Ölpreise schüren Deflationsängste

Brüssel/Frankfurt - Erstmals seit fast sechs Jahren ist der Preis für die wichtige Nordsee-Ölsorte Brent am Mittwoch zeitweise unter die Marke von 50 Dollar je Fass gerutscht. Experten fürchten einen weiteren Preisverfall. Das dürfte die Verbraucherpreise in der Eurozone weiter in den Keller drücken und das Risiko einer für die Konjunktur ruinösen Deflation erhöhen.

Dem könnte nur die EZB mit der weiteren Öffnung der Geldschleusen beikommen. Während die Aktienanleger positiv reagierten, rutschte der Euro auf ein Neun-Jahres-Tief von rund 1,18 Dollar.

Ein Überangebot an Rohöl bei zugleich schwächelnder Nachfrage setzt den Ölpreisen seit Juni zu, die sich seither mehr als halbiert haben. Öl kostet damit so wenig wie zuletzt im Frühjahr 2009, als der Welthandel nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers kollabiert war. Viele Anleger sehen in den Turbulenzen an den Ölmärkten ein Zeichen für die angeschlagene Weltwirtschaft. Entsprechend nach unten ging es zuletzt auch an den Aktienmärkten.

Der Dax kommt seit Jahresanfang auf ein Minus von 3,4 Prozent, der EuroStoxx50 sogar auf eines von über vier Prozent. Am Mittwoch stabilisierten sich die Kurse etwas. Der Dax schloss mit 9518,18 Punkten 0,5 Prozent im Plus, der EuroStoxx legte 0,6 Prozent auf 3026,79 Zähler zu. Dazu trug der Rückgang der Inflationsrate in der Eurozone im Dezember bei - es war der erste seit mehr als fünf Jahren. Spekulationen, die EZB könnte gleich bei ihrer ersten Sitzung im neuen Jahr am 22. Jänner Details für ein groß angelegtes Programm zum Ankauf von Staatsanleihen bekannt geben, machten die Runde. Denn wenn die Währungshüter den Verfall der Verbraucherpreise nicht aufhalten können, droht der Eurozone eine Deflation - eine Spirale aus sinkenden Preisen und rückläufigen Investitionen.

Die Aussicht auf eine neue Euro-Geld-Schwemme brachte den Euro massiv unter Druck. Weitere Kursverluste scheinen vorprogrammiert: Denn in den USA steht für 2015 die erste Zinserhöhung seit Ausbruch der Finanzkrise 2007 im Raum - also eine Verknappung des Geldes. Nach starken Konjunkturdaten zogen auch die Kurse an der Wall Street an. Zum Handelsschluss in Europa notierten Dow-Jones - und S&P500 je etwa 0,6 Prozent höher.

Bis zum Abend hatte sich die Talfahrt des Brent-Preises etwas verlangsamt. Er lag bei 50,60 Dollar je Barrel (159 Liter) nur noch ein Prozent im Minus. Zeitweise war er am Morgen um 2,8 Prozent auf 49,66 Dollar abgestürzt. US-Leichtöl der Sorte WTI notierte bei rund 48 Dollar. Hauptgrund für den Ölpreisverfall ist das Überangebot durch den Schieferöl-Boom ("Fracking") in den USA, sowie die höhere russische Förderung und das Festhalten der Opec-Länder an hohen Förderquoten. "Saudi-Arabien signalisiert weiterhin keine Bereitschaft, die Produktion zu kürzen und auf Marktanteile zu verzichten", sagte Commerzbank-Rohstoffexperte Carsten Fritsch. Kurzfristig gebe es deshalb wenig Gründe für eine Erholung des Marktes. "Die Stimmung an den Rohölmärkten ist so schlecht wie seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise nicht mehr", sagte NordLB-Analyst Frederik Kunze. Er hält Preise von 40 Dollar für möglich. Vereinzelt wird auch ein Kollaps bis auf 20 Dollar je Fass erwartet.

Unterdessen macht der fallende Ölpreis Russland mehr zu schaffen als die Sanktionen des Westens, wie der Russland-Beauftragte der deutschen Bundesregierung, Gernot Erler, sagte. Für die Eurozone hingegen hoffen Experten angesichts der sinkenden Ölnotierungen auf einen deutlichen Schub. Sollte der Preis auf dem aktuellen Niveau bleiben, würden Unternehmen und Haushalte in diesem Jahr um 20 Milliarden Euro entlastet, sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Der niedrigere Eurokurs könnte zudem der Exportindustrie in der Eurozone auf die Beine helfen.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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