Rückversicherer hoffen nach Hurrikanen auf höhere Preise

Baden-Baden (APA/Reuters) - Die Hurrikan-Serie in den USA und der Karibik soll die seit Jahren bröckelnden Preise in der Rückversicherung nach oben treiben. Beim jährlichen Branchentreffen in Baden-Baden hat der Preispoker mit den Erstversicherern für die Verträge begonnen, die zum Jahreswechsel auslaufen.

Allerdings ist fraglich, ob die Rückversicherer auch in Europa höhere Preise durchsetzen können, da es dort heuer kaum Stürme oder Überschwemmungen gegeben hat. Der Branchendritte Hannover Rück rechnet damit, dass er in Deutschland nur bei jenen Erstversicherern die Prämien kräftig erhöhen kann, die tatsächlich Schäden gemeldet hatten, wie Vorstandsmitglied Michael Pickel am Montag sagte. Insgesamt sieht er leichte Prämiensteigerungen auf dem heimischen Markt.

Viele Rückversicherer pochen darauf, dass die Preise wegen der Stürme in Nordamerika auch in Europa steigen müssten. "Das gibt ein gewisses Spannungsfeld", sagte Jan-Oliver Thofern vom Rückversicherungs-Makler Aon Benfield. Branchenführer Münchener Rück argumentiert, schließlich hätten die Versicherer auch bei ihren Forderungen nach Preissenkungen in den Vorjahren mit der Entwicklung in Übersee argumentiert. Weniger Geschäft zeichnen will die Münchener Rück unter dem Eindruck der Hurrikane jedenfalls nicht: "Unser Risiko-Appetit bleibt sehr stark, auf dem Niveau wie vorher", sagte Vorstand Hermann Pohlchristoph. Das gelte auch für die USA und die Karibik: "Dort erwarten wir die größten Preissteigerungen."

Die Wirbelstürme Harvey, Irma und Maria - im Branchenjargon inzwischen als "HIM" zusammengefasst - dürften Versicherer und Rückversicherer nach Branchenschätzungen rund 100 Mrd. Dollar (85 Mrd. Euro) kosten. Die Münchener Rück richtet sich darauf ein, dass 2017 nach dem Hurrikan-Jahr 2005 ("Katrina") und nach 2011 mit der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima das drittschwerste Schadenjahr der Geschichte wird. Die Schwelle von 100 Mrd. Dollar wird laut Pohlchristoph "sehr wahrscheinlich" überschritten. 2005 und 2011 hatten die Versicherer jeweils rund 130 Milliarden gezahlt.

Anders als der Rivale Swiss Re hat der Marktführer Münchener Rück bisher seine Schadensbilanz nicht veröffentlicht und nur ein großes Fragezeichen hinter seine Gewinnerwartungen gesetzt. "Wir glauben, das wäre nicht so hilfreich. Wir wollen lieber auf der sicheren Seite sein", erklärte Pohlchristoph die Zurückhaltung. Swiss Re, die Nummer zwei der Branche, geht davon aus, dass die Hurrikane sie 3,6 Mrd. Dollar kosten. Für die Münchener Rück reichen die Analystenschätzungen von 1,9 bis 2,8 Mrd. Euro.

In Baden-Baden beäugten sich die Parteien im Prämienpoker vorsichtig. "Jeder tänzelt ein bisschen um den anderen herum", beschrieb ein hochrangiger Rückversicherungsmanager die Taktik. "Hier ist das Motto: viel zuhören und möglichst wenig sagen."

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