Modefirma Steilmann kurz nach Börsengang pleite - Anleger flüchten

Wenige Monate nach dem verpatzten Börsengang ist die deutsche Modefirma Steilmann pleite. Vorstandschef Michele Puller räumte die Zahlungsunfähigkeit des 1958 gegründeten Unternehmens mit 8.300 Mitarbeitern ein und kündigte an, "unverzüglich" einen Insolvenzantrag beim zuständigen Gericht in Dortmund zu stellen.

Nach Bekanntgabe der Insolvenz ist die Aktie dramatisch eingebrochen: Sie verlor am Donnerstagvormittag rund 90 Prozent an Wert und fiel bis auf 22 Cent. Im Sog der Zahlungsunfähigkeit brach auch das Wertpapier der Adler-Modekette gleich nach Handelsbeginn heute um mehr als 7 Prozent ein. Steilmann hält einen Großteil der Adler-Aktien.
"Die Banken waren nicht mehr bereit, zu finanzieren", sagte Firmensprecherin Reena Dennhardt am Donnerstag. Zudem seien Gespräche mit potenziellen Geldgebern erfolglos verlaufen. Als Grund für die Misere nannte Dennhardt anhaltend schwache Geschäfte. Der Vorstand hoffe nun, dass Steilmann von einem Insolvenzverwalter saniert werden kann.
Die Modekette Adler, an der Steilmann zusammen mit dem Investor Equinox knapp 53 Prozent hält, erwartet von der Pleite des Großaktionärs keine "nennenswerten" Auswirkungen auf das operative Geschäft und die Ertragslage. Adler sei zwar aufgrund der Mehrheitsbeteiligung der S&E Kapital mittelbar mit Steilmann verbunden. Es bestehe aber kein Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag.
Details zu einem Insolvenzantrag gab es am Nachmittag noch nicht. Steilmann ist auch in Österreich vertreten.
Steilmann-Chef Puller wollte ursprünglich knapp 100 Mio. Euro über den Börsengang einnehmen, um das geplante Wachstum zu finanzieren und die Mehrheit an der börsennotierten Modekette Adler zu übernehmen. Doch die Nachfrage nach Steilmann-Aktien war schwach und Puller musste sich mit 8,8 Mio. Euro begnügen. Er zog die Börsennotiz dennoch durch, um sich "strategische Optionen" offen zu halten.
Die Familie um Vorstandschef Puller hatte den Damenmoden-Hersteller in den vergangenen Jahren schrittweise übernommen. Zu dem Unternehmen, das sich auf die Altersgruppe der über 45-Jährigen konzentriert, gehören neben "Steilmann" unter anderem die Marken "Apanage" und "Kapalua" sowie Boecker-Modehäuser. 2014 setzte die Steilmann SE mit .8300 Mitarbeitern in 18 Ländern rund 900 Mio. Euro um. Über 50 Prozent der Beschäftigten sind Firmenangaben zufolge in Deutschland.
Mitte Dezember hatten sowohl Steilmann wie auch Adler ihre Prognosen zusammengestrichen und begründeten dies mit den schwachen Geschäften infolge des milden Winterwetters.
Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) riet Steilmann-Aktionären sich zu organisieren, um eine bestmögliche Wahrung ihrer Interessen im Insolvenzverfahren gewährleisten zu können. Allerdings machten die Anlegerschützer den Teilhabern wenig Hoffnung: Sie müssten "mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Totalverlust des investierten Kapitals rechnen", teilte die SdK mit.
Gegründet worden war das Unternehmen in den 50er Jahren von Klaus Steilmann, zwischenzeitlich führte es seine Tochter Britta Steilmann, dann deren Schwester Ute Steilmann. Sie beantragte im Jahr 2006 Insolvenz, die durch eine Übernahme abgewendet wurde: Der italienische Mischkonzern Miro Radici übernahm Steilmann.
Im Frühjahr 2013 kaufte Steilmann zusammen mit der Investmentgesellschaft Equinox Two aus Luxemburg knapp 47 Prozent der Anteile an den Adler Modemärkten; im Oktober 2015 ging Steilmann in Frankfurt am Main an die Börse.

Der südafrikanische Steinhoff-Großaktionär Christo Wiese kappt nach seinem Rücktritt als Verwaltungsratschef weitere Verbindungen zu dem angeschlagenen Handelsriesen. Wiese sagte am Freitag den Verkauf der Einzelhandelskette Shoprite an Steinhoffs Afrika-Tochter STAR ohne Angabe von Gründen ab.
 

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Steinhoff-Großaktionär sagt Milliarden-Firmenverkauf ab

Der kriselnde Möbelhändler Steinhoff - Muttergesellschaft von Kika/Leiner - lässt seinen Ankündigungen Taten folgen und versilbert Anteile an der südafrikanischen Investmentgesellschaft PSG Group. So habe das Unternehmen 20,6 Millionen Aktien oder 9,5 Prozent der Anteile an PSG verkauft, teilte Steinhoff am Freitag mit.
 

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Steinhoff verkauft Anteile an südafrikanischer Investmentgesellschaft

Am Mittwoch ist die Air-Berlin-Tochter Niki pleitegegangen. Noch gibt es eine leise Hoffnung, die Firma zu erhalten. Unterdessen fischen Konkurrenten bereits nach den hoch qualifizierten Niki-Mitarbeitern. Und auch die Kunden können hoffen, dass sie nicht um ihr Geld umfallen. Die deutsche Regierung muss aber einen Teil ihres 150 Mio. Euro schweren Überbrückungskredits für Air Berlin abschreiben.
 

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Niki-Pleite - Chancen für Mitarbeiter und letzte Hoffnung für Firma