Ökonomen zum starken Wachstum der deutschen Wirtschaft

Berlin (APA/Reuters) - Die deutsche Wirtschaft hat ihren Aufschwung im dritten Quartal überraschend beschleunigt. Steigende Exporte und höhere Investitionen ließen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Juli bis September um 0,8 Prozent wachsen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Ökonomen hatten lediglich 0,6 Prozent vorausgesagt.

Im zweiten Vierteljahr hatte es zu einem Plus von 0,6 Prozent gereicht, zu Jahresbeginn sogar zu 0,9 Prozent.

Analysten sagten zu den Daten in ersten Reaktionen:

Michael Holstein, DZ Bank:

"Besonders erfreulich ist, dass der Aufschwung nun auch mehr und mehr investitionsgetrieben zu sein scheint. Das war lange Zeit der größte Schwachpunkt der aktuellen Konjunkturerholung, die nun schon seit acht Jahren anhält. Wenn die Unternehmen nun verstärkt investieren, wird das auch die Produktivität stützen. Das kann dann auch zu stärkeren Lohnsteigerungen führen - der Aufschwung kommt in eine neue Phase."

Ulrike Kastens, Sal. Oppenheim:

"Die guten Nachrichten aus Deutschland reißen nicht ab, und sie werden sogar noch übertroffen, denn das Wachstum in Deutschland ist noch kräftiger als gedacht. Und endlich scheinen die Unternehmen auch mehr Zuversicht zu haben, denn auch die Ausrüstungsinvestitionen ziehen an. Alles in allem signalisieren Stimmung und Arbeitsmarkt: Der Aufschwung geht weiter, steht auf einer breiten Basis und das BIP-Wachstum wird 2018 über zwei Prozent liegen.

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank, Liechtenstein:

"Die deutsche Wirtschaft brennt im dritten Quartal ein Wachstumsfeuerwerk ab. Der BIP-Zuwachs schaltet nochmals einen Gang hoch. Das Wachstum von 0,8 Prozent ist enorm stark. Unglaublich! Die Ausrüstungsinvestitionen spielen im laufenden Jahr eine tragende Rolle. Nehmen die Unternehmen mehr Geld in die Hand, kann sich daraus ein sich selbst verstärkender Aufschwung entwickeln. Auch die Exporte ziehen an und befördern das Wachstum zu neuen Höhen. Derzeit scheint kaum ein Wölkchen den Konjunkturhimmel zu trüben.

Einen nicht auf den ersten Blick ersichtlichen Wermutstropfen gibt es aber doch: Die deutsche Wirtschaft könnte noch stärker wachsen, besäße sie die notwendigen Arbeitnehmer – dies gilt nicht nur in quantitativer, sondern auch in qualitativer Hinsicht. Vor allem im Handwerk wird der Mangel an Arbeitskräften zur echten Wachstumsbremse. Was im Moment vielleicht noch ein Luxusproblem sein mag, wird auf lange Zeit zu einem strukturellen Risiko. Aber in Anbetracht der guten Wachstumsdaten wollen wir am heutigen Tag nicht allzu viel Wasser in den Wein gießen."

Alexander Krüger, Chefökonom Bankhaus Lampe:

"Der XXL-Aufschwung hat ohne Zucken angehalten. Aufgrund günstiger Rahmenbedingungen wird das hohe Wachstumstempo vorerst anhalten. Dies aber steigert den Kapazitätsengpass am Arbeitsmarkt und in der Industrie. Noch schwungvoller wird der Aufschwung daher kaum werden, das wirtschaftliche Expansionstempo dürfte 2018 eher abnehmen. Einer Magerkur entspräche ein Wachstumsrückgang von XXL auf XL aber nicht, da die Potenzialrate weiter klar überschritten würde."

Andreas Scheuerle, Dekabank:

"Die deutsche Volkswirtschaft befindet sich im Höhenflug. Zu verdanken ist das der für deutsche Verhältnisse atemberaubend stabilen Binnennachfrage und dem Anziehen der Weltkonjunktur nach den Dellen der europäischen Schuldenkrise und der Schwellenländerkrise. Dass zudem das erste Quartal nach oben korrigiert wurde, macht eine weitere Aufwärtsrevision der Konjunkturprognosen notwendig."

Klagenfurt (APA) - Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) hat für eine Steuerautonomie der Bundesländer nicht viel übrig. In einer Aussendung am Montag bekundete er "massive Zweifel" an der Sinnhaftigkeit einer solchen. Neun Länder- und ein Bundessteuersystem würden zu einer "Verwaltungs- und Bürokratieexplosion" führen, meint Kaiser.
 

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Steuerautonomie - Kaiser gegen "Verwaltungs- und Bürokratieexplosion"

Brüssel/Athen (APA) - Die EU Kommission hat sich am Montag erfreut darüber gezeigt, dass Griechenland das dreijährige Stabilisierungsprogramm im Rahmen des Euro-Rettungsschirms ESM verlässt. Das hoch verschuldete Land muss nun erstmals seit über acht Jahren ohne internationale Finanzhilfen auskommen. Dies sei ein wichtiger Moment für Griechenland und die Welt, sagte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.
 

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Griechenland verlässt Euro-Rettungschirm - EU-Kommission erfreut

Sydney (APA/Reuters) - Ein erbitterter Streit um Einweg-Plastiksackerl lastet auf Australiens größter Supermarktkette Woolworths. Die Kette, die über Jahre rasant gewachsen war, steigerte ihren Umsatz in den ersten sieben Wochen ihres neuen Geschäftsjahres nur um 1,3 Prozent - im Vorquartal waren es noch 3,1 Prozent, wie Woolworths am Montag mitteilte.
 

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Plastiksackerl-Streit bremste Wachstum australischer Supermarktkette