Rumoren bei Zumtobel - Aufsichtsrat tagt

Wien/Dornbirn (APA) - Beim börsennotierten Vorarlberger Leuchtenkonzern Zumtobel tagt heute der Aufsichtsrat. Im Vorfeld hatte eine Umsatz- und Gewinnwarnung - u.a. wegen gehäufter Projektverschiebungen in Großbritannien - für einen zweistelligen Kurssturz der Aktie gesorgt. Zudem wies ein Medien zugespielter Brief von Managern auf einen offenkundigen Machtkampf zwischen Managern und Eigentümerfamilie hin.

Am Donnerstag - nach einer vorangegangenen nächtlichen Gewinnwarnung - war der Zumtobel-Aktienkurs zeitweise um bis zu 25 Prozent abgestürzt, das Papier ging dann mit einem Kursverlust von 21 Prozent aus dem Handel. Am Freitag hat sich die Aktie bis zum Mittag um 2,34 Prozent etwas erholt.

Der Präsident des Interessenverbandes für Anleger, Wilhelm Rasinger, sagte am Freitag zur APA, von Unternehmen mit engen Geschäftsverbindungen mit Großbritannien kämen im Brexit-Umfeld unerfreuliche Nachrichten, und auf solche negativen Nachrichten würden die Märkte derzeit auch überreagieren. Für Zumtobel ist Großbritannien der wichtigste nationale Markt. Äußerst sensibel begegneten Anleger allerdings auch jedweden Differenzen zwischen Management und Aufsichtsrat.

Ein von 20 Zumtobel-Führungskräften (nicht aber von Vorständen) unterschriebenes Schreiben wird laut "Süddeutscher Zeitung" von Insidern als Drohbrief an den Aufsichtsrat, von anderen als Petition und wieder anderen als Aufstand und Hilferuf interpretiert. Verlangt wurde darin: Dienstwege und Berichtslinien müssten unbedingt eingehalten werden, ebenso die Regeln der Corporate Governance. Es dürfe künftig keine Eingriffe von außen mehr geben. Auch fordern die Unterzeichner "freedom to operate", Freiheit zu handeln. Zumtobel-Kenner werteten die Vorlage laut "SZ", die als erste Zeitung von dem Schreiben berichtete, als eine Aufforderung an die Gründerfamilie, sich künftig aus den laufenden Geschäften stärker herauszuhalten. Der Vorwurf ziele vor allem auf Jürg Zumtobel, Sohn des Firmengründers, der bis 2003 Vorstandschef war und jetzt dem Aufsichtsrat vorsteht. Auch sein Bruder Fritz, Vorstand von 1974 bis 1996, gehört dem Aufsichtsrat an.

Beide, so kritisierten ihre Gegner, würden sich nicht auf ihre Rolle als Aufsichtsräte beschränken, sondern dem Management reinreden und so aktiv Einfluss nehmen auf das Unternehmen, von dem ihnen und ihren Familienangehörigen doch nur noch ein gutes Drittel gehöre. In Kreisen der Familie werde der Brief der Manager als Affront verstanden, heißt es. Sollte die Initiative jedoch im Aufsichtsrat verpuffen, drohe ein Aderlass an Führungskräften, prophezeien Kritiker der Familie Zumtobel der "Süddeutschen" zufolge - und auch Konzernchef Ulrich Schumacher könnte dann hinwerfen.

Gegenüber den "Vorarlberger Nachrichten" erklärte Jürg Zumtobel lediglich, ein Diskurs zwischen Aufsichtsrat, Vorstand und Management sei ein normaler und wichtiger Bestandteil für die Strategiefindung in jedem Unternehmen. Weiter kommentiere er die Sache nicht. Der Aufsichtsrat tagte am Freitagmittag.

Der nach außen getragene Streit kommt für den Konzern zur Unzeit. Diese Woche musste Zumtobel die Gewinn- und Umsatzprognosen für das laufende Geschäftsjahr kappen. Der Vorstand erwartet für das Geschäftsjahr (per Ende April 2018) ein operatives Ergebnis (bereinigtes Ebit) von 50 bis 60 (Vorjahr: 72,4) Millionen Euro und einen Umsatzrückgang von etwa fünf Prozent. Bisher waren jeweils leichte Zugewinne prognostiziert worden. Sorgen bereiten dem Konzern dazu der Preisdruck in Europa sowie die Verzögerung von Projekten in dem wichtigen Markt Großbritannien. Der Bericht zum 1. Halbjahr 2017/18 wird für 5. Dezember erwartet.

Anfang Oktober hatte Zumtobel zudem bekanntgegeben, dass die Produktion der Komponententochter Tridonic aus Kostengründen von Dornbirn nach Serbien verlegt wird. Am Stammsitz will man sich auf die Produktion von Leuchten konzentrieren. Dort sollen auch die betroffenen Tridonic-Mitarbeiter unterkommen, es werde keine betriebsbedingten Kündigungen geben, hieß es. Zuletzt hatte Zumtobel 2016 mit der Schließung des unrentablen Werks in Usingen (Hessen) für Aufregung unter den Beschäftigten gesorgt. 156 Mitarbeiter verloren ihre Stelle, erst nach Streiks und zähen Verhandlungen einigte man sich auf einen Sozialplan.

Der südafrikanische Steinhoff-Großaktionär Christo Wiese kappt nach seinem Rücktritt als Verwaltungsratschef weitere Verbindungen zu dem angeschlagenen Handelsriesen. Wiese sagte am Freitag den Verkauf der Einzelhandelskette Shoprite an Steinhoffs Afrika-Tochter STAR ohne Angabe von Gründen ab.
 

Newsticker

Steinhoff-Großaktionär sagt Milliarden-Firmenverkauf ab

Der kriselnde Möbelhändler Steinhoff - Muttergesellschaft von Kika/Leiner - lässt seinen Ankündigungen Taten folgen und versilbert Anteile an der südafrikanischen Investmentgesellschaft PSG Group. So habe das Unternehmen 20,6 Millionen Aktien oder 9,5 Prozent der Anteile an PSG verkauft, teilte Steinhoff am Freitag mit.
 

Newsticker

Steinhoff verkauft Anteile an südafrikanischer Investmentgesellschaft

Am Mittwoch ist die Air-Berlin-Tochter Niki pleitegegangen. Noch gibt es eine leise Hoffnung, die Firma zu erhalten. Unterdessen fischen Konkurrenten bereits nach den hoch qualifizierten Niki-Mitarbeitern. Und auch die Kunden können hoffen, dass sie nicht um ihr Geld umfallen. Die deutsche Regierung muss aber einen Teil ihres 150 Mio. Euro schweren Überbrückungskredits für Air Berlin abschreiben.
 

Newsticker

Niki-Pleite - Chancen für Mitarbeiter und letzte Hoffnung für Firma