Monopol oder nicht? EU entscheidet über Lufthansa-Deal

Frankfurt/Berlin (APA/Reuters) - Rund vier Monate nach der Insolvenz von Air Berlin entscheiden sich bald Kernpunkte der Zerschlagung. Die EU-Kommission nimmt derzeit die Übernahmen von großen Teilen des Konzerns durch die Lufthansa und den britischen Billigflieger Easyjet unter die Lupe. Während der Easyjet-Deal Insidern zufolge wohl ohne Auflagen durchgehen dürfte, hakt es derzeit beim Lufthansa-Projekt.

Die EU-Kommission hat vor allem wettbewerbsrechtliche Zweifel an der Übernahme der österreichischen Niki. Die Brüsseler Behörde fällt ihr Urteil zur Lufthansa spätestens am 21. Dezember.

Im Folgenden eine Übersicht über mögliche Szenarien:

EU-KOMMISSION GIBT GRÜNES LICHT

Das wäre für Lufthansa-Chef Carsten Spohr wohl das größte Weihnachtsgeschenk. Derzeit gibt es allerdings Anzeichen, dass die Zugeständnisse der Lufthansa für die EU-Kommission nicht ausreichend sind. Spohr hatte angekündigt, die Lufthansa sei bereit, auf bestimmte Start- und Landerechte (Slots) zu verzichten. Derzeit befragt die Brüsseler Behörde die Lufthansa-Rivalen bis zum 11. Dezember, wie sie die Wettbewerbssituation und die Vorschläge der Kranich-Airline bewerten. "Bis Montag müssen wir liefern", sagte ein Vertreter der Konkurrenz. Ein anderer Insider betonte, dass Spohr zwar im Heimatmarkt Deutschland wohl auf bestimmte Slots verzichte - allerdings eher dort, "wo es nicht so wehtut". An großen Flughäfen wie München und Berlin-Tegel hingegen halte Spohr an attraktiven Start- und Landerechten fest.

Viele Branchenvertreter erwarten, dass die Lufthansa weitere Zugeständnisse machen müsste, um die Genehmigung der EU zu bekommen. Dies wäre auch im Interesse der deutschen Regierung, die bei einem Scheitern wohl nicht mit der Rückzahlung ihres Staatskredits für Air Berlin über 150 Mio. Euro rechnen kann. Zuletzt hatte es ein Krisentreffen der Lufthansa mit Vertretern mehrerer Ministerien gegeben.

EU-KOMMISSION MACHT VERTIEFTE PRÜFUNG

Den Lufthansa-Deal kann die EU-Kommission zwar am 21. Dezember nicht blockieren. Aber sie kann eine vertiefte Prüfung über 90 Werktage ankündigen, um die Sache noch intensiver zu prüfen. In diesem Fall würde die Lufthansa aber nach eigenen Angaben wohl aussteigen. Denn dann müsste sie die aktuelle Zwischenfinanzierung für Niki noch für mehrere Monate fortsetzen. Insidern zufolge muss die Lufthansa derzeit bereits bis zu zehn Mio. Euro pro Woche bei Niki zuschießen. Zieht Lufthansa also finanziell den Stecker, wäre die Air-Berlin-Tochter pleite. "Das Unternehmen wäre nicht überschuldet, aber sofort zahlungsunfähig", sagte ein Branchenkenner. Dann müsse der Flugbetrieb eingestellt werden und es könnten rund 60.000 gestrandete Passagiere im Urlaub festsitzen.

Die Lufthansa betont, dass sie beim angepeilten Wachstum ihrer Billigflugtochter Eurowings nicht zwingend auf den Air-Berlin-Deal oder die Niki-Übernahme angewiesen sei. Spohr hat zuletzt zu verstehen gegeben, dass man natürlich auch an einem "Plan B" arbeite. Ob das Unternehmen von Brüssel 20 Flugzeuge mehr oder weniger genehmigt bekomme, sei "nicht überzubewerten", sagte Spohr. Dann würde der Konzern das organische Wachstum nochmal um 20 Maschinen erhöhen.

Frankfurt (APA/dpa) - Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnt die Politik davor, Fusionen in der deutschen Bankenbranche voranzutreiben. Er wäre "vorsichtig (...) damit, Zusammenschlüsse politisch zu forcieren. Sie müssen einer betriebswirtschaftlichen Logik folgen", sagte Weidmann dem "Handelsblatt". "Wir haben nicht die Erfahrung gemacht, dass staatliche Einmischung dabei nützlich ist."
 

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Bundesbank-Chef: Politik sollte Bankenfusionen nicht forcieren

London (APA/dpa) - Die Übernahmeschlacht um das britische Medien- und Telekommunikationsunternehmen Sky zwischen dem Murdoch-Konzern 21st Century Fox und US-Kabelkonzern Comcast soll per Auktion entschieden werden. Das teilte die britische Übernahmekommission am Donnerstag mit.
 

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Murdoch gegen Comcast: Auktion entscheidet Sky-Übernahmeschlacht

Frankfurt (APA/Reuters) - Tarifabschluss in der deutschen Chemiebranche: Die 580.000 Beschäftigten bekommen im Schnitt 4,6 Prozent mehr Lohn. Die Einigung sieht Entgeltsteigerungen von 3,6 Prozent vor, wie die Gewerkschaft IG BCE nach Abschluss der zweiten Bundesrunde der Verhandlungen am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Das Urlaubsgeld für Vollzeitbeschäftigte soll auf 1.200 Euro verdoppelt werden.
 

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Deutsche Chemiebranche - Löhne steigen im Schnitt um 4,6 Prozent