Panama Papers - Kanzlei Mossack Fonseca: "Wir wurden gehackt"

Panama Papers - Kanzlei Mossack Fonseca: "Wir wurden gehackt"

Panama-Stadt/Berlin - Die Kanzlei Mossack Fonseca in Panama hat die in den "Panama Papers"-Enthüllungen erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Sein Unternehmen helfe nicht bei Geldwäsche oder Steuerhinterziehung, sagte der Kanzlei-Anwalt Ramon Fonseca Mora am Sonntag im Fernsehsender TVN.

Mossack Fonseca gründe lediglich Firmen und verkaufe sie dann an Banken, Vermögensverwalter oder Anwälte. Eine Geschäftsbeziehung zu den Endkunden bestehe nicht.

Fonseca räumte ein, dass die von mehreren Medien am Sonntag veröffentlichten Dokumente zum Teil aus seiner Kanzlei stammen. "Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen", sagte der frühere Berater von Panamas Präsident Juan Carlos Varela. Er führt die Kanzlei gemeinsam mit dem deutschstämmigen Rechtsanwalt Jürgen Mossack.

Unter dem Stichwort "Panama Papers" oder "Panama-Leaks" haben Medien auf der ganzen Welt - darunter aus Österreich die Wochenzeitung "Falter" und der ORF - über Offshorefirmen berichtet, in denen Politiker, Prominente und Sportler hohe Geldbeträge angelegt haben sollen. Die Informationen stammten demnach aus einem Datenleck bei der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, die der "Süddeutschen Zeitung" zugespielt wurden. Insgesamt gehe es um 11,5 Millionen Dokumente zu 214.000 Briefkastenfirmen, die von Mossack Fonseca gegründet worden seien, berichtete das Blatt am Sonntagabend.

Wegen der Menge der Daten entschied sich die "Süddeutsche Zeitung", die Informationen gemeinsam mit anderen Medien auszuwerten, darunter aus Österreich der "Falter" und der ORF. Insgesamt hätten in den vergangenen zwölf Monaten rund 400 Journalisten von mehr als 100 Medienorganisationen in rund 80 Ländern recherchiert. Die Daten reichten von den frühen 1970er- Jahren bis ins Frühjahr 2016.

Die Dokumente würden ein detailliertes Bild darüber abgeben, wie Mossack Fonseca "Tag für Tag Sanktionsbrüche und Beihilfe zur Steuerhinterziehung und Geldwäsche in Kauf nimmt". Es gebe Unterlagen über mutmaßliche Offshore-Firmen von zwölf aktuellen und früheren Staatschefs sowie Spuren zu Dutzenden weiteren Spitzenpolitikern, ihren Familien, engsten Beratern und Freunden. Zudem fänden sich fast 130 weitere Politiker aus aller Welt unter den Kunden der Kanzlei, darunter viele Minister, so die "Süddeutsche Zeitung".

Die Daten belegten, "wie eine globale Industrie, angeführt von großen Banken, Anwaltskanzleien und Vermögensverwaltern, die Besitztümer von Politikern, FIFA-Funktionären, Betrügern und Drogenschmugglern, aber auch von Milliardären, Prominenten und Sport-Stars in aller Verschwiegenheit verwaltet", schrieb die Zeitung auf einer eigens für die "Panama Papers" genannten Dokumente eingerichteten Webseite www.panamapapers.de .

"Das wird weltweit Ermittlungen auslösen", sagte der Steuerfahndungsexperte Frank Wehrheim den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Auch in Deutschland würden die Enthüllungen sehr aufmerksam beobachtet. "Da starren jetzt alle Steuerfahnder der Republik drauf. Hier geht es nicht nur um Steuerhinterziehung, sondern auch um Geldwäsche und andere Delikte", so der ehemalige Fahnder. "Dagegen sind die bislang bekannten Steuer-CDs eine Kleinigkeit."

Der Vizechef der deutschen Sozialdemokraten, Ralf Stegner, forderte in Reaktion auf die Enthüllungen eine härtere Gangart gegenüber Steuerhinterziehern. "Der Kampf gegen Steueroasen muss deutlich konsequenter geführt werden, gesetzliche Schlupflöcher müssen geschlossen werden", sagte Stegner dem "Handelsblatt" (Montagsausgabe). Insgesamt müssten die Anstrengungen zur Bekämpfung von Steuerkriminalität erheblich verstärkt werden.

Millionenfache Steuerhinterziehung sei "Schwerstkriminalität gegen das Gemeinwesen", betonte der SPD-Politiker. "Diese Einsicht müsste gerade bei Konservativen und Liberalen zu einer anderen politischen Prioritätensetzung führen als bisher." Sozialdemokraten und Sozialisten wollten "längst eine gemeinsame europäische Politik gegen Steuerkriminelle", die Mehrheiten für eine solche Politik fehlten aber bisher, sagte Stegner.

Los Gatos (APA/Reuters) - Das Filmportal Netflix hat mit seinen Abonnentenzahlen die Märkte enttäuscht und seine Aktien auf Talfahrt geschickt. Der mit Produktionen wie "House of Cards" oder "Orange is the new black" bekannte Streamingdienst gewann nach eigenen Angaben vom Montag im zweiten Quartal auf dem US-Heimatmarkt 670.000 neue Nutzer hinzu, international waren es 4,47 Millionen.
 

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Filmportal Netflix enttäuscht - Aktie auf Talfahrt

Wien (APA) - Bei der Telekom Austria ist das Nettoergebnis im 2. Quartal wie erwartet durch eine Markenwert-Abschreibung von 112,5 Mio. auf 58,0 Mio. Euro gedrückt worden. Ohne diesen Effekt im Ausmaß von 72,4 Mio. Euro wäre das Nettoergebnis um 15,9 Prozent gestiegen.
 

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Telekom Austria: Abschreibung drückte Ergebnis im 2. Quartal

Washington (APA/Reuters) - US-Notenbankchef Jerome Powell sieht die US-Wirtschaft trotz der Gefahr eines ausufernden Handelsstreits weiter im Aufwind. Mit der richtigen Geldpolitik bleibe in den nächsten Jahren der Arbeitsmarkt stark und die Inflation in der Nähe von zwei Prozent, sagte Powell am Dienstag in seiner halbjährigen Anhörung vor dem Bankenausschuss des US-Senats.
 

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Fed-Chef sieht US-Konjunktur trotz Handelsstreit optimistisch