Nachhaltigkeitsberichte setzen sich in Österreich langsam durch

Wien (APA) - 2017 mussten 120 große österreichische Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht vorlegen. Sie kamen dieser Verpflichtung in sehr unterschiedlichem Ausmaß nach, aber doch deutlich besser als 2016, als die Übung noch freiwillig war, zeigt eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien mit dem Beratungsunternehmen PwC. Allerdings werden die Berichte nur selten von externen Prüfern bestätigt.

Die Studie hat die Berichte von 40 der vom Gesetz erfassten knapp 120 Unternehmen unter die Lupe genommen, darunter waren 33 aus dem oberen Börsensegment in Wien, dem ATX Prime. Die unterschiedliche Bedeutung der Nachhaltigkeitsberichte lässt sich schon am Umfang ablesen, der zwischen 9 und 166 Seiten lag.

Immerhin hat sich der Anteil der Unternehmen, die sich strategisch mit nichtfinanziellen Themen auseinandersetzen, gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt. Auch wurden 2017 die Geschäftsmodelle der Unternehmen deutlich ausführlicher beschrieben. Rund 90 Prozent der untersuchten Unternehmen haben die Auswirkungen ihres Geschäftsmodells auf Umwelt und Gesellschaft dargelegt, 68 Prozent sogar ausführlich. In Summe hat die Transparenz zugenommen.

Umwelt- und Arbeitnehmerbelange wie etwa Energieverbrauch, Treibhausgasemissionen und Arbeitsunfälle werden in den Berichten meist aufgegriffen, auf Menschenrechte und Korruption gehen die Unternehmen weniger oft ein, zeigen die Studienleiterinnen Stephanie Mittelbach-Hörmanseder, Assistenzprofessorin am WU-Institut für Unternehmensrechnung und Revision sowie Julia Fessler, Managerin bei PwC.

Zwar hat sich die Zahl der Unternehmen, die zumindest zu einem nichtfinanziellen Thema quantifizierbare Ziele nennt, im Vergleich zum Vorjahr auf 50 Prozent fast verdoppelt, "dennoch besteht noch großer Nachholbedarf", heißt es in der Studie. Zur Umwelt hat die Hälfte der Unternehmen klare Ziele festgeschrieben, zu Menschenrechten und Verhinderung von Korruption nur einige wenige.

Nicht verbessert hat sich im Vergleich zum Vorjahr die Zuverlässigkeit der Inhalte: Etwa ein Viertel der Unternehmen, und das nur börsennotierte, lässt die Nachhaltigkeitsberichte extern prüfen, alle nur mit begrenzter Sicherheit. In Deutschland werden zwei Drittel der Berichte extern geprüft.

Grundlage der Berichterstattung ist das Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG), das die EU-Richtlinie über Non-Financial Information (NFI) umsetzt. Ziel ist es, einen einheitlichen Standard und gesetzliche Mindestanforderungen in der Nachhaltigkeitsberichterstattung zu etablieren, um die Informationen vergleichbarer und transparenter zu machen.

Das Gesetz betrifft in Österreich knapp 120 große Unternehmen von öffentlichem Interesse, die im Jahresdurchschnitt mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen. Es verlangt eine Beschreibung der wesentlichen Risiken des Geschäfts und wahrscheinliche negative Auswirkungen im nicht-finanziellen Bereich. Ein Großteil der Unternehmen erwähnt die Risiken nur indirekt, indem Konzepte und Due-Diligence-Prozesse beschrieben werden. Nur wenige Unternehmen sprechen wesentliche Risiken explizit an und beschreiben sie ausführlich.

Bei einer Firma war der Nachhaltigkeitsbericht trotz gesetzlicher Pflicht "nicht auffindbar", vermerkt die Studie.

Steyr Motors fährt in die Pleite - und will neu durchstarten

Bonität

Steyr Motors fährt in die Pleite - und will neu durchstarten

EZB-Chef Draghi: Über Reformen und das Ende von Anleihenkäufen

Wirtschaft

EZB-Chef Draghi: Über Reformen und das Ende von Anleihenkäufen

Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

Newsticker

Novartis investiert 200 Mio. Euro in Tiroler Standorte