ÖGB: Katzian will sich bei der Regierung "vorstellen"

Wien (APA) - "Hallo, ich bin der Neue." Unter dieser Devise wird der neu gewählte ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian zunächst den Weg des Dialogs mit der Regierung suchen und danach seine Schlussfolgerungen ziehen. Wie der Gewerkschaftschef im ersten Interview anlässlich seiner Kür gegenüber der APA betont, habe es nämlich bisher "gar keinen Dialog" seitens der Regierung mit dem Gewerkschaftsbund gegeben.

Allzu scharfe Töne vermeidet Katzian zumindest noch. Es sei nicht prioritäre Aufgabe der Gewerkschaft, Gegenpol zur Regierung zu sein. Dafür sei die Opposition da. Sein Zugang ist, der Koalition in einem persönlichen Gespräch die Expertise der Gewerkschaft anzubieten. Ob dieses Offert angenommen wird, wisse er nicht - übrigens ebenso wenig wie, ob die Wirtschaftskammer unter Harald Mahrer den sozialpartnerschaftlichen Kurs von Christoph Leitl verlassen werde. Auch das will Katzian in einem Präsidenten-Gespräch eruieren. Bisher hätten sich die neuen Sozialpartner-Chefs ja so einiges ausgerichtet, nun müsse man schauen, wie man wirklich kooperieren könne.

Bei allem Sinn für Zusammenarbeit macht der neue Gewerkschaftschef aber klar, dass man im Fall der Fälle auch anders könne. Ob die bisher bekannten Einzelmaßnahmen der Regierung massentauglich genug für einen Streik sein würden, lässt Katzian offen. Aber auch beim Abwehrstreik unter Schwarz-Blau I gegen die Pensionsreform sei das Thema erst "so richtig geflutscht", wie Menschen schwarz-auf-weiß gesehen hätten, was die Maßnahmen für sie bedeuteten. Es brauche diesen "Vorlauf" und wenn es wieder zu so einer Situation komme, müsse der ÖGB bereit sein.

Als schwierig habe sich für die Gewerkschaft gestaltet, dass die Regierung sehr viel mit Inszenierung und Überschriften gearbeitet habe, ohne konkrete Gesetzesvorschläge vorzulegen: "Darauf muss man sich einstellen und das haben wir gemacht."

Dass die Gewerkschaft intern nicht immer optimal aufgestellt ist, lässt sich daran erahnen, dass Katzian eine Strukturreform plant: "Wenn sich die ganze Welt ändert und die Abläufe in der Wirtschaft, müssen wir schauen, was tun wir in der Organisation", spricht der neue Chef Mehrfachgleisigkeiten der Einzelgewerkschaften in diversen Themenfeldern an. Von oben dekretieren will Katzian eine Reform freilich nicht: "Das würde nicht gehen, dafür kenne ich die Spielregeln zu genau", betont der langjährige Vorsitzende der Privatangestelltengewerkschaft.

Dennoch will Katzian sichtlich selbst eine größere Rolle im Prozess spielen: "Ich habe Legenden von ÖGB-Arbeitskreisen erlebt - und meiner Meinung nach bringt das nichts. Es ist eine Führungsaufgabe, zumindest in der Startphase." Ein Einstieg in die Diskussion könnte sein, dass man ein Projekt definiere, wie man sich abseits bisheriger Strukturen auf den Weg mache. Was aber letztlich herauskommen könnte, will der ÖGB-Chef nicht einmal andeuten.

Einzig, dass man die Gewerkschaften nicht zugunsten der Zentrale schwächen will, steht für Katzian fest: Im Prinzip sei die Aufgabenverteilung zwischen Dach und Gewerkschaften in Ordnung: "Da würde ich im Moment nichts ändern wollen." Allzu flott geht der Präsident die Reform übrigens nicht an. Sein Ehrgeiz wäre, dass man in den kommenden zwei Jahren wisse: "Wo haben wir den größten Handlungsbedarf und wie könnte ein Veränderungsprozess ausschauen."

Anliegen ist Katzian eine Öffnung des Gewerkschaftsbunds, die auch in ein deutliches Mitgliederplus münden soll, wie er es schon in der GPA erreicht hat. 1,2 von insgesamt drei Millionen Arbeitnehmern seien derzeit organisiert: "Da ist viel Luft nach oben." Dabei müssten auch neue Wege gegangen werden. Der ÖGB solle sich Personen öffnen, die sich für ein bestimmtes Projekt engagieren wollten und diesen eine Plattform anbieten. Insgesamt gehe es für die Gewerkschaft darum, stärker in die Offensive zu kommen. Da werde es ganz viele Projekte geben, wo man probieren und auch Fehler machen werde - "aber auch viel lernen kann".

Katzians Konzentration wird übrigens eher bald ganz der Gewerkschaft gehören. Sein Nationalratsmandat legt er nach dem Sommer zurück und als Präsident des Fußball-Klubs Austria Wien wird er sich auch zurückziehen. Von der Satzung her könne er dort kein weiteres Mal antreten: "Zwischen jetzt und dem Ende der Funktionsperiode werden wir einen guten Weg finden."

Siemens liefert den ÖBB zur Verwendung ab 2022 neue Züge. Der Rahmenvertrag dazu war im Juli bekanntgeworden, nun sind alle Einspruchsfristen abgelaufen und der Deal ist fixiert. Bis zu 700 Waggons für die Personenbeförderung im Wert von bis zu 1,5 Mrd. Euro können die ÖBB in dem Vertrag abrufen. Gebaut werden die Wagen im Siemens-Werk in Wien.
 

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Neue Siemens Züge für ÖBB ab 2022 in Betrieb

Eine schwache Nachfrage nach Graphikkarten für die Erzeugung von Kryptowährungen wie Bitcoin stimmt den US-Konzern Nvidia vorsichtig. Der Umsatz im laufenden Quartal werde wohl bei 3,25 Mrd. Dollar (2,9 Mrd. Euro), plus/minus zwei Prozent, und damit unter den von Analysten im Schnitt geschätzten 3,34 Milliarden liegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.
 

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Chiphersteller Nvidia steigerte Umsatz

Mehr als 1.000 Mitarbeiter von Google haben in einem Brief Bedenken gegen die Rückkehr des Suchmaschinen-Giganten nach China angemeldet. Die zensierte Suchmaschine mit dem Projektnamen "Dragonfly" (Libelle) werfe "dringende moralische und ethische Fragen auf", zitierte das US-Portal "The Intercept" am Donnerstag aus dem Schreiben an die Konzernführung, in dem auch mehr Informationen zu den Plänen gefordert werden.
 

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Protestbrief: Mitarbeiter von Google hinterfragen China-Pläne