Österreich erspart sich über 40 Milliarden Euro

Aufgrund des Niedrigzinsumfeldes erspart sich die Republik Österreich Zinszahlungen in der Höhe von 40 Milliarden Euro. Die Bundesfinanzierungsagentur OeBFA verwaltet 200 Mrd. Euro Finanzschulden der Republik. Die Zinsen für Gesamtschulden sind auf unter 3 Prozent gefallen.

Wien. Österreich wird sich aufgrund des seit dem Ausbruch der Finanzkrise herrschenden Niedrigzinsumfelds für die seither begebenen Schuldpapiere vergleichsweise weit über 40 Mrd. Euro an Zinszahlungen ersparen. "Das sind schon beachtliche Ziffern", sagte OeBFA-Chef Markus Stix am Donnerstag im Klub der Wirtschaftsjournalisten.

Bereits jetzt hat sich die Republik im Vergleich mit der Zeit vor Beginn der Finanzkrise rund 5 Mrd. Euro Zinsen erspart. Bundesanleihen mit Laufzeiten bis 2020 notieren derzeit am Sekundärmarkt bereits mit negativen Gesamtrenditen. Volumensmäßig entsprechen diese Bundesanleihen ungefähr einem Viertel des Gesamtportfolios.

Österreich sei hinsichtlich seiner Finanzschulden grundsätzlich sehr gut aufgestellt, so Stix. "Wir versuchen uns risikoavers auszurichten und halten ein langes Portfolio, um gegen Zinsverwerfungen gerüstet zu sein".

Die von der Bundesfinanzierungsagentur OeBFA verwalteten Finanzschulden der Republik Österreich lagen per Jahresende 2015 bei 199,1 Mrd. Euro. Trotz der steigenden Finanzschulden ist der Zinsaufwand im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) seit 1996 von 3,4 auf 2,0 Prozent gesunken. Das entspricht einem jährlichen Zinsaufwand von 6,7 Mrd. Euro bzw. 785 Euro pro Kopf.

Im Vorjahr hat die OeBFA 23,2 Mrd. Euro an frischem Kapital aufgenommen, mit einer durchschnittlichen Restlaufzeit von 7,86 Jahren und einer Durchschnittsrendite von 0,49 Prozent. Gegenüber den 0,91 Prozent im Jahr 2014 bedeutet dies fast eine Halbierung der Kosten. Ende 2015 ist die durchschnittliche Effektivverzinsung des Gesamtportfolios erstmals unter 3 Prozent gefallen, nämlich von 3,16 auf 2,97 Prozent. Damit seien das Portfolio und die Zinsausgaben für die Zukunft sehr gut abgesichert, so Stix.

Das abgelaufene Jahr sei sehr volatil gewesen, die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen hätten sich zwischen 0,2 und 1,3 Prozent bewegt. Auch in den letzten 14 Tagen hätten die Märkte stark geschwankt.

Für heuer plant die OeBFA ein Finanzierungsvolumen von 27 bis 30 Mrd. Euro, was etwa 3 Prozent des gesamten Finanzierungsvolumens der Eurozone entspricht. Damit ist Österreich ein kleiner Player am Euromarkt. 20 bis 22 Mrd. Euro werden wieder Bundesanleihen sein, sie sind das Hauptfinanzierungsinstrument der Republik. Dieser gegenüber dem Vorjahr höhere Wert liegt laut Stix im langfristigen Bereich. Die Erhöhung sei durch höhere Fälligkeiten und dem höheren administrativem Defizit des Bundes begründet. Heuer sind zwei syndizierte Emissionen geplant.

In Bezug auf das Refinanzierungsrisiko liegt Österreich laut Stix mit einer Rollover-Ratio von 5,4 im untersten Drittel in der Eurozone. Die Zahl zeigt an, wie schnell sich das Gesamtportfolio aufgrund der Neuverschuldung und Neurefinanzierung verändert. Viele Staaten haben höhere Werte, Deutschland etwa 6,2, Frankreich 14, die Niederlande fast 10.

Besonders herausfordernd werde heuer das "extreme geopolitische Umfeld" sein und die kurzfristig schnellen Veränderungen an den Märkten. "Wir versuchen unsere Systeme so zu machen, dass wir sehr gut und effizient auf Marktanfragen reagieren können", so Stix.

Auch das Rückkaufprogramm der EZB werde die OeBFA beschäftigten. Die EZB sei bisher mit dem Entzug von Liquidität sehr behutsam vorgegangen, die Befürchtungen der Märkte wegen möglicher Liquiditätsengpässe hätten sich nicht bewahrheitet. Dennoch werden am Ende des Programmes im März 2017 rund 14 Prozent österreichischer Schuldenpapiere - der größte Teil davon Bundesanleihen - bei der EZB liegen. Derzeit kaufe die EZB monatlich um 1,2 Mrd. Euro österreichische Papiere. Die EZB könne nur am Sekundärmarkt aufkaufen. Die dritte große Herausforderung werde der Rückkauf von Heta-Anleihen sein.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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