Österreich hat in Albanien handfeste Wirtschaftsinteressen

EU-weit/Tirana (APA) - Österreich unterstützt den Beginn von EU-Beitrittsverhandlungen mit Albanien. Gemeinsam mit Italien und Deutschland liegt Österreich in der Beliebtheitsskala anderer Länder bei den Albanern im Spitzenfeld. Beides hat auch historische Gründe. Entscheidender Faktor dürfte aber sein, dass Österreich in Albanien starke Wirtschaftsinteressen hat, die positiv wahrnehmbare Impulse setzt.

Begonnen hat das moderne Engagement Österreichs in dem lange Jahre total isolierten Westbalkanstaat erst spät. Im Jahr 2004 - eineinhalb Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes - kaufte die Raiffeisen Bank die Albanische Sparkasse und wurde über die Jahre zum führenden Finanzdienstleister in dem Balkanstaat.

Im Sog derartiger Pionierschritte engagierten sich nach und nach immer mehr österreichische Firmen in Albanien. Sehr erfolgreich gelang dies im Versicherungssektor, wo die UNIQA, die Wiener städtische und die Vienna Insurance Group gemeinsam den Markt dominieren. laut Außenwirtschaftsbüro der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) sind derzeit rund 50 österreichische Unternehmen in Albanien tätig, die meisten davon im Dienstleistungssektor, im Energiesektor sowie im Bau. Auch hier gibt es eine Reihe von Erfolgstories.

Österreich liegt in Albanien im Ranking ausländischer Investoren an sechster Stelle - hinter Ländern wie Italien, Griechenland, China und der Türkei. Da Albanien trotz verbesserter Wirtschaftsaussichten mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von knapp 12 Mrd. Dollar (10,2 Mrd. Euro) immer noch eine der schwächsten Wirtschaftsnationen Europas ist, halten sich die Größenordnungen bisher in Grenzen.

2017 betrug das österreichische Investitionsvolumen rund 410 Mio. Euro. Zum Vergleich: In Slowenien war die Ziffer im selben Jahr rund zehnmal so hoch. Dennoch attestiert der österreichische Handelsdelegierte für Albanien, Peter Hasslacher, dem Land ein hohes Potenzial. Er begründet dies unter anderem mit den infolge der EU-Perspektive merkbar gestiegenen Reformaktivitäten der albanischen Regierung.

Albanien erhielt den EU-Beitrittskandidaten-Status im Jahr 2014. Demnächst wird bei einem Gipfeltreffen der 28 aktuellen EU-Mitglieder die Entscheidung erwartet, ob der formelle Verhandlungsprozess für den Beitritt eröffnet werden soll. Die meisten Länder sind dafür, darunter eben auch Österreich, das am 1. Juli die Ratspräsidentschaft in der EU übernimmt. Einige Länder wie Frankreich und die Niederlande sträuben sich allerdings noch.

Allerdings sind die schon in Albanien aktiven österreichischen Repräsentanten trotz der bisherigen Erfolge eher skeptisch. Rund die Hälfte der Befragten bezeichnete in einer 2017 und 2018 erhobenen Umfrage die Wirtschaftslage des Landes als schlecht, 29 Prozent beurteilten die Attraktivität Albaniens für Investitionen als niedrig.

Als besonders verbesserungswürdig wurden unter anderem die nach wie vor hohe Korruption und die umständliche Bürokratie bei Genehmigungen genannt. Daher wünschen sich die österreichischen Firmen von der Regierung mehr Anreize, Zuschüsse und Garantien.

Dass in bestimmten Bereichen ganz spezifische Risiken vorhanden sind, sei am Beispiel der erst heuer eröffneten Autobahnverbindung mit dem Kosovo illustriert. Für den betroffenen albanischen Abschnitt setzten die Verantwortlichen eine Autobahngebühr von 5 Euro fest. Das war der einkommensschwachen Lokalbevölkerung eindeutig zu viel und so fackelten empörte Pendler die Mautstation einfach ab. An einer anderen Stelle entfernten Einheimische in Eigenregie die Mittelleitschiene, um auf diese Weise eine extra Umkehrmöglichkeit zu schaffen.

Es wundert daher wenig, dass praktisch alle politischen Entscheidungsträger in Albanien verzweifelt auf ein Ja für den Verhandlungsbeginn mit Brüssel hoffen. Sie warnen vor einem Erlahmen der Reformen, wenn die derzeit bei 80-90 Prozent liegende EU-Befürworterrate in der albanischen Bevölkerung infolge einer Ablehnung merkbar schrumpfen sollte.

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