. "Wir spüren einen gewissen Rückenwind und hoffen, dass er das ganze Jahr anhalten wird", sagte Grohmann am Mittwoch bei der Präsentation der Ergebniszahlen.

"Wir haben uns in der Krise auf den Aufschwung vorbereitet und uns speziell auf Nordamerika stark konzentriert und positioniert, weil wir ja damit gerechnet haben, dass es dort als erstes losgeht", sagte Grohmann. Zwar steht unter dem Strich noch immer ein dickes Minus - das Ergebnis nach Steuern verschlechterte sich sogar von -28 Mio. auf -54,5 Mio. Euro -, das sei aber auf einen nicht zahlungswirksamen Einmaleffekt zurückzuführen, betonte Grohmann. Operativ hat die im ATX der Wiener Börse vertretene Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment AG den Sprung in die Gewinnzone geschafft, das EBIT drehte von -58 Mio. auf 25,6 Mio. Euro ins Plus. "Die Trendwende ist geschafft", zeigte sich Finanzvorstand Klaus Mader überzeugt.

Der Vorstand wird der Hauptversammlung vorschlagen, für das Geschäftsjahr 2017 eine Dividende von 0,50 Euro je Aktie auszuschütten. Der Kurs der SBO-Aktie gab heute bis 12.45 Uhr um 2,8 Prozent auf 90,45 Euro nach.

Auch die wichtige Kenngröße EBITDA habe angezogen, sagte Grohmann. Die EBITDA-Marge liege im langjährigen Durchschnitt bei 24 Prozent, 2017 habe man bereits 23 Prozent geschafft und in den letzten zwei Quartalen 2017 sogar 26 bis 27 Prozent.

Dass sich 2017 noch kein Gewinn ausgegangen ist, liege an der unerwartet guten Entwicklung der US-Tochter Downhole Technology. "Die Downhole Technology ist viel rascher gewachsen, als wir es bei der Akquisition 2016 antizipiert haben", sagte Grohmann. "Wir haben für 68 Prozent der Anteile rund 90 Mio. Euro bezahlt", sagte Mader. 32 Prozent seien im Eigentum des Managements geblieben, mit dem man damals eine Put/Call-Vereinbarung geschlossen habe. Im April 2019 könne das Management seine Anteile der SBO anbieten oder die SBO könne diese Anteile abrufen. Seither habe sich der Wert des Unternehmens aber mehr als verdreifacht, und man habe deshalb für die Option eine Aufwandsbuchung vornehmen müssen. Seine bevorzugte Sichtweise sei aber: "Es wird nicht das verbleibende Drittel deutlich teurer, sondern wir haben die ersten beiden Drittel sehr, sehr günstig erworben." Der Wertzuwachs dieser zwei Drittel stelle eine stille Reserve dar.

"Für 2018 sieht es so aus, dass nun auch die internationalen Märkte beginnen zumindest leicht anzuziehen, was zusätzliches Futter für uns und unsere Industrie bedeuten sollte", sagte Grohmann. Das gelte einerseits unter der Prämisse, dass es zu keinen großen geopolitischen Krisen oder Unsicherheiten komme und dass die "OPEC 2.0" - also inklusive Russland - sich an ihre Förderbeschränkungen halte, was seit etwa eineinhalb bis zwei Jahren "mit extremer Disziplin passiert ist".

2017 hat die SBO nicht nur ihren Umsatz um 77 Prozent auf 324 Mio. Euro gesteigert sondern auch die Auftragseingänge haben sich auf 342 Mio. Euro verdoppelt. "Immer dann, wenn der Auftragseingang höher ist als der Umsatz, ist das ein gutes Zeichen, dass wir wachsen", sagte Grohmann.

Gewachsen ist im Vorjahr auch die Belegschaft, nämlich um ein Fünftel von 1.200 auf 1.432 Mitarbeiter, wobei der Zuwachs vor allem in Nordamerika erfolgte. In Österreich sei der Mitarbeiterstand durch natürliche Abgänge geringfügig auf 309 Leute gesunken, die Kurzarbeit sei mit Jänner 2018 beendet worden. Während der Krise habe man in jedem Betrieb eine Kernmannschaft definiert, sagte Grohmann. "Wir haben gesagt: Diese Mannschaft füttern wir durch, egal, wie schlecht die Auslastung ist." Das habe Geld gekostet und man habe die Leute teilweise damit beschäftigt, alles auf Hochglanz zu polieren - "wir sind picobello aufgestellt".

Geografisch will sich die SBO nun stärker als bisher auf Saudi-Arabien konzentrieren. Grohmann will verschiedene Tochtergesellschaften unter das Dach einer seit Jahren in Saudi-Arabien registrierten SBO-Tochter bringen, damit diese Töchter ihre Produkte in Saudi-Arabien verkaufen können. Auch der Standort in Vietnam soll ausgebaut werden. "Chinesen kommen zu uns, um in Vietnam produzieren zu lassen", erklärte Grohmann. "Vietnam hat natürlich Kostenvorteile, aber man möchte auch die Qualität von Schoeller-Bleckmann haben." Das Russland-Geschäft der SBO sei nicht groß, "wir haben dort keine 200 Leute", räumte der SBO-Chef ein, "aber das Geschäft, das wir dort betreiben, macht viel Freude und hat die ganze Krise hindurch positive Zahlen geschrieben".

Vom drohenden Handelskrieg zwischen EU und USA erwarte man bisher keine Nachteile, sondern nur Vorteile, sagte Grohmann. "Die Regelungen, wie sie jetzt kommuniziert werden, treffen uns nicht, weil wir nicht ein einfacher Stahllieferant sind, wir sind keine Voest, sondern wir liefern ja Fertigprodukte oder Halbfertigprodukte." Auch von der US-Steuerreform profitiere die SBO, erklärte Finanzchef Mader. "Wir hatten in Nordamerika keine Verlustvorträge, also trifft uns das nicht."

Wien/Linz (APA) - Der 50. Verhandlungstag im Korruptionsprozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/ÖVP) und andere verlief heute äußerst zäh. Nachdem Richterin Marion Hohenecker die Befragung von Grasser abgeschlossen hatte, war die Anklagebehörde am Wort - im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Ex-Minister machte von seinem Recht auf Entschlagung Gebrauch und beantwortete so gut wie keine Frage.
 

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Grasser-Prozess - 50. Tag im Zeichen des Schweigens

Düsseldorf (APA/Reuters) - Der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky baut seinen Anteil am Handelsriesen Metro aus. Er ließ am Donnerstag aber offen, ob er damit auf ein Übernahmeangebot für den Düsseldorfer Konzern zusteuert. Dies hänge auch daran, wie sich die Beziehungen zur Metro-Spitze gestalteten und ob er und sein Investment-Partner Patrik Tkac die "zukünftige Entwicklung zielgerichtet unterstützen können".
 

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Milliardär Kretinsky hält nach Metro-Aktienkauf Karten bedeckt

Dublin/Brüssel (APA/dpa) - Die Anteilseigner von Europas größtem Billigflieger Ryanair haben bei ihrer Hauptversammlung der Führungsspitze einen Denkzettel verpasst. Zwar wählten die Aktionäre den Verwaltungsratsvorsitzenden David Bonderman und Unternehmenschef Michael O'Leary wieder - Bonderman bekam jedoch nur 70,5 Prozent Zustimmung. O'Leary erzielte immerhin 98,5 Prozent.
 

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Anleger wählen Ryanair-Führungsspitze trotz Turbulenzen wieder