Mobilfunker bringen Milliarden zur US-Frequenzauktion

Noch einmal tief durchatmen heißt es über Ostern für die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile US und Konkurrenten wie AT&T, Verizon oder Liberty Global. Denn am Dienstag werfen sich die Unternehmen in den USA in die milliardenschwere Auktion um neue Funkfrequenzen, die für den Ausbau ihrer Geschäfte von großer Bedeutung sind.

Frequenzen sind nicht unendlich zu haben, für moderne Technologien vom Babyfon über Fernseher und Satelliten bis zum Handy aber unerlässlich. Entsprechend heiß begehrt ist das nun in den USA auf den Markt kommende Spektrum, das Fernsehsender abtreten. Mobilfunkunternehmen wie T-Mobile wollen mit den Frequenzen neue Netze auf- oder bestehende ausbauen. Experten rechnen damit, dass die Auktion die Unternehmen zwischen 15 und 45 Milliarden Dollar (13,4 bis 40,3 Mrd. Euro) kosten wird.
T-Mobile US allein könnte bis zu zehn Milliarden Dollar auf den Tisch legen, wie das Management durchblicken ließ. "Wir werden diszipliniert, aber aggressiv vorgehen", hat Finanzchef Braxton Carter angekündigt. Mit den neuen Frequenzen will die Telekom-Tochter vor allem die Datengeschwindigkeit erhöhen. Für Firmenchef John Legere ist die anstehende Versteigerung eine seiner größten Herausforderungen. Der 57-Jährige übernahm vor dreieinhalb Jahren die Führung der damals abgeschlagenen Mobilfunkeranbieters. Dank milliardenschwerer Hilfe aus Bonn und aggressiver Tarif-Angebote brachte der Manager T-Mobile US wieder auf Vordermann - 2015 verdreifachte sich der Überschuss auf 733 Mio. Dollar.
Mittlerweile ist das Unternehmen die Wachstumslokomotive des Mutterkonzerns. Der will sich eigentlich schon seit Jahren aus dem hart umkämpften und viel Geld verschlingenden US-Mobilfunkmarkt verabschieden. Doch bisherige Versuche, T-Mobile zu verkaufen, scheiterten. Nun liegen diese Pläne wegen der Auktion und der US-Präsidentschaftswahl erstmal auf Eis.
Mit den weiteren Frequenzen soll T-Mobile US fitgemacht werden, um im Kampf um Kunden am Markt zu bestehen. Finanzielle Unterstützung erhält die Firma erneut aus Bonn. Die Erlöse aus dem Verkauf einer 4,5 Mrd. Euro schweren Anleihe will die Telekom teils auch in Amerika investieren. Die in Bellevue im Bundesstaat Washington ansässige Tochter sicherte sich zudem die Möglichkeit, bei der Konzernmutter einen Bond über 2 Mrd. Dollar zu platzieren.
Doch der drittgrößte Mobilfunkanbieter des Landes muss sich auf harte Konkurrenz einstellen. Bei der US-Telekom-Regulierungsbehörde FCC gingen nach Angaben vom vergangenen Freitag 104 Anträge für die Teilnahme an der Auktion ein. Angemeldet haben sich demnach unter anderem die beiden größeren Rivalen Verizon und AT&T, der Kabelnetzbetreiber Liberty Global sowie zahlreiche regionale Anbieter. Auch der Kabelkonzern Comcast und der Bezahlfernsehanbieter Dish kündigten an, zu bieten. Auf der Liste stehen sie bisher namentlich nicht. Ein Insider sagte aber, Comcast beteilige sich unter einem anderen Namen. Comcast kommentierte das nicht. Anträge bei der FCC stellten auch zahlreiche Einzelpersonen, Konsortien, Partnerfirmen oder Firmenvertreter, die aber nicht vor Montag veröffentlicht werden sollen. Marktbeobachtern zufolge könnte die Auktion bis in den Herbst dauern.

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