Neuer Allianz-Österreich-Chef macht Tempo beim Wachstum

Wien (APA) - Rémi Vrignaud, der neue Allianz-Österreich-Chef, will das Tempo mit Wachstum und einem möglichst "einfachen" Zugehen auf die Kunden erhöhen. Durch stärkere Expansion sollen die Marktanteile zweistellig werden. Zudem soll der Unternehmenswert steigen, auch über eine bessere Combined Ratio, so Vrignaud im APA-Interview. Von der neuen Regierung wünscht er sich einen Naturkatastrophen-Pool.

Die Lebensversicherung sieht Vrignaud - trotz der für die Assekuranz herausfordernden Niedrigzinslandschaft - als weiterhin wichtig für die Kunden an. In den neuen Produkten, auch ohne Zinsgarantie, sehe man eine gute Nachfrage. Und die Gewinnbeteiligung sei gar nicht so schlecht, bei der "Fixkosten Plus" etwa betrage sie 2,25 Prozent und mit Schlussgewinn insgesamt 2,55 Prozent. Die langen Laufzeiten müsse man auch in der Veranlagung abbilden, daher gehe man stark in langfristige Alternative Investments im Infrastrukturbereich (Gas-, Stromleitungen, Straßen) oder in Immobilien. Auch Erneuerbare Energien sehe man sich an.

Als neuer Generaldirektor von Allianz in Österreich hat sich Vrignaud, der im August auf Wolfram Littich nachgefolgt ist, eine Steigerung des Unternehmens- und des Substanzwerts auf die Fahnen geschrieben, ebenso eine stärkere Expansion, speziell in den Ballungszentren, in denen man momentan unterdurchschnittlich vertreten ist. "Wir wollen die Wachstumsgeschichte wieder stark im Markt vertreten und sichtbar machen. Und wir streben ganz klar einen zweistelligen Marktanteil an."

So liegt die Allianz in Schaden/Unfall/Krankenversicherung derzeit bei 9,6 Prozent Marktanteil - und ist insgesamt im ländlichen Bereich besser vertreten. So steht man in Schaden/Unfall zum Beispiel bei circa 13 Prozent Marktmacht, und in Wien sei man aber mit an die 8 Prozent unterrepräsentiert. "Das soll sich ändern. In den Städten und Ballungszentren wollen und werden wir zulegen."

Auch im Gewerbegeschäft wolle man als Allianz stärker punkten und strebe auch hier klar zweistellige Marktanteile an. Beim Thema Cybersicherheit spüre man ein großes Bedürfnis, hier gebe eine starke Nachfrage nach der relativ neuen Polizze. 2017 war im Sachbereich ein von Naturkatastrophen getriebenes Jahr: Bis September betrug die Belastung daraus für die Allianz laut Vrignaud 63 Mio. Euro, um rund 20 Mio. Euro mehr als im Vergleichszeitraum 2016, aber auch abgesichert durch Rückversicherung. Von der neuen Regierung wünscht er sich daher eine von der Assekuranzbranche schon länger geforderte Katastrophen-Pool-Lösung in Form einer mit der Feuerversicherung gekoppelten "fairen, guten Versicherung" als Rechtsanspruch, nach belgischem Muster.

2017 sei die Allianz stärker als der Markt gewachsen, das zeigten die Zahlen bis September. In S/U-KV habe man bis zum dritten Quartal um 3,4 Prozent zugelegt, der Markt knapp 3 Prozent. Diese robuste, solide Entwicklung sei ein guter Ausgangspunkt für die nächsten Jahre. In der Sparte Leben, die vor allem wegen der rückläufigen Einmalerläge der Branche bis September um 5,6 Prozent weniger Einnahmen bescherte, habe man selbst nicht einmal zwei Prozent eingebüßt. "Es gibt also eine Markt-Outperformance. Dieses Momentum wollen wir ausbauen." Mit der Entwicklung in der Betrieblichen Altersvorsorge (BAV) sei man zufrieden. Im Vorsorgebereich sollten für die gesamte Branche die Investitionsmöglichkeiten liberalisiert werden, also Infrastruktur, Wohnungsprojekte - "Stichwort leistbares Wohnen" - miteinbezogen werden.

In den ersten Monaten seiner Amtsführung habe man mit den Vorständen eine umfassende strategische Standortbestimmung vorgenommen, um zu analysieren, wo die Allianz in Bezug auf den Mitbewerb und Best Practice stehe. Dieser Prozess laufe natürlich noch, das sei ein mehrjähriges Programm. "Überall kann man Potenzial heben", ist der Generaldirektor überzeugt.

Oberste Maximen für die Allianz seien "Einfachheit und Tempo", wenn es um Markt, Vertrieb - also den Kundenkontakt -, Abläufe und Unternehmenskultur gehe. Man setze auf Kontinuität und Weiterentwicklung, 2018 kämen Tempo und Einfachheit hinzu. Man wolle "die Kunden begeistern, es soll ein Kauferlebnis sein". Dazu setze man verstärkt Apps ein, beginnend mit dem Gesundheits- und Schaden-Bereich. Nach Kfz und der Krankenversicherung werde man diesen Weg in den Produkten weitergehen und die Ausstattung der Verkäufer mit den neuen Möglichkeiten fortsetzen. "Einfachheit und Tempo werden uns prägen", so Vrignaud. Es entscheide aber immer der Kunde, wie er den Weg zur Allianz finden wolle.

In der neu formierten Region, in der Österreich und neun CEE-Länder seit Jahresbeginn zusammengefasst sind, werde man "deutlich enger kooperieren". Es müsse nicht jedes Land die Dinge neu erfinden, verwies Vrignaud auf IT-Themen, etwa die Apps. Zu implementieren seien sie dann natürlich national. Österreich stelle mit seinen rund 1,4 Mrd. Euro Prämienvolumen pro Jahr etwa 30 Prozent der gesamten Region und sei auch in der Frage einer möglichst engen und guten Zusammenarbeit "eine Lokomotive". Die einzelnen Länder unterstehen einer Holding, die von München aus arbeitet. Neben Österreich zählen zur CEE-Region die Slowakei, Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Russland und die Ukraine. Vrignaud (41) leitete von 2012 bis 2016 die rumänischen Allianz-Gesellschaften. Dem Konzern gehört er seit dem Jahr 2001 an.

(Das Gespräch führten Anita Itzenthaler und Stefan Proksch/APA)

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1534 (Montag: 1,1613) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8670 (0,8611) Euro.
 

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