Österreich soll zu einem "Land der Gründer" werden

Nach "Land der Berge" nun auch "Land der Gründer": Wirtschaftsstaatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) will die heimische Gründerszene beleben. Am Donnerstag stellte er in Wien seine "Gründerland-Strategie" vor. Skepsis kommt aus der Szene selbst. Es sei noch ein langer Weg zu gehen, meinte etwa Daniel Keiper-Knorr vom Risikokapital-Fonds Speedinvest.

In dem vom Wirtschaftsministerium erstellten Bericht werden 40 Maßnahmen aufgelistet, die den Unternehmergeist in Österreich fördern sollen. Unter anderem soll Crowdfunding als alternative Finanzierungsquelle etabliert werden, das Gesetz dazu ist gerade in Begutachtung. Gerade frisch gegründete Startups hoffen dadurch auf Kapital, Kritiker warnen davor, dass unerfahrene Kleinanleger so Geld versenken könnten.

"Wichtig ist nach der Gründungsphase aber auch die Wachstums- und Expansionsphase, hier kommen Private Equity und Venture Capital ins Spiel", sagte Jürgen Marchart vom Branchenverband Avco am Rande der Veranstaltung zur APA. Derzeit fließe viel Geld in Startups, bei den weiteren Finanzierungen gebe es aber Aufholbedarf.

Andreas Tschas, Veranstalter des Pioneers Festival, ortet einen Hype um Startups. Waren 2009 nur 28 Leute beim Festival, seien es nun über 3.000. Es habe sich in Wien eine echte Community gebildet.

An Risikokapital mangelt es derzeit nicht. Speedinvest hat kürzlich 58 Mio. Euro von Investoren eingesammelt, bis zum Herbst könnte die Summe noch um 15 bis 20 Mio. Euro steigen, schätzt Speedinvest-Chef Keiper-Knorr. Bis zum Sommer sollen aus dem neuen Topf die ersten 2 Mio. Euro in vier Startups investiert werden. Mit dem ersten, mit 10 Mio. Euro gefüllten, Fonds hat Speedinvest in den letzten Jahren 21 Jungunternehmen und Geschäftsideen finanziert. 4 davon seien um das im Schnitt Fünffache verkauft worden, 15 noch im Portfolio und nur 2 Startups hätten sich bisher als Verlustgeschäft entpuppt.

Laut den präsentierten Zahlen überleben 30 Prozent der Jungunternehmen die ersten drei Jahre nicht. Die Quote habe sich aber in den vergangenen 15 Jahren verbessert, betonte Mahrer. Er sieht Startups als Motor für die Wirtschaft, neue Arbeitsplätze würden geschaffen und Innovationen vorangetrieben. Für Katharina Norden vom Startup Three Coins gehört Scheitern dazu. Für Innovationen sei "trial and error" wichtig. Norden sprach sich dafür aus, dass ein Scheitern weniger oft in einem Privatkonkurs enden sollte.

Mahrer will den Jungunternehmen auch finanziell unter die Arme greifen. Gründer, die ihren ersten Mitarbeiter einstellen, sollen im ersten Jahr keine Lohnnebenkosten zahlen müssen, fordert der ÖVP-Regierungspolitiker. Er werde sich dafür einsetzen: "Ich bin fast erstaunt, dass wir das noch nicht gemacht haben", sagter Mahrer. Dem Staat entgehe kein Geld, weil der Arbeitsplatz ja neu geschaffen werde.

Mahrer sieht durch Startups ein Potenzial von 100.000 Jobs bis zum Jahr 2020.

Der südafrikanische Steinhoff-Großaktionär Christo Wiese kappt nach seinem Rücktritt als Verwaltungsratschef weitere Verbindungen zu dem angeschlagenen Handelsriesen. Wiese sagte am Freitag den Verkauf der Einzelhandelskette Shoprite an Steinhoffs Afrika-Tochter STAR ohne Angabe von Gründen ab.
 

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Steinhoff-Großaktionär sagt Milliarden-Firmenverkauf ab

Der kriselnde Möbelhändler Steinhoff - Muttergesellschaft von Kika/Leiner - lässt seinen Ankündigungen Taten folgen und versilbert Anteile an der südafrikanischen Investmentgesellschaft PSG Group. So habe das Unternehmen 20,6 Millionen Aktien oder 9,5 Prozent der Anteile an PSG verkauft, teilte Steinhoff am Freitag mit.
 

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Steinhoff verkauft Anteile an südafrikanischer Investmentgesellschaft

Am Mittwoch ist die Air-Berlin-Tochter Niki pleitegegangen. Noch gibt es eine leise Hoffnung, die Firma zu erhalten. Unterdessen fischen Konkurrenten bereits nach den hoch qualifizierten Niki-Mitarbeitern. Und auch die Kunden können hoffen, dass sie nicht um ihr Geld umfallen. Die deutsche Regierung muss aber einen Teil ihres 150 Mio. Euro schweren Überbrückungskredits für Air Berlin abschreiben.
 

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Niki-Pleite - Chancen für Mitarbeiter und letzte Hoffnung für Firma