Neuer Deutsche-Bank-Chef greift nach Gewinneinbruch durch

Frankfurt (APA/Reuters) - Die Deutsche Bank bricht unter ihrem neuen Chef Christian Sewing mit der bisherigen Strategie. Im zuletzt schwächelnden Investmentbanking soll nach einem Gewinneinbruch um 80 Prozent im ersten Quartal kaum ein Stein auf dem anderen bleiben.

Das lange schon unter Druck stehende Geschäft in den USA, aber auch zum Teil das in Asien, wird zugunsten Europas stark verkleinert. "Die Ergebnisse im ersten Quartal zeigen die Notwendigkeit, sofort zu handeln", sagte Sewing am Donnerstag in Frankfurt. Das werde auch zahlreiche Arbeitsplätze kosten.

Unter anderem soll der Anleihenhandel in den USA deutlich abgespeckt werden. Der Vorstand prüft zudem, wie stark das Haus global gesehen noch im Aktienhandel tätig sein will. Im Zahlungsverkehr und im Devisenhandel will Sewing weiterhin ganz vorne mitspielen. Das Beratungs- und Finanzierungsgeschäft in Europa will Sewing dort stärken, wo die Bank ohnehin bereits zu den Marktführern gehört, in den Vereinigten Staaten und Asien werde das Geschäft hingegen in jenen Bereichen reduziert, die kaum grenzüberschreitend tätig seien.

"Unsere Wurzeln liegen in Europa – hier wollen wir Unternehmen und institutionellen Kunden weltweite Finanzierungslösungen anbieten. Darauf werden wir uns künftig noch viel stärker konzentrieren", sagte Sewing, den der Aufsichtsrat der Bank in einer Krisensitzung am 8. April zum Nachfolger von John Cryan ernannt hatte. Dem seit Mitte 2015 amtierenden Briten hatten viele vorgeworfen, er treffe zu zögerlich die nötigen Entscheidungen, um das Institut wieder auf Kurs zu bringen.

Sein Nachfolger legt nun nach nicht einmal drei Wochen im Amt einen Turbostart hin: Der Umbau der Unternehmens- und Investmentbank werde in den betroffenen Regionen und Geschäftsfeldern auch mit einem "spürbaren" Stellenabbau verbunden sein, mit dem noch in diesem Jahr begonnen werde, kündigte der 47-Jährige an. "Diese Einschnitte sind schmerzlich, aber leider unvermeidlich, wenn unsere Bank dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben soll." Sewing arbeitet seit fast drei Jahrzehnten für die Deutsche Bank, bei der er als Lehrling in einer Bielefelder Filiale direkt nach der Matura eingestiegen war. Derzeit beschäftigt die Bank rund 98.000 Menschen.

Auch bei den vielfach als zu hoch kritisierten Kosten der Bank will der neue Chef die Axt anlegen: Der Vorstand werde sich nach den angekündigten drei Abgängen - Ex-Vorstandschef Cryan, IT-Chefin Kim Hammonds und der bisherige Co-Leiter der Investmentbank Marcus Schenck - erheblich verkleinern. "Doppelspitzen in den Geschäftsbereichen werden abgeschafft. Auf allen Ebenen sollen schlankere Führungsstrukturen zu geringeren Kosten und schnelleren Entscheidungen führen.", erklärte das Institut. Außerdem will die Bank ihre Ausgaben für Dienstleister auf den Prüfstand stellen, Gebäudekosten reduzieren und interne Kontrollsysteme effizienter machen.

Während die Investmentbanker bluten müssen, sieht Sewing die Zukunft der Bank vor allem im klassischen Privat- und Firmenkundengeschäft und in der Vermögensverwaltung. Neben dem Heimatmarkt Deutschland wolle er sich auf wachsende Märkte wie Italien und Spanien konzentrieren sowie auf das Geschäft mit vermögenden Kunden, das in Deutschland und international ausgebaut werden soll. "In der Privat- und Firmenkundenbank und bei der DWS setzen wir auf Wachstum", sagte Sewing, der vor seinem Wechsel an die Spitze des Finanzkonzerns einer der beiden Leiter des Privatkundengeschäfts war.

