Neuer Borealis-Chef Stern: "Ich bin ein gehender Kohlenwasserstoff"

Wien (APA) - Wenn das von der EU-Kommission geplante Plastikverbot bedeute, dass sinnlose Einweg-Verpackungen bekämpft werden sollen, "dann sage ich: gratuliere", meint der künftige Chef des Chemie- und Kunststoff-Konzerns Borealis, Alfred Stern. Falsch wäre es aber, Kohlenwasserstoffe grundsätzlich zu verteufeln. "Ich bin ein gehender Kohlenwasserstoff", sagte Stern am Montagabend bei einem Vortrag in Wien.

"Bei Borealis verkaufen wir keine Materialien zur Herstellung von Plastiksackerln", sagte Stern. Das lohne sich auch nicht, darum setze Borealis auf hochwertige Kunststoffe und zunehmend auch auf Recycling, also den Einsatz von Plastikmüll als Rohstoff. Der Vorstoß der EU-Kommission beunruhige ihn daher auch nicht besonders, allerdings sei es für die Borealis-Mitarbeiter "nicht besonders angenehm, wenn sie ständig wegen irgendwelcher Plastiksachen beschimpft werden".

Es sei richtig, dass Kunststoffmüll eine große Umweltbelastung darstelle, sagte Stern, der ab Juli Mark Garrett als CEO der Borealis ablösen wird. "Mittlerweile werden weltweit jährlich 200 Millionen Tonnen Kunststoff produziert." In Österreich würden über 90 Prozent der Kunststoffe recycliert oder statt Öl und Gas verbrannt. Weltweit gesehen werde das Plastikmüll-Problem vor allem von einigen großen Ländern in Ost- und Südostasien verursacht, etwa China, Indonesien, Thailand und Vietnam. Darum habe Borealis gemeinsam mit einer Stadt in Indonesien ein Projekt für Kunststoff-Recycling gestartet und sei dabei, dieses Projekt gemeinsam mit Kunststoffproduzenten auch auf andere Städte auszuweiten. Recycling sei jedenfalls sinnvoller als die Verbrennung von Plastikmüll.

Grundsätzlich könne der Einsatz von Kunststoffen aber auch zum Umwelt- und Klimaschutz beitragen, meinte Stern. So könnten etwa Plastikflaschen umweltfreundlicher sein als Glasflaschen. "Ich verstehe zwar nicht, warum man in Österreich französisches Wasser trinken muss", aber wenn es schon sein müsse, dann sollte dieses Wasser nicht in schweren Glasflaschen nach Österreich transportiert werden. Auch in der Autoindustrie spiele der Einsatz von Kunststoffen zur Gewichtsreduktion eine große Rolle. Der Einsatz von Kunststoffrohren trage dazu bei, Wasserverluste zu reduzieren, und beim Einsatz als Isolationsmaterial würden hohe Energieverluste beim Stromtransport vermieden.

Borealis, an der die OMV 36 Prozent der Anteile hält - 64 Prozent gehören einem Investmentfonds aus den Vereinigten Arabischen Emiraten - sei der drittgrößte Industriebetrieb in Österreich, sagte Stern. Bei der Raffinerie Schwechat produziere man jährlich rund eine Million Tonnen Kunststoffe, in Europa insgesamt 3,7 Millionen Tonnen. Dazu sei man in den Vereinigten Arabischen Emiraten an einem Joint Venture beteiligt, wo weitere 4,5 Mio. Tonnen Kunststoffe an einem Standort erzeugt würden.

Borealis beschäftigt weltweit 6.600 Mitarbeiter, 1.700 davon in Österreich an drei Standorten: In Schwechat, der Zentrale in der Wiener Wagramer Straße sowie im Innovationszentrum in Linz.

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