Mehr Internationalisierung und Wettbewerb in Europas Schienenverkehr

Wien (APA) - Im Schienenverkehr in Europa setzt sich der Trend zu mehr Internationalisierung und Wettbewerb der einzelnen Bahnunternehmen untereinander fort. Diesen Schluss zieht die Geschäftsführerin der österreichischen Schienen-Control, Maria-Theresia Röhsler, anlässlich der Veröffentlichung des sechsten Jahresberichts der IRG Rail im Gespräch mit der APA.

Die "Independent Regulators Group-Rail" (IRG-Rail), ein Zusammenschluss von derzeit 31 europäischen Regulierungsbehörden, will den Informationsaustausch gewährleisten und ein einheitliches Regulierungsniveau im europäischen Bahnsektor herstellen. Österreichs Schienen-Control ist ein Gründungsmitglied der Gruppe. 28 Länder haben für den sechsten IRG-Rail Marktbericht (Daten für 2016) statistische Auswertungen zur Verfügung gestellt.

Österreich bleibt innerhalb der EU weiterhin Bahnfahrland Nummer 1. Nur in der Schweiz wird pro Einwohner mehr Bahn gefahren. Im Jahr 2016 haben Bahnreisende in den ausgewerteten Ländern im Durchschnitt 907 Kilometer mit dem Zug zurückgelegt. Jede Österreicherin und jeder Österreicher fuhr im Schnitt 1.434 Kilometer mit der Bahn, in der Schweiz waren es sogar 2.422 km. Hinter Österreich liegen Frankreich mit 1.294 Kilometern und Schweden mit 1.281 Kilometern, gefolgt von Dänemark, Deutschland und den Niederlanden.

Deutlich über dem europäischen Schnitt liegt in Österreich die Nutzung des Netzes für den Güterverkehr. Insgesamt wird das europäische Schienenverkehrsnetz zu über 80 Prozent für den Personenverkehr und zu rund 20 Prozent für den Güterverkehr genutzt. In Österreich ist der Anteil des Personenverkehrs an der Netznutzung bei rund 69 Prozent, der Güterverkehr hat mit einem Anteil über 30 Prozent im internationalen Vergleich eine hohe Bedeutung und nimmt hinter Slowenien den zweiten Platz ein.

Im Güterverkehr gebe es in vielen Ländern nur mehr Ganzzugverbindungen, erläuterte Röhsler. In Österreich hingegen werde über die Bahn mit Einzelwagenverkehr auch die Fläche bedient. Um dafür auch in anderen europäischen Ländern Ansprechpartner zu finden und somit den Transport von der Straße auf die Schiene zu verlagern, brauche es europäische Lösungen.

Die Öffnung des europäischen Eisenbahnmarkts geht mit einer Internationalisierung der Marktteilnehmer einher: Immer mehr Bahnunternehmen - vor allem die (ehemaligen) Staatsbahnen, sogenannte "Incumbents" - sind mittlerweile auch im Ausland tätig. Allerdings führen sie internationalen Güterverkehr - anders als bisher - nicht mehr in Kooperation mit anderen Unternehmen durch: Die europäischen Güterverkehrsunternehmen wickeln diesen zunehmend selbst oder über Tochterunternehmen ab. Dadurch kommt es zu einer zunehmenden Internationalisierung und steigendem Wettbewerb auf der Schiene.

Auch österreichische Bahnunternehmen sind - sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr - international aktiv: Insgesamt sieben Unternehmen waren 2017 im Ausland tätig, sechs davon im Güterverkehr und eines im Personenverkehr. Neben der RCA (Rail Cargo Austria, die Güterverkehrssparte der ÖBB), die Güterverkehre in zehn weiteren Ländern fährt, ist die LTE in sieben und die RTS in fünf anderen Ländern aktiv. Die CargoServ, Ecco-Rail und die WLC sind jeweils in einem weiteren EU-Land tätig. Die ÖBB-Personenverkehr wickelt Personenverkehre in Deutschland in Eigenregie ab und in Italien gemeinsam mit einem Kooperationsunternehmen, das eine Sicherheitsbescheinigung für Italien besitzt.

Umgekehrt sind auch am österreichischen Eisenbahnmarkt ausländische Unternehmen aktiv. Im Güterverkehr agieren einerseits ausländische Incumbents bzw. deren Tochterunternehmen (z.B. DB Cargo - Deutsche Bahn, Transalpin Eisenbahn - SNCF, TX Logistik - Trenitalia, PKP Cargo, SZ Cargo und CD Cargo) und andererseits Non-Incumbents, die mehrheitlich in ausländischem Besitz sind (wie z.B. Lokomotion, RTB Cargo, FOXrail, Metrans Railprofi Austria, Floyd und MMV Rail Austria). Die DB Regio betreibt den Personenverkehr im Außerfern (Tirol) und die BOB von München über Freilassing nach Salzburg. Das tschechische Eisenbahnverkehrsunternehmen Regiojet betreibt (gemeinsam mit der österreichischen GKB als Kooperationspartnerin) seit Dezember 2017 Personenfernverkehr zwischen Wien und Prag.

Lauda-Airline kann Mitarbeitern in Deutschland Gehalt nicht auszahlen

Lauda-Airline kann Mitarbeitern in Deutschland Gehalt nicht auszahlen

Der Streit zwischen der Ryanair-Tochter Laudamotion und der Gewerkschaft …