Moody's stellt ersten Zahlungsausfall von Puerto Rico fest

Die Schuldenkrise der mit den USA assoziierten Karibikinsel Puerto Rico hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Puerto Rico konnte eine am Samstag fällig gewordene Anleihen nicht fristgerecht zurückzahlen, so die Ratingagentur Moody's. "Moody's wertet dieses Ereignis als Zahlungsausfall", erklärte die Vize-Chefin des Kapitalanlegerdienstes der Ratingagentur, Emily Raimes.

Es sei davon auszugehen, dass weitere Zahlungsausfälle folgten, so Raimes.

Puerto Rico hätte den Angaben zufolge 58 Mio. Dollar (53 Mio. Euro) an Kapital- und Zinszahlungen leisten müssen, konnte aber nur einen kleinen Teil davon aufbringen. Dies zeige, dass Puerto Rico nicht die Mittel habe, "all seine bevorstehenden Schuldenrückzahlungen zu tätigen". Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte bereits Mitte Juli erklärt, eine Pleite der Karibikinsel sei "praktisch Gewissheit".

Die regierungseigene Bank von Puerto Rico teilte mit, dass die geleistete Teilzahlung von 628.000 Dollar noch aus dem vorherigen Haushaltsjahr stamme. Eine volle Rückzahlung sei nicht möglich, weil in diesem Jahr die nötigen Mittel dafür nicht bewilligt worden seien. Die Regierung von Puerto Rico hatte Ende Juni verkündet, ihre Schulden von rund 73 Mrd. Dollar nicht mehr zu bedienen und mit den Gläubigern verhandeln zu wollen.

Puerto Rico war bis 1898 spanische Kolonie und ist wie einige andere Karibikinseln mit den USA assoziiert. Die Bewohner Puerto Ricos haben seit dem Jahr 1917 die US-Staatsbürgerschaft und dienen in der Armee, sind in den USA aber nicht wahlberechtigt oder steuerpflichtig.

Die Wirtschaft der Insel schrumpft seit sieben Jahren. Wegen des besonderen Status kann Puerto Rico mit seinen 3,5 Millionen Einwohnern nicht offiziell Insolvenz anmelden. Ein Zahlungsausfall könnte deshalb jahrelange Verhandlungen nach sich ziehen, um die Krise beizulegen.

Christian Keuschnigg, Professor für Nationalökonomie an der Universität St. Gallen und Leiter des Wirtschaftspolitischen Zentrums in Wien.

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