"Paradise Papers" - US-Minister Ross hat pikante Russland-Connection

Washington (APA/AFP) - Durch die Enthüllungen aus den "Paradise Papers" ist eine weitere prominente Figur aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump in den Sog der Russland-Affäre geraten. Das gigantische Datenleck hat ans Licht gebracht, dass Handelsminister Wilbur Ross über eine Reederei von Geschäften mit dem russischen Energiesektor profitiert.

Dies stellt nicht nur einen potenziellen Interessenkonflikt dar. Es dürfte auch den Sonderermittler Robert Mueller interessieren, der die Verbindungen des Trump-Teams nach Russland untersucht.

Aus den der "Süddeutschen Zeitung" zugespielten Unterlagen geht hervor, dass Ross' Investmentfonds über Briefkastenfirmen auf den Kaimaninseln einen Anteil von 31 Prozent an der Reederei Navigator halten, zu deren Großkunden der russische Energiegigant Sibur gehört. Der Konzern wird von Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin sowie dessen Schwiegersohn Kirill Schamalow kontrolliert.

Diese Verbindungen sind nicht nur deshalb problematisch, weil Ross als Minister für die Regulierung des Warentransports auf den Ozeanen zuständig ist. Brisant ist auch, dass der 79-Jährige über Navigator in Geschäftsverbindung zu russischen Oligarchen steht, die mit US-Sanktionen belegt sind - so etwa mit Gennadi Timschenko, einem der Sibur-Hauptanteilseigner.

Und zudem eröffnen die Enthüllungen möglicherweise gar eine neue Piste für die Untersuchungen von Sonderermittler Mueller und mehrerer Kongressausschüsse zu den Kontakten zwischen Trump-Mitarbeitern und der russischen Regierung im Wahlkampf. Ross, ein milliardenschwerer Finanzinvestor, hatte die Präsidentschaftskampagne des rechtspopulistischen Immobilienmoguls von früh an enthusiastisch unterstützt.

Ross trägt den Beinamen "König des Bankrotts" - er gelangte mit riskanten Rettungsmanövern für angeschlagene Industrieunternehmen zu Reichtum, die er nach der Sanierung verkaufte. Der Sohn eines Anwalts und einer Lehrerin wollte ursprünglich einmal Schriftsteller werden, ein Wall-Street-Praktikum entfachte dann aber seine Leidenschaft für die Finanzwelt.

Nach einem Management-Studium an der Eliteschmiede Harvard stieg Ross bei der Rothschild-Bank ein, wo er mehr als zwei Jahrzehnte arbeitete und sich auf Insolvenzen spezialisierte. Damals knüpfte Ross auch Geschäftsbeziehungen zu Trump, dessen Casino-Geschäft in Atlantic City in den neunziger Jahren vor dem Kollaps stand. Ross half Trump aus dem Schlamassel, indem er die Investoren davon überzeugte, dass dessen Markenname weiterhin von Wert war.

Später machte sich Ross selbstständig und spezialisierte sich auf die Sanierung von Unternehmen der Stahl-, Kohle-, Autozulieferer- und Textilbranche. Auch im Ausland war er als Sanierer tätig. So stieg er in den Vorstand der Bank of Cyprus ein und half bei der Rettung des schwer angeschlagenen zypriotischen Finanzinstituts, das zahlreiche wohlhabende Russen zu seinen Kunden zählt.

Das Vermögen des 79-Jährigen wird vom Magazin "Forbes" auf 2,5 Mrd. Dollar (2,1 Mrd. Euro) geschätzt. Seine Privatresidenz hat Ross, der in dritter Ehe verheiratet ist, in Palm Beach im Bundesstaat Florida in direkter Nachbarschaft von Trumps Mar-a-Lago-Ressort. Von vielen Firmenbeteiligungen hat er sich mit seinem Eintritt ins Kabinett getrennt. Auch seine Beteiligung an Navigator schraubte er zurück.

Zu den "Paradise Papers" beteuerte Ross, dass an seinen Geschäftsverbindungen nach Russland "nichts Unangemessenes" dran sei. Am Abschluss des Deals zwischen Navigator und Sibur sei er nicht beteiligt gewesen, sagte der Minister dem britischen Sender BBC. Zudem sei Sibur selbst nicht mit US-Sanktionen belegt. Ross halte sich aus allen Angelegenheiten des transozeanischen Warenverkehrs heraus, versicherte zudem ein Ministeriumssprecher.

Gleichwohl dürften die Fragen an Ross damit längst nicht beantwortet sein. Während seines Nominierungsverfahrens im Senat hatte seine Navigator-Beteiligung keine Rolle gespielt - möglicherweise deshalb, weil damals die Annahme herrschte, er sei aus der Reederei komplett ausgestiegen. Senator Richard Blumenthal von den oppositionellen Demokraten warf Ross deshalb auf Anfrage der "Süddeutschen" vor, den Senat und die US-Bürger getäuscht zu haben.

Siemens liefert den ÖBB zur Verwendung ab 2022 neue Züge. Der Rahmenvertrag dazu war im Juli bekanntgeworden, nun sind alle Einspruchsfristen abgelaufen und der Deal ist fixiert. Bis zu 700 Waggons für die Personenbeförderung im Wert von bis zu 1,5 Mrd. Euro können die ÖBB in dem Vertrag abrufen. Gebaut werden die Wagen im Siemens-Werk in Wien.
 

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Neue Siemens Züge für ÖBB ab 2022 in Betrieb

Eine schwache Nachfrage nach Graphikkarten für die Erzeugung von Kryptowährungen wie Bitcoin stimmt den US-Konzern Nvidia vorsichtig. Der Umsatz im laufenden Quartal werde wohl bei 3,25 Mrd. Dollar (2,9 Mrd. Euro), plus/minus zwei Prozent, und damit unter den von Analysten im Schnitt geschätzten 3,34 Milliarden liegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.
 

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Chiphersteller Nvidia steigerte Umsatz

Mehr als 1.000 Mitarbeiter von Google haben in einem Brief Bedenken gegen die Rückkehr des Suchmaschinen-Giganten nach China angemeldet. Die zensierte Suchmaschine mit dem Projektnamen "Dragonfly" (Libelle) werfe "dringende moralische und ethische Fragen auf", zitierte das US-Portal "The Intercept" am Donnerstag aus dem Schreiben an die Konzernführung, in dem auch mehr Informationen zu den Plänen gefordert werden.
 

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Protestbrief: Mitarbeiter von Google hinterfragen China-Pläne