Ryanair-Chef bietet Suchmaschinen die Stirn

Ryanair will sich nach Aussagen von Firmenchef Michael O'Leary von Flug-Suchmaschinen nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Die größte Billig-Airline Europas habe 200 Programmierer angeheuert, um den Internet-Auftritt des Unternehmens zu überholen und neue Dienste für Handys zu entwickeln, sagte O'Leary in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

"Wir müssen vorsichtig vorgehen und aufpassen, damit Google nicht der Vertriebsweg wird, über den wir 50 Prozent, 60 Prozent oder 80 Prozent unserer Tickets verkaufen", so der Airline-Chef.

Derzeit setzt der Easyjet-Rivale 95 von 100 Tickets über seinen eigenen Web-Auftritt ab. Mit der Neugestaltung der Internet-Seite bis Herbst tritt Ryanair dem Geschäftsmodell von Diensten wie Google Flights, Kayak oder Skyscanner entgegen, die Flüge vergleichen und erst für die Buchung auf die Seiten der Fluglinien selbst verweisen. Für letzteres verlangen die Anbieter häufig eine Gebühr.

Skyscanner etwa habe vor Jahren von Ryanair drei Euro pro vermittelte Reise gefordert, sagte O'Leary. Der Versuch scheiterte. Die Lufthansa geht derzeit einen anderen Weg, um den Vertrieb über die eigene Web-Seite zu stärken: Über Buchungsplattformen wie Amadeus verkaufte Tickets kosten bald 16 Euro mehr.

Ryanair mit Sitz in Dublin habe über 18 Monate ein Heer von Software-Spezialisten angeheuert, um für die Seite neue Online-Funktionen zu entwickeln, sagte O'Leary: "Wir wollen das Amazon der Reisebranche in Europa werden und Preisvergleiche, günstige Hotelzimmer, herabgesetzte Fußball-Tickets und Konzertkarten anbieten." Diese sollen an die über 100 Millionen Flugpassagiere, die die Iren dieses Jahr erwarten, verkauft werden.

Vorigen Monat setzte sich Ryanair mit Konkurrenten wie der Lufthansa in Verbindung, um deren Flugpreise in die eigene Seite einspeisen zu dürfen. Air France-KLM und Easyjet lehnten bereits ab. Nun plant O'Leary, die Daten mit speziellen Programmen ohne Zustimmung der Airlines zu kopieren. Der Vorstoß ist pikant, da O'Leary genau wegen dieser Praxis Preissuchmaschinen verklagt, die Flugdaten ohne Zustimmung von der Ryanair-Webseite abgreifen.

Ryanair ist laut O'Leary in Gesprächen mit der British-Airways-Mutter International Airlines Group (IAG) und mit Aer Lingus über Zubringerdienste für deren Langstreckenflüge. Das wäre für Ryanair ein Novum in der 30-jährigen Unternehmensgeschichte, sagte O'Leary am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Bisher hat sich die Gesellschaft bei solchen Geschäftsmodellen zurückgehalten, weil bei verpassten Anschlussflügen Entschädigungen fällig werden.

"In den nächsten fünf bis zehn Jahren werden wir erleben, dass wir zum Zubringer für andere Langstecken-Fluggesellschaften werden", sagte O'Leary. Der Vorteil für sie liege darin, dass sie viel billigere Zubringerdienste auf Kurzstrecken bekommen als von anderen. Allerdings müssten sie die Verantwortung für verpasste Anschlüsse übernehmen.

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