Milliarden-Deal in den USA bereitet Siemens-Aktionären Bauchschmerzen

München (APA/dpa) - Siemens-Chef Joe Kaeser hat sich aus der Deckung gewagt - jetzt bläst ihm der Wind ins Gesicht. Die Milliarden-Übernahme des US-Unternehmens Dresser-Rand könnte zum teuren Problem für den Elektrokonzern werden - und ihm ein schwaches Zwischenzeugnis der Aktionäre eintragen.

Denn einen unglücklicheren Zeitpunkt für den größten Zukauf hätte Kaeser wohl kaum wählen können. Selbstbewusst verkündete der Manager im vergangenen September die Übernahme des US-Kompressorenherstellers Dresser-Rand, mit der Siemens eigentlich vom Fracking-Geschäft in den USA profitieren will. Doch von dem Boom ist seit der steilen Talfahrt des Ölpreises derzeit nichts mehr übrig. Die Investitionstätigkeit in der Branche lahmt und die Zeichen stehen vorerst auf Stellenabbau statt Wachstum. Das dürfte Kaeser viele kritische Fragen der Siemens-Aktionäre einbringen, die am Dienstag zur Hauptversammlung in der Münchner Olympiahalle zusammenkommen.

Der Zulieferer für die Öl- und Gasindustrie stellt Kompressoren, Turbinen und Motoren her. Mindestens 7,6 Mrd. Dollar (6,8 Mrd. Euro) lässt sich Siemens die Übernahme kosten, das galt schon bei der Ankündigung nicht gerade als Schnäppchen. Dabei lagen die Ölpreise damals noch um 90 Dollar - mittlerweile haben sie sich nahezu halbiert, was die Bohrungen nach dem sogenannten unkonventionellen Öl und Gas im unterirdischen Schiefergestein weniger rentabel macht. Obendrein dürfte sich der Zukauf noch verteuern. Die ausgehandelten 83 Dollar je Aktie gelten nämlich nur für den Fall, dass das Geschäft vor dem 1. März unter Dach und Fach ist. Ansonsten steigt der Preis über eine Art Verzugsgebühr, wie aus dem Siemens-Geschäftsbericht hervorgeht. Siemens selbst rechnet mit einem Abschluss wegen ausstehender Kartell-Genehmigungen erst im Sommer dieses Jahres - dann würde ein Millionen-Aufschlag fällig.

Zuletzt zeigte er sich davon überzeugt, dass in dem Geschäft mit Ausrüstung für die großen Förderunternehmen viel Geld steckt. "Wer ist beim Goldrausch wirklich reich geworden? Die Goldsucher oder diejenigen, die die Schaufeln geliefert haben?", sagte der Niederbayer, der seit Sommer 2013 an der Siemens-Spitze steht, im Dezember vor Investoren. Der Ölpreisverfall liege nicht an der fehlenden Nachfrage, sondern an einem zu hohen Angebot. Das sei ein gutes Indiz dafür, dass die aktuelle Situation auch wieder vorübergehen werde, gab sich Kaeser zuversichtlich. Außerdem dürften die niedrigen Ölpreise die Konjunktur in anderen Wirtschaftszweigen ankurbeln - wovon der Elektrokonzern mit seiner breiten Aufstellung profitieren könne.

Der Dax-Konzern kämpft mit Wachstums- und Renditeschwäche - deshalb hatte Kaeser ihm auch den größten Umbau seit Jahren verordnet. Mit einer neuen Struktur und der Ausrichtung auf Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung soll Siemens mit zuletzt weltweit 343.000 Beschäftigten schneller vorankommen. Doch bis sich die Neuordnung richtig bewährt, dürfte noch einige Zeit ins Land gehen. Erste Verbesserungen erhofft sich Kaeser für 2016, im folgenden Jahr will er dann die Früchte des Umbaus ernten. Manchen geht das nicht schnell genug. Auch im Tagesgeschäft hakte es zuletzt an einigen Stellen: Nicht nur die maue Nachfrage nach großen Gasturbinen, sondern auch Qualitätsprobleme bei Windkraft-Anlagen machen Siemens im wichtigen Energiegeschäft zu schaffen.

Kaeser hat keinen Hehl daraus gemacht, dass der Umbau nicht ohne Einschnitte abgehen wird. Wie viele Beschäftigte es trifft, ist bisher noch unklar, doch rechnet die IG Metall schon bald mit Details. Laut "Handelsblatt" wird der Wirtschaftsausschuss des Unternehmens am 4. und 5. Februar über das Thema beraten, danach könnten die Zahlen auch öffentlich werden. Arbeitnehmervertreter jedenfalls sehen die Einschnitte erwartungsgemäß kritisch: "Ich habe es satt, dass immer wieder Personalabbau als alternativlose Lösung propagiert wird", sagte Siemens-Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn kürzlich in einem Interview.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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Novartis investiert 200 Mio. Euro in Tiroler Standorte

Rom/Menlo Park (APA) - Nachdem die US-Internetriesen Google und Amazon wegen vermuteter Steuerhinterziehung ins Visier der italienischen Justiz geraten sind, hat sich Facebook mit Italiens Steuerbehörden auf die Zahlung von 100 Mio. Euro geeinigt, um ein Steuerverfahren abzuschließen. Die Mailänder Justiz hatte dem E-Commerce-Riesen Steuerhinterziehung in Höhe von 300 Mio. Euro vorgeworfen, so italienische Medien.
 

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Facebook einigt sich mit italienischem Fiskus und zahlt 100 Mio. Euro