Novartis zieht Schlussstrich unter das Kapitel Alcon

Basel (APA/awp/sda) - Vas Narasimhan ist noch kein halbes Jahr Chef von Novartis und hat schon seine Spuren beim Schweizer Pharmakonzern hinterlassen. Nachdem er den Ausstieg aus dem Joint Venture mit GSK und die milliardenteure Übernahme des US-Unternehmens Avexis eingefädelt hat, zieht er nun einen Schlussstrich unter das Kapitel Alcon.

Wie der Konzern am Freitag mitteilte, soll die Augensparte im Laufe des ersten Halbjahres 2019 als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht werden. Bei der strategischen Überprüfung sei das Management zu dem Schluss gekommen, dass man mit diesem Schritt den größten Mehrwert für die Novartis-Aktionäre schaffen könne, erklärt der Manager während einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Gleichzeitig kündigte Novartis an, eigene Aktien im Wert von 5 Mrd. US-Dollar (4,3 Mrd. Euro) zurückkaufen zu wollen. Finanziert wird der Rückkauf vor allem mit dem Geld, dass mit dem Verkauf des Anteils am Joint Venture mit GSK eingenommen wurde. Von den 13 Milliarden, die Novartis für seinen Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen bekommen hatte, gingen zunächst 8,7 Milliarden in die Übernahme von Avexis. Der Rest soll nun für den Rückkauf verwendet werden.

Es hatte zuletzt vermehrt Spekulationen in der Presse gegeben, dass eine Entscheidung über Alcon recht zeitnah bevorstehen könnte. Entsprechend zeigen sich die Experten darüber unter dem Strich auch wenig überrascht und werten den gewählten Weg als die beste Lösung.

Eine Frage bleibt allerdings offen: Die Bewertung von Alcon als eigenständiges Unternehmen. In ihren ersten Modellen errechnen Analysten von JPMorgan, Vontobel oder der ZKB Werte zwischen 15 und 30 Mrd. US-Dollar.

Zur Erinnerung: Novartis hatte Alcon im Jahr 2011 für rund 50 Mrd. US-Dollar von Nestle übernommen. Seit Herbst 2015 sorgte das Geschäftsfeld aber für negative Schlagzeilen. Es folgten Umbauten, Wachstumspläne und schließlich die Ankündigung, die Sparte einer strategischen Überprüfung zu unterziehen.

Wenn Novartis die Tochter dann nun als eigenständiges Unternehmen an die Börse bringt, bleibt auch die Frage, ob Novartis in seiner Bilanz in puncto Goodwill Anpassungen vornehmen muss. "Es ist zu früh, um hierüber jetzt schon Aussagen machen zu können" weist der CEO denn auch mehrfache Nachfragen zu diesem Thema zurück.

Dass man sich jetzt zu diesem Schritt entscheiden habe, begründet Narasimhan auch mit dem geschäftlichen Genesungsprozess, den Alcon hinter sich gebracht habe. Mit einem Umsatz von gut 7 Mrd. US-Dollar habe das Geschäft seine eigene Stärke bewiesen. Zudem sei Alcon Marktführer für ophthalmologische Produkte.

Auf die Frage, ob nach diesen Entscheidungen nun auch die Generika-Sparte Sandoz auf dem Prüfstand stehe, macht der Manager allerdings klar, dass man nach wie vor hinter dem Geschäft stehe. "Zugegeben, es gibt ein paar Schwächen wie den anhaltenden Preisdruck in den USA, aber wir sind dabei, nach Lösungen zu suchen".

Alcon wiederum soll sowohl an der SIX Swiss Exchange als auch der New York Stock Exchange notieren. Registriert werden soll das neue Unternehmen in der Schweiz, wobei Fort Worth in den USA ein wichtiger Standort bliebe. Der Abschluss der Transaktion wird für das erste Halbjahr 2019 erwartet.

Aber erst müssen die Aktionäre an der Generalversammlung im Februar 2019 endgültig grünes Licht geben. Novartis geht den Angaben zufolge davon aus, dass die Transaktion steuerneutral sein wird.

An der Börse wird die Fokussierung des Pharmakonzerns mit einem deutlichen Kursplus honoriert. Bis Mittag gewinnen die Papiere 3,5 Prozent hinzu. Damit haben sie ihre Kursverluste seit Wochenbeginn mehr als ausgeglichen. Der Leitindex SMI zieht zeitgleich um 1,34 Prozent an.

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