Novomatic zieht sich aus deutschem Online-Casinomarkt zurück

Wien/Gumpoldskirchen (APA) - Der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic hat sich im Dezember 2017 überraschend aus dem deutschen Online-Glücksspielmarkt zurückgezogen. In der Branche herrscht darüber schon seit längerem helle Aufregung, nun bestätigte der Konzern sein Vorgehen der APA. Grund ist die unklare Rechtslage in Deutschland.

"Zur Zeit gibt es keine Online-Casinos in Deutschland, die rechtmäßig unseren Content für Echtgeld-Glücksspielangebote verwenden dürfen", so das Unternehmen in einer schriftlichen Stellungnahme. "Leider gibt es viele Anbieter, die - ohne mit uns diesbezügliche Vereinbarungen zu haben - weiterhin auch kopierten Spiele-Content unrechtmäßig am deutschen Markt online platzieren", erklärte der Konzern.

Novomatic bietet, über die Spieleentwicklungstochter Greentube, einerseits selbst Online-Glücksspiel an, dies aber nur in regulierten und lizenzierten Märkten - "nicht in Deutschland", wie das Unternehmen betont. Andererseits gibt es viele Zockerbuden im Internet, die via Lizenzen Novomatic-Spiele (Novoline) verwenden dürfen. Für diese gelten laut Novomatic "strengste Anforderungen".

Im Dezember hat Greentube seine Lizenznehmer schriftlich informiert, dass die Novomatic-Casinospiele bis längstens 29. Dezember in Deutschland angeboten würden. Einige Online-Casinos trifft das hart, zumal sie einen großen Teil ihres Umsatzes mit Spielen aus dem Hause Novomatic machten. Mit ein paar Anbietern hatte Novomatic erst vor wenigen Wochen Lizenzverträge geschlossen.

In Branchenmedien wird jedenfalls eifrig diskutiert, welche Alternativen es zu den beliebten Spielen gibt und ob Punktespiele, bei denen nicht um echtes Geld gezockt wird, eine Möglichkeit wären. Insidern zufolge sind auch viele Fälschungen am Markt.

Grund für den plötzlichen Rückzug dürfte die unklare Rechtslage in Deutschland sein. Online-Glücksspiel ist dort de facto verboten, dennoch gibt es zahlreiche Netzcasinos, die rechtlich im Graubereich operieren.

Novomatic dazu: "In Deutschland wird - aufgrund der derzeit unklaren Rechtslage im Zusammenhang mit dem Glücksspielstaatsvertrag und dessen (Nicht-)Ratifizierung - von Experten empfohlen, den Bereich Online-Glücksspiel neu und im Einklang mit der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) zu regulieren. Dies ist auch im Sinne von Novomatic."

Novomatic ist nicht der erste große Anbieter, der sich aus dem deutschen Online-Glücksspielmarkt verabschiedet. Kurz zuvor, Ende November 2017, hatte Konkurrent Gauselmann den Stecker gezogen. Der 83-jährige Paul Gauselmann hatte angekündigt, ausländischen Anbietern die Konzession für seine Spiele zu entziehen, wenn sie sich nicht an das Online-Glücksspielverbot in Deutschland halten. Der Betreiber der "Merkur"-Spielhallen begründete den Schritt mit einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von Ende Oktober, mit dem das Internet-Glücksspielverbot bestätigt wurde.

Anfang November war Gauselmanns Name in den "Paradise Papers" aufgetaucht. Da war öffentlich geworden, dass Gauselmann bereits seit 2008 am deutschen Online-Markt aktiv war und eine Tochterfirma auf der Isle of Man unterhielt, über die Online-Glücksspiel vertrieben wurde. Einen Zusammenhang mit dem Rückzug aus Deutschland stellte die Gauselmann-Gruppe in Abrede. Der "Automatenkönig" macht nur einen sehr geringen Anteil seines Umsatzes im Netz.

Auch bei Novomatic liegt der Online-Umsatzanteil innerhalb des Unternehmensgruppe "im einstelligen Prozentbereich", wie es auf APA-Anfrage hieß. In Deutschland mischt der niederösterreichische Konzern auch am Automatenmarkt kräftig mit, mit seinen Töchtern Casino Royal und Löwen Entertainment ist er einer der größten Spielhallenbetreiber des Landes, neben den Merkur-Spielhallen von Gauselmann. Den beiden Rivalen weht auch offline ein rauer Wind im Nachbarland entgegen, denn mit der neuen Spielverordnung wurden die Regeln für das Zocken in Automatenhallen abermals verschärft.

Siemens liefert den ÖBB zur Verwendung ab 2022 neue Züge. Der Rahmenvertrag dazu war im Juli bekanntgeworden, nun sind alle Einspruchsfristen abgelaufen und der Deal ist fixiert. Bis zu 700 Waggons für die Personenbeförderung im Wert von bis zu 1,5 Mrd. Euro können die ÖBB in dem Vertrag abrufen. Gebaut werden die Wagen im Siemens-Werk in Wien.
 

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Neue Siemens Züge für ÖBB ab 2022 in Betrieb

Eine schwache Nachfrage nach Graphikkarten für die Erzeugung von Kryptowährungen wie Bitcoin stimmt den US-Konzern Nvidia vorsichtig. Der Umsatz im laufenden Quartal werde wohl bei 3,25 Mrd. Dollar (2,9 Mrd. Euro), plus/minus zwei Prozent, und damit unter den von Analysten im Schnitt geschätzten 3,34 Milliarden liegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.
 

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Chiphersteller Nvidia steigerte Umsatz

Mehr als 1.000 Mitarbeiter von Google haben in einem Brief Bedenken gegen die Rückkehr des Suchmaschinen-Giganten nach China angemeldet. Die zensierte Suchmaschine mit dem Projektnamen "Dragonfly" (Libelle) werfe "dringende moralische und ethische Fragen auf", zitierte das US-Portal "The Intercept" am Donnerstag aus dem Schreiben an die Konzernführung, in dem auch mehr Informationen zu den Plänen gefordert werden.
 

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Protestbrief: Mitarbeiter von Google hinterfragen China-Pläne