Philippinen werden Standort für KTM-Werk: Motorräder für Asien

Mattighofen/Leonding/Wien - Die Philippinen gelten als aufstrebendes Land für Investoren im südostasiatischen Raum. Der Kraftwerksbauer Andritz hat bereits seit Jahrzehnten auf den Philippinen Fuß gefasst. Jetzt zieht der Motorradhersteller KTM nach. KTM eröffnet 2017 ein Werk für Leichtmotorräder auf dem Inselstaat. Auch der Feuerwehrauto-Produzent Rosenbauer steht in Verhandlungen für Fahrzeuglieferungen.

KTM-Leichtmotorräder der Marke Duke sollen hinkünftig auf den Philippinen produziert werden. Absatzmärkte sollen der ASEAN-Raum und China werden. Für diese Pläne hat sich KTM einen philippinischen Partner gesucht. Die Kapazitäten sind zu Beginn mit jährlich 6.000 Stück angesetzt, künftig sollen es aber bis 20.000 pro Jahr werden. Die "Werkbank" kommt von der philippinischen Ayala Corporation, der Joint-Venture Partner des heimischen Fahrzeugbauers. Ayala produziert Elektronikteile für Autos. Ein bestehende Fabrik des Unternehmens wird für die Herstellung der Leichtmotorräder vom Typ Duke umgerüstet. Dies berichtete die österreichische Wirtschaftsdelegierte in Manila, Lisa Koscak, am Freitag bei einem Treffen gemeinsam mit der Botschafterin der Philippinen in Wien.

Auch der österreichische Hersteller von Feuerwehrautos, Rosenbauer, hat möglicherweise einen Auftrag in dem südostasiatischen Land in der Pipeline. Die Philippinen wiesen im Vorjahr ein Wirtschaftswachstum von 5,8 Prozent aus. Für 2016 hat die Weltbank ein Wachstum von 6,4 Prozent prognostiziert. Internationale Ratingagenturen attestieren dem Land eine aufstrebende Wirtschaftsposition im asiatischen Raum und signalisieren für Investoren "grünes Licht".

Aber der Amtsantritt des neu gewählten Präsidenten Rodrigo Duterte am 30. Juni wirft Fragezeichen auf. Der Hardliner will das politische System des Inselstaates umkrempeln und die Korruption mit zweifelhaften Methoden bekämpfen, aber auch eine Verfassungsreform einläuten und den Föderalismus stärken.

Was seinen künftigen Wirtschaftskurs anbelangt, habe es bereits Entwarnung gegeben, berichtete Botschafterin Maria Zeneida Angara Collinson vor Journalisten. Duterte wolle den eingeschlagenen Kurs der Vorgängerregierung fortführen und Erleichterungen für Investoren schaffen zur Umsetzung notwendiger Infrastrukturvorhaben.

Tatsächlich besitzen die Philippinen einen hohen Bedarf an neuer Infrastruktur. Dieser reicht von Straßen, Brücken, Krankenhäusern, Tourismusprojekten, Hotelanlagen bis hin zu Sicherheits- und Katastrophenschutz-Equipment, erläuterte Angara Collinson. Vor allem der Tourismus sei noch stark unterentwickelt. Derzeit finden nur rund fünf Prozent der rund 100-Millionen-Bevölkerung ihr Auskommen im Tourismus.

Dem Inselstaat wird nicht nur eine wirtschaftlich dynamische Zukunft vorausgesagt, sondern er gehört mit zu den Staaten, die bereits jetzt an den Folgen des Klimawandels leiden. Jährlich fegen rund 40 Taifune über das Land, was auch eine Aufrüstung im Bereich des Katastrophenschutzes voraussetzt.

Aktuell soll es Verhandlungen über den Absatz von 76 Rosenbauer-Feuerwehrautos geben, auf der Ebene von "Soft Loans". Das bedeutet, dass die österreichische Kontrollbank hierfür einen Teil des Kreditvolumens als Entwicklungshilfegeld anrechnen kann. Auch der Energiehunger im Land wächst. Vor allem der Sektor erneuerbare Energie gewinne an Bedeutung. Zudem verspreche der Bausektor ein großes Auftragsvolumen, hieß es vonseiten der Wirtschaftsdelegierten.

Österreich und die Philippinen verbindet eine mindestens 70-Jährige Partnerschaft, berichtet die Botschafterin. Das Handelsvolumen zwischen den beiden Staaten war mit 253 Mio. Euro im Vorjahr nur marginal. Die Philippinen stehen bei den Österreichern nur an 62. Stelle als Warenexportmarkt, die Importe aus dem Inselstaat sind im Vorjahr aber zweistellig angewachsen.

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