Mobile World - Android-Rebellen blasen zum Aufstand gegen Google

Das Google-System Android hat einen Marktanteil von rund 80 Prozent beim Smartphone-Absatz. Doch nach Berechnungen von Marktforschern wurden zuletzt vier von zehn Android-Geräten ohne Google-Dienste verkauft. Anbieter wie Cyanogen bieten dem Giganten die Stirn.

Ein große Klappe hat der Chef der Software-Anbieters Cyanogen auf jeden Fall. Er versprach Kirt McMaster, er werde Google das Smartphone-System Android "wegnehmen". Dann prophezeite er pünktlich zum Mobile World Congress in Barcelona, heutige Platzhirsche wie Samsung würden in fünf Jahren von neuen Rivalen "geschlachtet" werden.

Die Realität sieht auf der diesjährigen Mobilfunkmesse in Barcelona noch so aus, dass Samsung mit einem riesigen Stand auftrumpft, während sich Cyanogen nur ein stickiges Zimmerchen im Meeting-Bereich leistet. Große Pläne hat das Unternehmen mit gerade einmal 80 Mitarbeitern trotzdem. In Barcelona wurde eine Kooperation mit dem Chip-Spezialisten Qualcomm vorgestellt, die Smartphone-Hersteller eine schlüsselfertige Plattform für Telefone mit der Cyanogen-Version von Android bieten soll.

Cyanogen profitiert wie diverse andere Anbieter davon, dass Android zwar von Google entwickelt, aber im Kern eine kostenlose und offene Software ist. Gebühren werden für Hersteller erst fällig, wen sie Google-Dienste wie Maps, GMail oder den Cloud-Speicher Google Drive auf ihren Geräten anbieten wollen. Dabei gilt für die Hersteller "alles oder nichts": Sie dürfen sich nicht bestimmte Google-Dienste aussuchen, sondern müssen dann das gesamte Paket einbinden.

In China, wo Google nicht verfügbar ist, sind bereits hunderte Millionen Android-Telefone ohne die Dienste des Internet-Konzerns im Einsatz. Im letzten Vierteljahr 2014 sanken die Verkäufe von Android-Telefonen mit Google an Bord nach Berechnungen des Marktforschers ABI Research im Vergleich zum Vorquartal um fünf Prozent auf 205,5 Millionen Geräte. Beim Google-freien Android gab es demnach einen Rückgang um ein Prozent auf 85 Millionen Telefone. Anders gesagt: 40 Prozent der Android-Smartphones wurden ohne Google-Services verkauft.

Der für Android zuständige Google-Manager Sundar Pichai spielte in Barcelona das Thema herunter. Der Mehrwert von Android-Geräten ohne Google-Angebote erschließe sich ihm nicht so recht: "Das sind Dienste, die die Menschen nutzen wollen." An sich begrüße Google aber jegliche Konkurrenz.

Cyanogen-Mitgründer und Technikchef Steve Kondik sieht die Chancen seiner Firma darin, Googles Android zu übertreffen. "Wir wollen den Herstellern ein Android in die Hand legen, das besser ist als die Standard-Version", sagt er. So ergänze Cyanogen Android um Schnittstellen für mehr Funktionen und Anwendungen. "Das können zum Beispiel Bereiche wie Cloud-Speicher sein, in denen Google Android möglicherweise aus strategischen Überlegungen Zügel anlegt."

Das Geld will Cyanogen mit Software-Diensten und der Integration von Programmen weiterer Anbieter verdienen. So weit sei es aber noch nicht: "Im Moment hat für uns Wachstum Vorrang." Zukunftsmusik sei auch eventuelle Cyanogen-Software für Computeruhren oder vernetzte Geräte.

Kondik sieht Spannungen im Verhältnis zwischen Google und Geräte-Anbietern. "Die Hersteller mögen es nicht, herumgeschubst zu werden. Und Google schubst sie herum", sagt er. Den Smartphone-Anbietern würden zu viele Einschränkungen auferlegt.

Vladislav Martynow, der Chef des russischen Anbieters Yota Devices, der mit dem Yotaphone 2 ein Telefon mit zusätzlichem E-Paper-Display verkauft, sieht es dagegen wie Pichai. "Wieso hätten wir ein Telefon ohne Google machen wollen?", fragt er mit hochgezogenen Augenbrauen. "Das sind mit die populärsten Apps auf den Geräten."

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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