Petersburger Wirtschaftsforum: Disput über Wirtschaftswachstum

St. Petersburg (APA) - Während die Weltwirtschaft um 3,8 Prozent gewachsen ist, machte das Wachstum in Russland nur 1,5 Prozent aus. Gleich in der ersten großen Podiumsdiskussion des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg (SPIEF) stritten am Donnerstag der russische Finanzminister Anton Siluanow und sein Vorgänger Aleksej Kudrin wie die russische Volkswirtschaft zur globalen Entwicklung aufschließen kann.

"Der Staat soll Bedingungen dafür schaffen, dass investiert wird, Geschäftsmodelle entwickelt und Mittel auch in neue Projekte gesteckt werden", sagte Siluanow, der ohne konkrete Zahlen zu nennen darüber klagte, dass Russland diesbezüglich im internationalen Vergleich nachhinke. Insbesondere gelte es das Volumen der Investitionen zu erhöhen, betonte der Finanzminister. Ausgehen sollen nötige Entwicklungen dabei insbesondere von privaten Investoren, auch Pensionskassen sollen zusätzliche langfristige Finanzierungen ermöglichen, sagte er.

Mit Hilfe von Staatsschulden sollen lediglich Infrastrukturprojekte finanziert werden, betonte Siluanow, der am Podium diesbezüglich seinem Vorgänger Aleksej Kudrin heftig widersprach. Nach Ansicht Kudrins, der dieser Tage überraschend zum realpolitisch eher unbedeutenden Chef des russischen Rechnungshofes ernannt wurde, sollen auch Investitionen in den Gesundheits- und Bildungsbereich über Staatsschulden finanziert werden.

Der wirtschaftsliberale Vordenker Kudrin forderte in St. Petersburg am Donnerstag einmal mehr auch einschneidende Reformen, ohne die ein Aufholen Russlands in Bezug auf das globale Wirtschaftswachstum nicht möglich sei. Angesichts einer jährlichen Abnahme von 500.000 Arbeitskräften in Russland müsse die Produktivität erhöht, der Behördendruck auf Unternehmen reduziert und Nichtrohstoffexporte verdoppelt werden. Insgesamt müssten doppelt so viele Firmen wie bisher auf Exporte setzen, erklärte der Rechnungshofchef. "Der Binnenmarkt holt uns da nicht raus", sagte Kudrin, der die Kosten westlicher Sanktionen gegen Russland nach der letzten US-Sanktionswelle mit 0,5 Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts bezifferte.

Rückhalt für Kudrins Reformforderungen kam am Donnerstagvormittag auch von der geschäftsführenden Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IMF), Christine Lagarde. Sie lobte in St. Petersburg zwar die russische Fiskal- und Geldpolitik, sprach angesichts eines für 2018 mit 1,7 Prozent prognostizierten Wirtschaftswachstums in Russland jedoch von der Notwendigkeit, die Produktivität zu erhöhen, die Vielfalt in der russischen Wirtschaft zu vergrößern und auch die Bereiche Infrastruktur, Gesundheit und Bildung zu entwickeln.

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