Rekordarbeitslosigkeit - AK drängt auf Reduktion der Arbeitszeit

Angesichts der Rekordarbeitslosigkeit in Österreich drängt die Arbeiterkammer darauf, verschiedene Möglichkeiten der Arbeitszeitverkürzung und Umverteilung der Arbeit "offensiv anzudenken". "Es ist Zeit dafür", sagte AK-Präsident Rudolf Kaske am Donnerstag vor Journalisten in Wien. Kaske ortet eine "paradoxe Situation" am heimischen Arbeitsmarkt.


Einerseits gebe es "stark belastete" Vollzeiterwerbstätige, die viele - zum Teil unbezahlte - Überstunden leisten, auf der anderen Seite steige die Zahl der Arbeitslosen, geringfügig Beschäftigten und Teilzeitkräfte. Die AK verweist auf Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat, wonach Vollzeitbeschäftigte in Österreich mit 41,8 Stunden pro Woche nach Großbritannien mit 42,2 Stunden die zweitlängste Wochenarbeitszeit haben.

Freizeit statt Lohnerhöhung

Um die Arbeitszeit zu verkürzen und Arbeit umzuverteilen, schlägt die Arbeiterkammer mehrere Maßnahmen vor: Die "Freizeitoption" soll in weitere Kollektivverträge aufgenommen werden. Mit dieser Option erhalten die Beschäftigten die Möglichkeit, statt der Lohnerhöhung zusätzliche Freizeit in Anspruch zu nehmen. In der Elektro- und Elektronikindustrie und der Bergwerke und eisenerzeugende Industrie wird die "Freizeitoption" bereits angeboten. Außerdem soll nach Ansicht der AK die Bildungskarenz und Bildungsteilzeit erleichtert werden, All-In-Verträge begrenzt und der Zugang zur 6. Urlaubswoche erleichtert werden. Überstunden sollten mittels eines "Überstunden-Euro" verteuert werden und vermehrt gegen "Lohndumping" vorgegangen werden.

Um die Arbeitslosigkeit in Österreich zu bekämpfen, sollte laut AK auch vermehrt in Forschung & Entwicklung (F&E) sowie in Bildung investiert werden. Auch das im Regierungsprogramm vereinbarte "Bonus-Malus"-System für die Erhöhung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer müsse so schnell wie möglich umgesetzt werden, forderte Kaske. Ein anderer AK-Vorschlag zur Arbeitslosigkeitsprävention sieht vor, Betriebe mit höherer Personalfluktuation dazu zu verpflichten, mehr in die Arbeitslosenversicherung einzuzahlen. Dieses "Experience-Rating Modell" werde in den USA angewandt. Die derzeitige Auflösungsabgabe für Arbeitsverträge von 118 Euro sei "eine starre Lösung", so der AK-Präsident.

Erneut warnte Kase eindringlich davor, die Mittel des Arbeitsmarktservices (AMS) für aktive Arbeitsmarktpolitik ab 2017 um 220 Mio. Euro zu kürzen, wie derzeit im gültigen Budgetvorschlag vorgesehen. "Der Finanzminister muss hier umdenken", betonte Kaske. Das AMS-Budget für Schulungen und Förderungen beläuft sich heuer auf 1,14 Mrd. Euro. Das AMS hat nach leichten Mittelkürzungen und Kritik an zu vielen "Sinnloskursen" ihr Schulungsprogramm umgestellt und setzt nun mehr auf vertiefende Ausbildung als auf Quantität. Ab 2016 gilt in Österreich eine Ausbildungspflicht für Jugendliche. Dafür werden 16.000 zusätzliche Arbeitsplätze benötigt, verwies Kaske auf Zahlen des Sozialministeriums. Auch dafür müsse die Finanzierung sichergestellt werden.

Das Problem der Rekordarbeitslosigkeit in Österreich - sie steigt seit August 2011 - muss laut dem AK-Präsidenten auch auf europäischer Ebene angegangen werden. Das 315-Milliarden-Euro-Investitionspaket von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sei ein Anfang, aber zwischen Ankündigung und Umsetzung sei bereits zu viel Zeit verloren gegangen. Die Arbeitskammer fordert auf europäischer Ebene eine "goldene Investitionsregel" einzuführen, wonach bestimmte öffentliche, langfristige Investitionen aus den EU-Fiskalregeln ausgenommen werden sollen. Damit könnte der Spardruck auf öffentliche Investitionen genommen werden. "Europa lebt derzeit von der Substanz", kritisierte Kaske.

Der südafrikanische Steinhoff-Großaktionär Christo Wiese kappt nach seinem Rücktritt als Verwaltungsratschef weitere Verbindungen zu dem angeschlagenen Handelsriesen. Wiese sagte am Freitag den Verkauf der Einzelhandelskette Shoprite an Steinhoffs Afrika-Tochter STAR ohne Angabe von Gründen ab.
 

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Steinhoff-Großaktionär sagt Milliarden-Firmenverkauf ab

Der kriselnde Möbelhändler Steinhoff - Muttergesellschaft von Kika/Leiner - lässt seinen Ankündigungen Taten folgen und versilbert Anteile an der südafrikanischen Investmentgesellschaft PSG Group. So habe das Unternehmen 20,6 Millionen Aktien oder 9,5 Prozent der Anteile an PSG verkauft, teilte Steinhoff am Freitag mit.
 

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Steinhoff verkauft Anteile an südafrikanischer Investmentgesellschaft

Am Mittwoch ist die Air-Berlin-Tochter Niki pleitegegangen. Noch gibt es eine leise Hoffnung, die Firma zu erhalten. Unterdessen fischen Konkurrenten bereits nach den hoch qualifizierten Niki-Mitarbeitern. Und auch die Kunden können hoffen, dass sie nicht um ihr Geld umfallen. Die deutsche Regierung muss aber einen Teil ihres 150 Mio. Euro schweren Überbrückungskredits für Air Berlin abschreiben.
 

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Niki-Pleite - Chancen für Mitarbeiter und letzte Hoffnung für Firma