"Ab 2021 sollen die Privat- und Firmenkundenbank und der Vermögensverwalter DWS nachhaltig ungefähr die Hälfte der Konzernerträge erwirtschaften", erklärte Sewing. "Zusammen mit der Transaktionsbank sollen die stabileren Geschäftsbereiche einen Ertragsanteil von etwa 65 Prozent erreichen." Mit dem Strategieschwenk ist die Bank allerdings spät dran. Die Schweizer Rivalin Credit Suisse hatte ihren Wandel von einer Investmentbank zu einem Vermögensverwalter für reiche Kunden schon vor rund zwei Jahren eingeleitet. Zum Jahresstart verbuchte die Bank das beste Quartalsergebnis seit 2015.

Im ersten Quartal, das noch Sewings Vorgänger Cryan zu verantworten hat, ging der Gewinn unter dem Strich deutlich auf 120 Mio. Euro zurück. Die Erträge gaben um 5 Prozent auf 7 Mrd. Euro nach. Im ersten Quartal 2017 hatte das Institut noch einen Nettogewinn von 575 Mio. Euro eingefahren. Vor allem die Investmentbank musste kräftig Federn lassen - die Erträge der Sparte sanken im Vergleich zum Vorjahresquartal um 13 Prozent auf 3,8 Mrd. Euro.

Im Gegensatz dazu hatten die meisten Konkurrenten, allen voran die großen Wall-Street-Banken in den USA, hier zuletzt hohe Gewinne eingefahren. Wie schwach die Deutsche Bank zuletzt im Investmentbanking abgeschnitten hat, illustriert ein Blick in die Bilanz: So gingen die Erträge im Anleihen- und Devisenhandel im Jahresvergleich um 16 Prozent zurück, die Erträge im Aktienhandel brachen sogar um 21 Prozent ein. Auch bei der Beratung von Firmen bei Fusionen und Übernahmen und bei Aktien- und Anleiheemissionen ging es abwärts für das deutsche Unternehmen: die Erträge sanken um 27 Prozent. Der Rückgang fiel damit stärker aus als im Branchenschnitt. An der Börse standen die Anleger unter dem negativen Eindruck der Quartalsbilanz: Die Aktie gab um 3,4 Prozent auf 11,58 Euro nach.

Frankfurt/London/Brüssel (APA/Reuters) - Die Regierungskrise in Großbritannien hält Anleger von Engagements an den Aktienmärkten ab. Der Dax schloss am Freitag knapp im Minus mit 11.341 Punkten und auch der EuroStoxx50 gab auf 3184 Zähler nach. Auch die Wiener Börse hat knapp im Minus geschlossen. Der ATX fiel 1,01 Punkte oder 0,03 Prozent auf 3.134,10 Einheiten. Der US-Standardwerteindex Dow Jones kam ebenfalls kaum vom Fleck.
 

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Brexit-Chaos macht Anlegern weiter zu schaffen

Washington (APA/Reuters) - Die US-Notenbank Fed steuert laut ihrem Vizechef Richard Clarida auf einen Zinssatz zu, der die Konjunktur weder hemmt noch fördert. Sich auf einem solchen "neutralen" Niveau zu bewegen, sei sinnvoll, sagte der Währungshüter am Freitag dem Sender CNBC. Er sei nicht der Meinung, dass die Erhöhungen der Fed zu weit gingen oder zu schnell vollzogen würden.
 

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Vizechef der US-Notenbank für Zinserhöhungen mit Augenmaß

Rom (APA) - Der italienische Premier Giuseppe Conte plant ein Treffen mit EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, um ihm zu erklären, warum Italien an seinem umstrittenen Haushaltsplan festhält. Anfang nächster Woche werde er Kontakt zu Juncker aufnehmen, berichtete Conte am Freitag im Gespräch mit Journalisten in Rom.
 

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Italien-Budget: Conte plant nächste Woche Treffen mit Juncker