RWE prüft Verkauf von Kraftwerken ins Ausland

Essen - Der deutsche Energiekonzern RWE greift unter dem Druck wegbrechender Gewinne in der Stromerzeugung zu drastischen Mitteln. "Wir prüfen, neben anderen Optionen, auch den Verkauf von Kraftwerken in andere Länder", sagte Vorstandsmitglied Rolf Martin Schmitz am Dienstag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Ganz konkret werde dies im Fall eines niederländischen Gaskraftwerks überlegt.

Dies könne komplett ins Ausland veräußert werden. RWE zündet damit im Kampf gegen den Gewinnschwund im Kraftwerksgeschäft eine neue Stufe. Der Konzern hat bereits zahlreiche Anlagen stillgelegt.

Ein Verkauf eines ganzen Kraftwerks von dem ursprünglichen Standort ins Ausland ist für die Versorgerbranche ein äußerst ungewöhnlicher Schritt. Der Markt zum Verkauf kompletter Kraftwerke sei schwierig, räumte der Manager ein. Das Kraftwerk in den Niederlanden sei aber nur wenige Monate gelaufen, ehe es abgeschaltet worden sei, so das nun ein Verkauf in Frage komme. "Es macht doch keinen Sinn, moderne lauffähige Anlagen da stehen zu haben, ohne dass sie bezahlt werden etwa durch eine Vorhalteprämie."

Durch den Ausbau des Ökostroms aus Wind und Sonne und den Überkapazitäten sind die Strom-Großhandelspreise auf den tiefsten Stand seit elf Jahren gefallen. RWE, E.ON und auch zahlreichen Stadtwerken brechen die Gewinne weg. Vor allem Gaskraftwerke werden wegen der vergleichsweise hohen Brennstoffkosten aus dem Markt gedrängt. RWE hatte nach hohen Abschreibungen auf seine Kraftwerke 2013 einen Verlust von fast 3 Mrd. Euro eingefahren. Die Zahlen für 2014 legt der Vorstand im März vor. Das Management um Vorstandschef Peter Terium erwartet einen weiteren Gewinnrückgang. Den Konzern drücken zudem Schulden von rund 31 Mrd. Euro. RWE steuert unter anderem mit dem Verkauf von Tafelsilber wie der Öl- und Gasfördertochter Dea gegen. Der Konkurrent E.ON hat sich unter anderem von Kraftwerksgeschäften in Spanien, Italien und Portugal getrennt. Käufer waren der tschechische Versorger EPH und der australische Infrastrukturinvestor Macquarie.

In Deutschland stapeln sich wegen des Verfalls der Großhandelspreise bei der Bundesnetzagentur inzwischen rund 50 Anträge auf die Stilllegung von Kraftwerken. Damit ist auch bei RWE noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. "Wir prüfen die Stilllegung weiterer Kraftwerke in Deutschland und den Niederlanden", sagte Schmitz. Der Versorger hatte bereits 2013/14 angekündigt, dort Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von rund 9000 Megawatt stillzulegen. Dies entspricht in etwa der Leistung von neun Kernkraftwerken. In Großbritannien hat RWE darüber hinaus bereits weitere 4000 Megawatt von den geplanten 5000 Megawatt vom Netz genommen.

Trotz des Ausbaus von Energie aus Wind und Sonne werden diverse Kohle- und Gaskraftwerke benötigt, um den schwankenden Strom aus erneuerbarer Energie zur Not zu ersetzen. Die Hoffnung der Branche auf eine Vergütung ihrer Anlagen, die rund um die Uhr Strom erzeugen können, hat sich bisher nicht erfüllt. Deutschlands Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte sich am Dienstag erneut gegen einen solchen Kapazitätsmarkt ausgesprochen. "Die Äußerungen Gabriels wundern mich, weil er einen offenen Prozess zu einem Grünbuch und Weißbuch machen wollte. Und dieser Prozess ist ja noch in vollem Gange", kritisierte Schmitz.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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