Privatbanken und DIW-Forscher senken Konjunkturprognose

(Reuters) - Die deutschen Privatbanken und das DIW-Institut blicken deutlich skeptischer auf die Konjunktur, befürchten aber keine Rezession. Trotz der Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten sei das Umfeld für die heimische Wirtschaft sehr günstig - vor allem wegen der guten Arbeitsmarktlage und niedriger Zinsen, teilte der Bundesverband deutsche Banken (BdB) am Mittwoch mit. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung setzt ungeachtet der aktuellen Flaute weiter auf einen moderaten Aufschwung. DIW-Präsident Marcel Fratzscher warnte aber: "Deutschland ist vor Rückschlägen nicht gefeit." Der Bankenverband und das DIW senkten jeweils ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft 2014 auf 1,5 von 1,8 Prozent. Für 2015 erwartet der BdB 1,6 (bisher 2,0) Prozent, das DIW 1,8 (2,0) Prozent.

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble räumte ein, dass sich die Wachstumsaussichten für Europa und Deutschland eingetrübt hätten. Grund seien etwa die Krisen um die Ukraine und im Mittleren Osten sowie die Ebola-Seuche in Westafrika, sagte der CDU-Politiker im Interview von Reuters TV. "Zur Panik oder zur Depression ist kein Anlass", betonte Schäuble aber. "Die wirtschaftliche Entwicklung ist laut den neusten Zahlen in Deutschland robust."

Der DIW-Präsident hingegen sieht "enorme" Risiken, da die Konjunktur im der Euro-Zone immer noch schleppend laufe. Ziehe sie nicht bald stärker an oder spitze sich die Krise sogar wieder zu, "wird sich Deutschland dem nicht entziehen können", sagte Fratzscher. Der Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik beim Branchenverband BdB, Stefan Schilbe, sprach von blutleerem Wachstum im Währungsraum. "In der Euro-Zone sind wir noch gefangen in einer Tristesse." Wichtig seien Strukturreformen in Frankreich und Italien.

BANKEN ERWARTEN WEITERE EURO-ABWERTUNG - SCHÄUBLE GELASSEN

Für Schwung beim Export nach Übersee dürfte der niedrige Euro-Kurs sorgen. Denn der BdB rechnet damit, dass sich die jüngste Abwertung der Gemeinschaftswährung fortsetzt und der Euro Ende 2015 nur noch 1,20 Dollar wert sein wird. Der Wechselkurs sei aber nicht im freien Fall, sondern werde eher allmählich nachlassen, sagte Schilbe. Hauptgrund sei, dass die US-Notenbank wohl im Frühjahr oder Frühsommer 2015 die Zinswende einleiten werde und damit deutlich früher als die Europäische Zentralbank (EZB), sagte der Chefvolkswirt der Privatbank HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die EZB hatte erst kürzlich den Leitzins auf ein Rekordtief nahe null Prozent gesenkt.

Schäuble sieht die Euro-Schwäche gelassen. Auf die Frage, ob er sich Sorgen mache, antwortete er im Interview: "Nein". Noch vor wenigen Wochen habe die Währung bei rund 1,39 Dollar notiert, nun liege sie knapp unter 1,30 Dollar. "Da muss man im Positiven wie im Negativen nicht allzu viel ableiten", warnte Schäuble. "Es gibt keine Manipulation des Wechselkurses", sagte er. EZB-Präsident Mario Draghi habe ihm versichert, seine Notenbank halte sich an die Vereinbarungen im Rahmen von G7 und G20. Darin hatten sich die Mitgliedsländer verpflichtet, in keinen Abwertungswettlauf bei ihren Währungen einzutreten.

Brüssel (APA/Reuters) - Der Defizitstreit zwischen der EU-Kommission und der italienischen Regierung verschärft sich. Die Brüsseler Behörde wird den Budgetentwurf aus Rom für das kommende Jahr ablehnen, wie der "Spiegel" am Mittwoch unter Berufung auf den deutschen EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) berichtete.
 

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EU-Kommission weist Italiens Haushaltsentwurf zurück

Washington/Peking (APA/dpa) - US-Präsident Donald Trump hat ein neues Mittel gefunden, um China im Handelsstreit unter Druck zu setzen. Auf Anraten seines Wirtschaftsberaters Peter Navarro wolle Trump ein 144 Jahre altes Postabkommen aufkündigen, schrieb die "New York Times" am Dienstag unter Berufung auf hochrangige Regierungskreise.
 

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Trump könnte 144 Jahre altes Postabkommen mit China beenden

Wien (APA) - Im Korruptionsprozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, Ex-FPÖ-Generalsekretär Walter Meischberger, dessen früheren Anwalt Gerald Toifl und andere ging es heute am 57. Prozesstag einmal mehr darum, wem welche Konten gehörten. Kein leichtes Unterfangen, wie schon Meischberger beim Auffliegen des "Buwog-Skandals" anmerkte.
 

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Grasser-Prozess - "Wird alles etwas schwierig zu erklären"