ÖIAG-AR-Chef Siegfried Wolf teilt zum Abschied nochmals aus

Im Interview mit "News" meint der scheidende Aufsichtsratschef Wolf, dass die Syndikatsverträge nicht unauflöslich seien. OMV-Großaktionär IPIC habe im OMV-Syndikat eine Put-Option, die laut Wolf "unter gewissen Umständen" auch beim ÖIAG-Nachfolger ÖBIB gezogen werden könnte.

Wien "Es gab gute Ansätze für eine neue Staatsholding. Aber diese wurden parteipolitischen Interessen geopfert. Das ist ein Fehler", sagt der Aufsichtsratschef der Noch-ÖIAG, der künftigen ÖBIB ohne Aufsichtsrat, Siegfried Wolf, im Interview mit "News". Er sieht das Syndikat der ÖIAG in der OMV mit IPIC in Gefahr - wegen einer gegebenen Put-Option, die "unter gewissen Umständen" gezogen werden könnte.

"Sie sind nicht unauflöslich", warnt Wolf im Nachrichtenmagazin in Sachen der Syndikatsverträge, die die künftige ÖBIB neben der OMV auch in der Telekom mit America Movil unterhält. Es handle sich um "mögliche Szenarien. Unter gewissen Umständen können die Partner aussteigen. Dies ist offensichtlich nicht allen klar."

Lauernde Gefahren

"Die ÖBIB ist für die Syndikatspartner eine neue Situation mit neuen Ansprechpartnern. Man muss sich klar sein, wo die Gefahren lauern", sagt Wolf. Er will etwa wissen, ob die Republik einspringen würde, und um 1,8 Mrd. Euro den Viertelanteil der IPIC an der OMV kaufen würde, "wenn die sich aufgrund der neuen Situation verabschieden".

Unmittelbar gefährdet sind die Syndikate allerdings nicht, wie Wolf dies als scheidender Aufsichtsratspräsident andeutet, auch wenn er im "News" erinnert, dass sein Mandat ohnehin ausläuft und "persönliche Befindlichkeiten nicht zählen". Es herrscht keine Aufregung unter den Syndikatspartnern, wie von mehreren informierten Seiten zu vernehmen ist. Auch die Märkte haben gelassen reagiert, als die Regierung die Reform vor etwas mehr als einer Woche verkündete.

Es ist schließlich nicht so, dass die ÖIAG durch die Reform hin zur ÖBIB liquidiert wird - sie wird umgewandelt, womit die volle Rechtsnachfolge angetreten wird. Somit werden sowohl die Verpflichtungen aus den Syndikaten als auch sämtliche anderen Verpflichtungen der ÖIAG von der ÖBIB übernommen. IPIC hält 24,9 Prozent der OMV-Anteile, die mit den 31,5 Prozent der Republik syndiziert sind.

Insgesamt will sich Wolf als langjähriges ÖIAG-Aufsichtsratsmitglied, zuletzt Vorsitzender, "natürlich am Ergebnis" messen lassen. "In 15 Jahren haben wir einen Schuldenberg von 6,3 Milliarden Euro abgetragen. Der Staat hat zusätzlich 2,3 Milliarden Euro an Dividenden erhalten. Mit dem höheren Wert der Beteiligungen kommen wir auf eine Bilanz von mehr als zehn Milliarden Euro. Jeder der Aufsichtsräte würde dieses Ergebnis in seiner Firma akzeptieren." Bei der letzten Aufsichtsratssitzung der ÖIAG will Wolf noch "eine schriftliche Bilanz vorlegen".

Die IPIC (International Petroleum Investment Company) ist ein Staatsunternehmen der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) mit Sitz in Abu Dhabi. Erst im Herbst wurde der 20. Geburtstag des Syndikats mit den Worten "We are Family" ("Wir sind eine Familie") gefeiert.