Media-Saturn: Online und Laden sollen "komplett miteinander verschmelzen"

(Reuters) - Europas größte Elektrohandelskette Media-Saturn will die Konkurrenz aus dem Internet mit deren eigenen Waffen zurückdrängen. Man werde den stationären und den Online-Handel "komplett miteinander verschmelzen", kündigte Deutschland-Chef Wolfgang Kirsch am Donnerstag in Ingolstadt an. Dort soll nächste Woche ein neuer Muster-Laden eröffnet werden, in dem Waren von der Waschmaschine bis zum Flachbildfernseher im Regal und auch digital präsentiert werden. Zudem sollen Kunden Produkte online bestellen und dann im Markt an einem Drive-in-Schalter abholen oder sich nach Hause liefern lassen können. Media-Saturn, einst Umsatz- und Ertragsperle des Metro-Konzerns, setzt die Konkurrenz von Online-Händlern wie Amazon zu. Auch der Machtkampf zwischen den Eigentümern belastet die Kette.

Hauptanteilseigner Metro liegt seit Jahren mit Minderheitsaktionär Erich Kellerhals, einem der Mitgründer von Media-Saturn, im Clinch. Der Dauerstreit, dessen viele Facetten häufig vor Gericht ausgetragen werden, verzögerte den Schritt ins Internet. Auf die Frage, wie Kellerhals das neue Konzept finde, sagte Kirsch: "Ich gehe davon aus: gut." Es sei den Anteilseignern selbstverständlich vorher präsentiert worden. "Unsere Gesellschafter kennen natürlich unsere Strategie."

Von der Eröffnung des neuen Ingolstädter Media-Marktes, unmittelbar gegenüber vom alten Laden, ist der Minderheitsaktionär direkt betroffen: Die bisher genutzte Immobilie gehört Kellerhals, wie Kirsch zu Reuters sagte. Ein Umbau habe sich aber nicht gelohnt. Um das neue Konzept dort umzusetzen, wären Abriss und Neubau nötig geworden. Da habe man die "einmalige Chance" genutzt, dass auf der anderen Straßenseite ein Möbelhändler ausgezogen sei. "Unsere Immobilien sind immer gemietet", fügte der Manager an. Derzeit betreibt die Handelskette 260 Läden in Deutschland. Wieviele Häuser davon Kellerhals gehören, konnte Kirsch nicht sagen. Auch die Metro trete als Vermieter auf.

Jedes Jahr würden 30 bis 50 Märkte renoviert, führte der Deutschland-Chef aus. Die Umstellung auf das neue Online-Offline-Konzept werde demnach rechnerisch fünf bis sechs Jahre dauern, bei großem Erfolg solle es schneller gehen. Was die Umsetzung der neuen Strategie kostet, wollte Kirsch nicht verraten. Er sagte lediglich: "Es ist bezahlbar." Mit dem verschränkten Online-Offline-Konzept trage man den veränderten Anforderungen der Kunden Rechnung, die weder auf ein Produkt noch auf Antworten lange warten wollten. Derzeit würden knapp über 60.000 Artikel online angeboten, Tendenz steigend. Große Auswahl und niedrige Preise reichten aber nicht mehr aus. Tarifberatung beim Kauf eines neuen Smartphones oder Handwerkerservice für den Einbau eines Küchengerätes gehörten ebenfalls zum neuen Einkaufserlebnis. Der Online-Anteil des Geschäfts sei ihm dabei "völlig wurscht", sagte Kirsch, "solange der Kunde bei Media-Markt kauft". Ziel sei, die Marktanteile deutlich zu steigern.

Frankfurt (APA/Reuters) - Die deutsche Commerzbank verfolgt ihre Pläne für eine europäische Onlinebank nicht weiter. "Wir haben inzwischen entschieden, das Projekt Copernicus nicht fortzuführen", sagte Privatkundenchef Michael Mandel in einem im Intranet der Commerzbank veröffentlichten Interview, das die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte.
 

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Berlin (APA/Reuters) - Europa muss sich im internationalen Zahlungsverkehr angesichts des Konflikts über die Iran-Sanktionen nach den Worten des deutschen Außenministers Heiko Maas unabhängiger von den USA machen.
 

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Maas: Europa im Zahlungsverkehr unabhängiger von USA machen

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