OECD: Brexit kostet Briten ein Monatsgehalt

Die Auswirkungen eines Austritts aus der EU würde die Briten teuer kommen. So würden etwa Steuerhöhungen die Folge sein. Für jeden Briten würde das unterm Strich ein Einkommensverlust in Höhe von einem Monatsgehalt ausmachen.

London. Für die Briten würde sich ein Austritt aus der Europäischen Union wie eine massive Steuererhöhung auswirken: Dieses Szenario hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Mittwoch vorgestellt, rund zwei Monate vor dem britischen Referendum über einen EU-Austritt des Landes.

OECD-Generalsekretär Angel Gurria sagte der BBC vor der offiziellen Veröffentlichung des Berichtes: "Ein Brexit ist wie eine Steuer." Die Auswirkungen entsprächen dem Verlust eines Monatsgehalts über vier Jahre gerechnet.

Der Brexit wäre ein "Fehler", sagte Gurria und richtete einen Appell an die Briten: "Es gibt keine Art von Geschäft, das für euch besser wäre als die Gesellschaft der Europäer."

Mitte April hatte bereits der britische Finanzminister George Osborne eindringlich vor einem Brexit gewarnt. In diesem Fall wäre Großbritannien "auf Dauer ärmer", schrieb Osborne in einem Zeitungsbeitrag.

Den Berechnungen seines Ministeriums zufolge würde ein Austritt jeden Haushalt auf der Insel jährlich 4.300 Pfund (rund 5.550 Euro) kosten. Das Bruttoinlandsprodukt läge 2030 um sechs Prozent niedriger als im Falle eines Verbleibs in der EU, hieß es in einer Studie.

Brexit-Befürworter nannten die OECD-Prognose "fadenscheinig". Die Organisation ist die bisher letzte in einer ganzen Reihe internationaler Institutionen, die zuletzt vor einem Brexit warnten.

Die Briten sind am 23. Juni aufgerufen, sich für oder gegen einen Verbleib ihres Landes in der EU auszusprechen. Bisher zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Gegnern und Befürwortern ab. Fünf Prozent der Wähler sind noch unentschieden.

Die britische Wirtschaft hat im ersten Quartal 2016 indes an Schwung verloren. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs von Jänner bis März nur noch um 0,4 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistikamt am Mittwoch in London mitteilte. Getragen wurde das Wachstum hauptsächlich von den Dienstleistern, zu der auch die große Finanzbranche gehört. Industrie und Bau produzierten dagegen weniger.

"Die gute Nachricht ist, dass Großbritannien weiter wächst", sagte Finanzminister Osborne. "Aber es gibt Hinweise, dass die Gefahr eines EU-Abschieds auf unserer Wirtschaft lastet." Investitionen und Bauvorhaben würden verschoben.

"Wir gehen davon aus, dass sich das Wachstum im zweiten Quartal weiter abschwächen wird", sagte Ökonom James Knightley von ING. "Die Brexit-Gefahr belastet das Geschäftsklima."

Paris (APA/Reuters) - Der französische Medienkonzern Vivendi taxiert den Wert seiner Tochterfirma Universal Music Group (UMG) auf mehr als 40 Milliarden Dollar (rund 34 Milliarden Euro). Er habe gerade in dieser Woche eine entsprechende Schätzung gesehen, sagte Vivendi-Chef Arnaud de Puyfontaine am Freitag auf einer Branchenkonferenz in Barcelona. Er gehe aber davon aus, dass der Wert noch darüber liege.
 

Newsticker

Vivendi-Chef schätzt Wert der Musiksparte auf über 40 Mrd. Dollar

München (APA/dpa) - Es ist Tag eins nach der Hiobsbotschaft. Die Siemens-Mitarbeiter in Leipzig und Görlitz wissen seit weniger als 24 Stunden, dass ihre Werke mit zusammen 920 Arbeitsplätzen geschlossen werden sollen. Und in Erfurt steht das Generatorenwerk auf der Kippe. Doch statt resignierter Katerstimmung herrscht vor allem Wut.
 

Newsticker

Unverständnis und Wut: Siemens-Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft

London/Göteborg (APA/dpa/AFP/Reuters) - Großbritannien und die Europäische Union geben die Hoffnung auf einen raschen Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen noch nicht auf. Doch müsse London spätestens bis Anfang Dezember Zugeständnisse machen, sagte EU-Ratspräsident Donald Tusk am Freitag in Göteborg. Nur dann könne Mitte Dezember die zweite Verhandlungsphase eingeläutet werden.
 

Newsticker

Warten auf Bewegung beim Brexit - EU präzisierte Frist für London