Negativzinsen machen Schweizer Versicherungsgeschäft anspruchsvoller

Zürich - Auch die Schweizer Versicherungswirtschaft ächzt unter Niedrigzinsen und regulatorischen Maßnahmen. Tiefe Zinsen drücken die Erträge insbesondere bei den Lebensversicherern. Den Krankenversicherungen droht vor allem Ungemach durch regulatorische Maßnahmen.

Für die große Mehrheit der Schweizer Versicherungen hat sich das Geschäftsumfeld in den vergangenen zwölf Monaten verschlechtert. Dies zeigt das Versicherungsbarometer, das vom Beratungsunternehmen EY (Ernst & Young) in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen bei 15 großen Erstversicherern erhoben wurde. Erstmals sind auch größere Krankenversicherer befragt worden.

Hans-Jürgen Wolter, Leiter Aktuariat Schweiz bei EY, erklärte an einer Telefonkonferenz, dass bisher kein Versicherer einen Ausweg gefunden habe, wie man aus dem schwierigen Umfeld herauskommen könne.

Besonders einschneidend sind die Auswirkungen der Niedrigzinsen für die Lebensversicherer. Wolter betonte, dass sich Versicherer bei einer Tiefzinsphase ein bis zwei Jahre behaupten könnten. Je länger aber die Niedrigzinsen anhielten, desto größer werde die Durststrecke.

Die Einführung von Negativzinsen durch die Schweizerische Nationalbank macht es den Versicherern nach eigenen Angaben unmöglich, garantierte Zinsen zu erwirtschaften.

Im Tiefzinsumfeld öffnet sich eine Schere zwischen den niedrigen Neugeldrenditen und den Garantieverzinsungen sowie den hohen Umwandlungssätzen in der beruflichen Vorsorge. Eine Absicherung des Zinsrisikos ist im aktuellen Zinsumfeld unvorteilhaft. Die Mehrheit der Lebensversicherer trägt daher das Risiko selbst.

Laut der Studie reagieren die Versicherer, indem sie Produkte mit geringeren Garantien anbieten und auf der Anlagenseite vermehrt größere Risiken eingehen. Sie investieren etwa mehr in Aktien, höher verzinsliche Unternehmensanleihen oder Immobilien.

Um im Wettbewerb zu bestehen, müssen die Versicherer auch ihre Kosten reduzieren. Laut der Studie erachten 60 Prozent der Befragten eine Kostensenkung von 10 bis 30 Prozent für nötig. Die Optimierung von Prozessen steht dabei im Vordergrund. Die Versicherungen setzen sich aber auch intensiv mit Outsourcing auseinander. 40 Prozent der Befragten rechnen damit, Arbeitsplätze an Dritte oder ins Ausland auszulagern.

Wolter geht nicht davon aus, dass das Versicherungsgeschäft arbeitsintensiver wird, glaubt aber auch nicht, dass die Branche vor einer großen Kündigungswelle steht. Der Kostendruck bestehe nicht nur auf der Personalseite, sondern es werde dort gespart, wo ein großer Nutzen entstehe, etwa auch im Vertrieb.

Outsourcing werde sich auf Bereiche konzentrieren, die nicht das Kerngeschäft beträfen, etwa der Informationstechnologie. Bei den großen multinationalen Unternehmen, gebe es einen klaren Trend zum Outsourcing, stellte Wolter fest. Zurich und auch Swiss Re seien bereits in der Vergangenheit damit hervorgetreten.

Kleinere und mittlere Unternehmen hätten diese Möglichkeit nicht oder der Aufwand dafür seit unverhältnismäßig groß. Eine Lösung für diese Unternehmen sieht Wolter in der vermehrten Zusammenarbeit zwischen den mittelgroßen Versicherern.

Zu den größten Herausforderungen für die Branche zählen laut Umfrage weiterhin steigende regulatorische Anforderungen. Laut Wolter gehören Regulierungen inzwischen zum "courant normal". Für die Mehrheit der Unternehmen hat der regulatorische Aufwand auch über die letzten zwölf Monate stark zugenommen.

Andrew Gallacher, Leiter der Versicherungsberatung bei EY, stellte fest, bereits im vergangenen Jahr hätten die Versicherer gemeint, dass der Gipfel der regulatorischen Maßnahmen erreicht sei.

Der Schweizer Versicherungsmarkt gilt laut der Studie als gesättigt. Der Wettbewerb um Marktanteile wird daher intensiv geführt. Die Schweizer Versicherer rechnen jedoch kaum mit zusätzlicher ausländischer Konkurrenz, da Regulierungen diesen den Markteintritt erschweren. Am ehesten erwarten die Befragten neue ausländische Konkurrenz im Nichtlebengeschäft, etwa bei Motorfahrzeug- und Pannenhilfeversicherungen.

In Österreich liegt der maximal zulässige Garantiezins in der Lebensversicherung bei 1,50 Prozent, dürfte 2016 aber von der Finanzmarktaufsicht (FMA) weiter auf 1,25 Prozent gesenkt werden. Mehrere große Player der österreichischen Assekuranz haben im Frühjahr die Gesamtverzinsung für ihre Häuser mit 3,25 Prozent beziffert. Insgesamt lag der Markt hier zwischen 3,0 und 3,25 Prozent, einzelne Ausreißer offerierten noch 3,50 Prozent.

Paris (APA/Reuters) - Der französische Medienkonzern Vivendi taxiert den Wert seiner Tochterfirma Universal Music Group (UMG) auf mehr als 40 Milliarden Dollar (rund 34 Milliarden Euro). Er habe gerade in dieser Woche eine entsprechende Schätzung gesehen, sagte Vivendi-Chef Arnaud de Puyfontaine am Freitag auf einer Branchenkonferenz in Barcelona. Er gehe aber davon aus, dass der Wert noch darüber liege.
 

Newsticker

Vivendi-Chef schätzt Wert der Musiksparte auf über 40 Mrd. Dollar

München (APA/dpa) - Es ist Tag eins nach der Hiobsbotschaft. Die Siemens-Mitarbeiter in Leipzig und Görlitz wissen seit weniger als 24 Stunden, dass ihre Werke mit zusammen 920 Arbeitsplätzen geschlossen werden sollen. Und in Erfurt steht das Generatorenwerk auf der Kippe. Doch statt resignierter Katerstimmung herrscht vor allem Wut.
 

Newsticker

Unverständnis und Wut: Siemens-Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft

London/Göteborg (APA/dpa/AFP/Reuters) - Großbritannien und die Europäische Union geben die Hoffnung auf einen raschen Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen noch nicht auf. Doch müsse London spätestens bis Anfang Dezember Zugeständnisse machen, sagte EU-Ratspräsident Donald Tusk am Freitag in Göteborg. Nur dann könne Mitte Dezember die zweite Verhandlungsphase eingeläutet werden.
 

Newsticker

Warten auf Bewegung beim Brexit - EU präzisierte Frist für London