Milchpreis-Tief sorgt weiter für Aufregung unter Agrariern

Nachdem Agrarminister Andre Rupprechter (ÖVP) heute seine Forderung nach rund 100 Mio. Euro aus EU-Töpfen wegen des Preisverfalls bei Milch und Schweinefleisch für Österreich erneuert hat und am kommenden Montag ein EU-Sondergipfel zum Thema ansteht, sieht die IG Milch die Notwendigkeit, weniger Milch zu produzieren. Es führe kein Weg an einer Wiedereinführung einer Quotenregelung vorbei.

Rupprecher (ÖVP) schließt die Wiedereinführung einer Quotenregelung, die erst mit Ende März heuer ausgelaufen war, aus. Ursprünglich hatte der Minister öfters betont, dass verschiedene mögliche Förderungen über das Programm der Ländlichen Entwicklung im Rahmen der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP), die eigens in der neuen Förderperiode hierzulande geschaffen worden waren, als Abhilfe gegen das Quoten-Aus reichen würden. Nun fordert der Politiker aber Extra-Geld aus Brüssel.

Der Obmann der IG Milch, Ewald Grünzweil, sagte heute im APA-Gespräch, dass es ohne eine Quotenregelung zu einem Milchbauernsterben kommen könnte und forderte eine Regelung, die die Mengen der letzen Quotenregelung um rund ein Viertel unterschreiten müsse. Die ausgelaufene Quote sei bereits bewusst zu hoch angesetzt gewesen, "um eine Preispolitik nach unten machen zu können", so der Obmann des Vereins mit rund 2.000 Milchbauern und rund 30.000 Milchkühen.

Milchbauern erhalten derzeit netto für ein Kilo Milch in Österreich zwischen 30 und 33 Cent. Damit ist der Preis im vergangenen halben Jahr um rund ein Viertel eingebrochen.

Grünzweil will "gemeinsam einen Weg aus der Krise suchen" und lädt als IG-Milch-Obmann den ÖVP-Bauernbund, die Landwirtschaftskammer und die Molkereivertreter ein, "sich den Marktgegebenheiten zu stellen", wie es in einer Aussendung am Montag hieß. Die Tatsache, dass die Bauernmilchpreise wegen des Quoten-Aus sinken, müssten anerkannt werden, so Grünzweil. Reflexartig dem Handel Preisdumping vorzuwerfen, führe nicht zu einer Lösung der Milchkrise. "Gemeinsam müssen wir ein Konzept entwickeln, das den Milchmarkt wieder in ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage bringt." Nur so könne, die Preise wieder steigen."

Österreich überlieferte seine Quote von rund 3 Mrd. Kilo pro Jahr praktisch jährlich und zahlte dafür Strafe - zuletzt rund 45 Mio. Euro. Hier fordert Rupprechter wie berichtet, die Summe zur Marktentlastung zweckzubinden - dabei handle es sich um "die wichtigste Forderung" an EU-Agrarkommissar Philip Hogan.

Morgen beteiligen sich sogar einige IG-Milch-Bauern an einem Protest, den der Bundesverband deutscher Milchviehhalter in Deutschland organisiert. Sie fahren bei einer Staffelfahrt mit, die am Vormittag für eine Demo in München endet. Der Salzburger Milchbauer Stefan Scheipl aus Neumarkt fährt mit, "weil die Milchmenge in der EU reduziert werden muss", wie er der APA sagte. Dafür setze sich der Bundesverband der deutschen Milchviehhalter ein wie die IG Milch. Beide Vereine gehören zum European Milkboard.

Eine Überbrückungshilfe würde hingegen dem großen europäischen Verband Copa Cogeca reichen, dem etwa die heimische Landwirtschaftskammer und der Deutsche Bauernverband angehören.

Der Wiener Tierschutzverein wiederum kritisierte in einer Aussendung die Forderung nach EU-Stützungsgeldern wegen des Milch- und Schweinepreisverfalls an sich: "Den Preisverfall jetzt durch 100 Millionen Euro EU-Stützungsgelder aus Steuermitteln, durch Werbekampagnen und Gratis-Milch-Aktionen aufhalten zu wollen, ist so, als wolle man den Klimawandel durch zusätzliche Kühlschränke bremsen", griff die Vereinspräsidentin und Grün-Politikerin Madeleine Petrovic zu einem bildhaften Vergleich. Viel wichtiger wäre demnach eine Analyse der Ursachen und das Ziehen überfälliger Konsequenzen. Die Qualität in der Tierhaltung gehöre genauso erhöht wie die Preise, so Petrovic.

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