Ryanair in Irland mit Piloten einig - KV für Laudamotion kommt bald

Wien/Dublin/Schwechat (APA/AFP/Reuters/dpa-AFX) - Zwei Wochen nach den Streiks bei Ryanair mit zahlreichen Flugausfällen hat die Billigfluglinie mit einer irischen Pilotengewerkschaft eine Einigung erzielt. In der Nacht sei nach 22 Verhandlungsstunden mit der Gewerkschaft Forsa ein Durchbruch gelungen, erklärten beide Seiten. Über Einzelheiten wurde Stillschweigen vereinbart, bis die Piloten darüber abgestimmt hätten.

Die in Irland stationierten Piloten von Ryanair hatten in den vergangenen Wochen fünf Mal gestreikt, um bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Ryanair hat deswegen bereits angedroht, seine Flotte in Irland zu verkleinern, was einen Abbau von 300 Stellen bedeute. Ein Schlichter vermittelte seit Anfang August.

Die irische Pilotengewerkschaft erklärte am Donnerstag, sie empfehle ihren Mitgliedern, die nun erzielte Vereinbarung per Urabstimmung anzunehmen. Ryanair verhandelt seit Ende letzten Jahres erstmals mit Gewerkschaften für Piloten und Kabinenbeschäftigte in mehreren Ländern über Tarifverträge, darunter in Deutschland mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Mehrere Treffen mit "Cockpit" verliefen bisher ergebnislos.

In Österreich hoffen führende Gewerkschafter, bis Ende September einen Kollektivvertrag für die mehr als 600 Beschäftigten der mittlerweile mehrheitlich zu Ryanair gehörenden Fluggesellschaft Laudamotion zustande zu bringen. Eine Verhandlungsgrunde gestern, Mittwoch, musste auf Mitte September verschoben werden.

Am Ryanair-Stammsitz in Dublin kam es in der Nacht auf Donnerstag mit Hilfe eines Schlichters zu dem Kompromiss, der die Ryanair-Aktien gleich einmal um mehr als fünf Prozent nach oben brachte. Analysten sehen damit den schwelenden Arbeitskampf zu Ende gehen.

Während der zäh verlaufenden Gespräche war es in den vergangenen Monaten mehrmals zu Streiks und Flugausfällen gekommen. Einen Höhepunkt der Arbeitsniederlegungen gab es am 10. August, als Piloten aus Deutschland, Irland, Belgien, den Niederlanden und Schweden gleichzeitig einen Tag lang streikten. Davon waren 55.000 Passagiere betroffen, die meisten von ihnen in Deutschland. Die Beschäftigten fordern höhere Bezahlung und Regeln zu anderen Konditionen, wie in Tarifverträgen üblich. Für den Billigflieger, der erst nach massiven Flugausfällen wegen Personalmangel im vergangenen Jahr von seiner gewerkschaftsfeindlichen Haltung abrückte, gerät das auf niedrigen Kosten beruhende Geschäftsmodell unter Druck.

Andere Pilotengewerkschaften warteten indes gespannt auf das Ergebnis, das ihre irischen Kollegen eingefahren haben. Von den insgesamt mehr als 4.000 Flugzeugführern von Ryanair sind etwa 350 in Irland stationiert.

In Deutschland erklärte Pilotengewerkschafts-Sprecher Janis Schmitt, die Gewerkschaft wolle zunächst die Details bewerten und dann entscheiden, wie es weitergeht. Skeptisch äußerte sich bereits die niederländische Pilotengewerkschaft VNV. Die Einigung der Iren sei auf Regeln zu Versetzungen und Beförderungen beschränkt. "Wir müssen die Details prüfen, aber bisher sehen wir in dieser Vereinbarung nicht viel, auf das wir aufbauen können, da wir andere Prioritäten haben", erklärte VNV-Sprecher Joost van Doesburg.

Neben den Piloten verlangen auch Flugbegleiter von Ryanair in Deutschland eine bessere Bezahlung. Dazu verhandelt auch die deutsche Gewerkschaft Verdi mit der Billigairline. Verdi will substanzielle Entgeltsteigerungen für die rund 1.000 Flugbegleiter erreichen, die in Deutschland stationiert sind. Die Gewerkschaft will auch gegen Befristungen, Leiharbeit und kurzfristige Versetzungen angehen. Mit der Arbeitgeberseite verhandelt in Deutschland parallel auch die Gewerkschaft Ufo (Unabhängige Flugbegleiter-Organisation).

Der irische Billigflieger steht seit längerem wegen seiner Arbeitsbedingungen unter enormem Druck der Gewerkschaften. Ryanair sieht sich seit längerem Vorwürfen ausgesetzt, seine Mitarbeiter deutlich schlechter zu bezahlen als andere Billigfluggesellschaften. Das Unternehmen, das sich erst im vergangenen Jahr bereit erklärt hatte, Gewerkschaften überhaupt anzuerkennen, weist das zurück.

Ryanair wollte bisher keine Vereinbarungen treffen, die sein Niedrigkostenkonzept in Frage stellen würden.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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