Nach Zinswende will die Fed aggressiver werden

(Reuters) - Die US-Notenbank Federal Reserve streicht ihre Konjunkturhilfen weiter zusammen und hält vorerst an ihrem Bekenntnis zu niedrigen Zinsen fest. Die Zentralbanker um Fed-Chefin Janet Yellen signalisierten jedoch gleichzeitig, dass sie die Zinszügel im kommenden Jahr stärker als bislang erwartet straffen könnten. Die Währungshüter entschieden am Mittwoch, die monatlichen Wertpapierkäufe um weitere zehn auf 15 Milliarden Dollar zu reduzieren und den Leitzins zugleich bei null bis 0,25 Prozent zu belassen. Sie wollen noch "geraume Zeit" nach dem für Ende Oktober anstehenden Auslaufen der Konjunkturhilfen die Zinsen niedrig halten. Yellen machte jedoch deutlich, dass dies kein "festes Versprechen" ist und sich der Zeitplan mit der Wirtschaftslage ändern kann.

Die Ressourcen am Arbeitsmarkt sind nach Ansicht der Fed bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Die Märkte rechnen damit, dass die Zinswende erst Mitte 2015 kommen wird. Aus den Prognosen der Notenbanker geht allerdings hervor, dass sie die geldpolitischen Zügel nächstes Jahr wohl stärker anziehen. Im Schnitt veranschlagen die Währungshüter nun ein Leitzinsniveau von 1,375 Prozent für Ende kommenden Jahres. Noch im Juni hatten sie lediglich 1,125 Prozent angepeilt. "Das deutet daraufhin, dass die Notenbank Zinserhöhungen aggressiver angehen wird als gedacht", sagte Fed-Beobachter Robert Stein von Astor Investment Management in Chicago.

Yellen sagte auf der Pressekonferenz nach dem Zinsbeschluss, das Bekenntnis der Fed zu anhaltend niedrigen Zinsen sei an kein starres Zeitkorsett gebunden. Falls sich die Wirtschaft besser als erwartet entwickle, werde die Zinswende früher kommen. "Und auch das Gegenteil kann eintreten, wenn sich die Prognosen ändern sollten", fügte sie hinzu.

ZWEI NOTENBANKER STIMMEN GEGEN BESCHLUSS

Die Entscheidung der Fed hatte die Händler an der Wall Street in ein Wechselbad der Gefühle gestürzt: Die US-Aktienmärkte fielen nach dem Fed-Zinsentscheid in regem Handel zunächst, bevor sie dann auf Tageshöchststand zulegten. Manche Experten hatten erwartet, dass die Notenbank ihr Bekenntnis zu länger anhaltenden niedrigen Zinsen streichen oder abschwächen würde. Daher machte sich nun Erleichterung breit, dass die Fed Kurs hält. Die beiden Notenbanker Charles Plosser und Richard Fisher votierten allerdings gegen den Zinsbeschluss, womit sich die Zahl der Gegenstimmen seit der letzten Sitzung verdoppelt. "Dass es zwei Gegenstimmen gab, lässt darauf schließen, dass über das Zinsbekenntnis lebhaft diskutiert wurde", meint Ökonom Harm Bandholz von der Großbank UniCredit. Er erwartet, dass es im Oktober aus dem Fed-Kommunique gestrichen wird.

Die Notenbank legte nun auch aktualisierte Pläne für die Zeit vor, in der sie die geldpolitischen Zügel straffen und sich von der Politik des billigen Geldes verabschieden wird. Sie will dabei den derzeit in einem engen Korridor über der Null-Linie gehaltenen Leitzins weiterhin als ihr Hauptinstrument verwenden. Dabei soll ihr der Zins, den die Notenbank für die bei ihr deponierten Überschussreserven zahlt, als zentrale Steuerungsgröße dienen. Laut Yellen soll es auch künftig bei einem Zins-Korridor bleiben. Die Notenbanker hätten in ihren Projektionen jeweils die Mitte der zu erwartenden Zins-Spanne angegeben, erläuterte die Fed-Chefin.

Die Notenbank betreibt seit Ende 2008 eine Politik des ultrabilligen Geldes, um die Wirtschaft anzukurbeln und dem Arbeitsmarkt auf die Sprünge zu helfen. Dabei kann sie auf deutliche Fortschritte verweisen: Monat für Monat wurden dieses Jahr Hunderttausende Stellen aufgebaut, auch wenn die Erholung im August schwächer als zuletzt ausfiel. Die Arbeitslosenquote sank auf 6,1 Prozent. Damit kommt die von der Notenbank angestrebte Vollbeschäftigung in Reichweite, die bei Werten nahe der Fünf-Prozent-Marke als erreicht gilt. Mit diversen Konjunkturspritzen hat die Fed ihre Bilanz in den vergangenen Jahren auf 4,4 Billionen Dollar aufgebläht und damit mehr als vervierfacht. Kritiker befürchten, dass die massive Geldflut letztlich Blasen an den Märkten auslösen und der Inflation Vorschub leisten wird.

Ankara/Washington/Genf (APA/dpa) - Auf Drängen Ankaras soll sich die Welthandelsorganisation (WTO) mit den US-Strafzöllen auf Stahl und Aluminium aus der Türkei befassen. Ein entsprechender Antrag zu einem Streitschlichtungsverfahren sei eingegangen, teilte die WTO am Montag mit. Zunächst haben beide Seiten 60 Tage Zeit, miteinander zu reden. In dem Handelskonflikt fahren Ankara und Washington einen harten Kurs.
 

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Türkei bringt Zollstreit mit den USA vor die WTO

Caracas (APA/dpa) - Mit einer ganzen Reihe von Reformen will die Regierung Venezuelas die schwere Wirtschaftskrise beilegen. Angesichts der Hyperinflation werden fünf Nullen aus der Landeswährung gestrichen. Aus einer Million Bolívar fuerte (starker Bolívar) werden ab Montag 10 Bolívar soberano (souveräner Bolívar). Zudem soll der Bolívar künftig an die neue Kryptowährung Petro gekoppelt sein.
 

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Venezuela will Wirtschaftskrise mit Reformen beilegen

München/Berlin (APA/dpa) - Der deutsche Fernbusanbieter Flixbus klagt die Deutsche Bahn wegen der Darstellung seiner Züge im Internet. "Bereits im Juli haben wir Klage eingereicht, weil Flixtrain auf bahn.de nur lückenhaft abgebildet wird", teilte Geschäftsführer André Schwämmlein am Montag auf Anfrage einen Bericht des "Manager Magazin".
 

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Flixtrain klagt Deutsche Bahn wegen Internetübersicht