Sanierer Grossnigg tritt kürzer und legt alle Mandate zurück

Erhard Grossnigg will nur in den Stiftungen aktiv bleiben. "Meine Freunde sind längst alle in Pension", sagt Grossnigg. Er hat seit 1979 über 100 Unternehmen saniert oder restrukturiert.

Wien. Der als Sanierer und Investor bekannte ehemalige Banker Erhard Grossnigg (69) wird sich im Herbst dieses Jahres aus dem operativen Geschäft zurückziehen. "Ich habe mich so organisiert, dass ich alle meine Mandate mit Erreichung des 70. Lebensjahres zurücklege. In den Stiftungen werde ich noch bleiben", kündigte Grossnigg in einem "Presse"-Interview (Montagausgabe) an. Grossnigg wird am 22. September 70.

"Ich bin jeden Tag um halb sieben im Büro. Ich arbeite gern. Aber in einem Unternehmung sollte der Rechtsvorgänger nicht das Nachfolgeproblem auslösen. Die Jungen denken und arbeiten anders. Meine Freunde sind längst alle in Pension", begründet Grossnigg seinen Teilrückzug.

Grossnigg gilt in Österreich als der Sanierer schlechthin. Geboren wurde er 1946 in Linz. Nach dem Studium an der damaligen Hochschule für Welthandel (heute: Wirtschaftsuniversität Wien) arbeitete er von 1967 bis 1974 als Banker bei der Chase Manhattan Bank. Von 1974 bis 1979 war er geschäftsführender Gesellschafter der Donau Finanz Treuhand- und FinanzierungsgesmbH & Co KG in Wien. In diese Zeit fiel auch sein Doktoratsstudium, das er 1980 abschloss.

1979 gründete Grossnigg die E. F. Grossnigg Finanzberatung und TreuhandgesmbH, deren geschäftsführender Gesellschafter er seitdem auch ist. Neben Grossnigg gibt es noch zwei weitere geschäftsführende Gesellschafter, nämlich Susanne Singer (geboren 1949), und Kerstin Gelbmann (1974). Anfang 2015 wurde Christian Kniescheck (1972) als Vierter ins Boot geholt.

Banker wollte er nicht bleiben, weil er immer selbstständig sein wollte. "Ich bin so erzogen, ich komme aus einer Gastwirtschaft", so Grossnigg. Die Arbeit in der Bank sei ihm nicht effizient genug gewesen. So haber er die erste Möglichkeit ergriffen, selbstständig zu werden.

Der semantische Unterschied

Seit 1979 - also rund 37 Jahre - beschäftigt sich Grossnigg nun schon mit Sanierungen, die er jetzt lieber "Restrukturierungen" nennt. "Wir sind keine Berater, wir sind Umsetzer. Wir machen das, was wir für wichtig halten, damit das Unternehmen wieder angemessen verdient", lautet sein Motto. Ein wichtiger Teil der Tätigkeiten sind Mergers & Acquisitions.

Seit der Gründung seiner Gesellschaft 1979 wurden weit über 100 Unternehmen begleitet, zuletzt etwa der börsennotierte Büromöbelhersteller Bene, den er gemeinsam mit Ex-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein mehrheitlich übernahm, oder die Wiener Traditionsbäckerei Ankerbrot.


Die Sanierungsliste von A bis Z

Die Referenzliste von Grossnigg liest sich auch wie ein Who is Who der österreichischen Wirtschaft: Seine Finger im Spiel hat und hatte der Restrukturierer unter anderem auch bei Adeg, Alpine, Augarten Porzellan, Avanti, Bauholing, Carrera Brillen, Circus Roncalli, Dachstein Schuhfabrik, Delka, Deutz-Fahr Landmaschinen, Economos, Efkon, Epamedia, Europapier, Forstinger, Frantschach, Funder, Gaulhofer, Huber Tricot, IGM Robotersysteme, Ilbau, Kneissl, Leiner/Kika, Leykam, Negrelli Bau, Neudörfler, Praktiker, Raichle, Resch & Frisch, S&T, Semper Constantia Privatbank, Skiny, Stiefelkönig, Stuag Bau, Tarbuk Autohaus, Theater in der Josefstadt, Thurner Bau, Tourotel, Turbo Schuh, Ueberreuter, Westbahn, Wiener Konzerthaus, Wienerwald Restaurants oder dem Zellstoffwerk Pöls.


Den schlechten Ruf eines Sanierers erklärt sich Grossnigg im "Presse"-Interview damit, dass es in Österreich keine Kultur im Umgang mit Niederlagen gibt. "Mit dem Thema Sanierung verbindet man, dass es jemandem schlecht geht. Damit will man nichts zu tun haben", sagt Grossnigg. "In den USA findet keiner etwas dabei, wenn ein Unternehmer scheitert. Bei uns ist das eine Tragik."

Aktuell hat Grossnigg laut Firmencompass noch sieben Geschäftsführerposten inne, unter anderem bei der grosso holding, über die die meisten Firmenbeteiligungen gehalten werden. Weiters sitzt er in der Geschäftsführung der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten und der AugartenliegenschaftsverwaltungsgesmbH.

Grossnigg übt zudem in fünf Aufsichtsräten Kontrollfunktionen aus: bei Ankerbrot, Binder + Co, Rail Holding (Westbahn, Westbus), S&T und der Semper Constantia Privatbank.

Nicht zurückziehen will sich Grossnigg laut eigenen Angaben aus den Stiftungen. In vier Stiftungen übt Grossnigg ein Vorstandsmandat aus: der Czerwenka Privatstiftung, Gambit Privatstiftung, MTS Privatstiftung und der Rhomberg Privatstiftung.

Lieboch/Wien (APA) - Die Zeta Biopharma GmbH mit Sitz in Lieboch bei Graz hat nach eigenen Angaben einen Großauftrag vom deutschen Pharmakonzern Boehringer Ingelheim erhalten. Der Auftrag übersteige deutlich die 25 Mio. Euro-Grenze und umfasst neben Anlagenplanung die Lieferung der Bioreaktoren für die Biotech-Produktionsanlage am Boehringer Regional Center Vienna.
 

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Steirische Zeta Biopharma mit Großauftrag von Boehringer Ingelheim

Dublin (APA/dpa) - Beim irischen Billigflieger Ryanair kündigt sich der erste Pilotenstreik der Geschichte an. Die Vereinigung Cockpit (VC) hat am Dienstag zu Streiks an den deutschen Basen aufgerufen. Zuvor hatten bereits Gewerkschaften in Italien und Portugal für Arbeitskämpfe mobilisiert. An der Basis Dublin haben sich irische Piloten per Urabstimmung für einen Streik ausgesprochen.
 

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Deutsche Ryanair-Piloten wollen streiken - Europaweite Aktion

Wien (APA) - Der Automarkt boomt in Österreich. Bis November wurden heuer 327.669 Pkw neu zum Verkehr zugelassen, um 7,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, teilte die Statistik Austria am Dienstag mit. Damit lag die Zahl der Pkw-Neuzulassungen einen Monat vor Jahresende nur um rund 2.000 Stück unter jener des Gesamtjahres 2016. Im Monat November betrug der Anstieg 16 Prozent.
 

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Automarkt boomt - Pkw-Zulassungen bis November um 7,8 Prozent höher