Lyoness - VKI empfiehlt Sammelklageaktion von Advofin

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) macht zur Causa Lyoness gemeinsame Sache mit dem Prozessfinanzierer Advofin. Advofin hat eine Sammelklageaktion für Menschen gestartet, die in das Lyoness-System Geld eingezahlt haben und dieses nicht mehr herausbekommen. Die Konsumentenschützer haben ihrerseits eine Verbandsklage gegen Lyoness angestrengt und empfehlen die Advofin-Aktion.

Lyoness indes betont, dass sich Mitglieder direkt an das Unternehmen wenden könnten, um mögliche Ansprüche geltend zu machen.

Die 2003 in Graz gegründete Lyoness hat zwei Geschäftsbereiche: Einmal die Einkaufsgemeinschaft, die Konsumenten, die über eine "Cashback Card" verfügen, Rabatte verschafft, wenn sie bei bestimmten Geschäften einkaufen. Zahlreiche kleine und große Handelsunternehmen sind Partner von Lyoness, sie nutzen das ganze zur Kundenbindung. Der zweite Bereich, weswegen Lyoness in den vergangenen Jahren mehrfach in die Negativschlagzeilen geraten ist, ist die Vertriebsschiene ("Lyconet") für zahlende Premiummitglieder.

Lyoness muss sich in diesem Zusammenhang seit 2012 mit strafrechtlichen Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wegen Verdachts auf Pyramidenspiel herumschlagen. "Das Verfahren ist nach wie vor anhängig", bestätigte ein Behördensprecher der APA. Außerdem gibt es auf der Zivilrechtsebene zahlreiche Verfahren. Lyoness hat die Vorwürfe stets vehement bestritten.

Eine dieser Zivilklagen kam vom Verein für Konsumenteninformation (VKI). In erster Instanz hat der vom VKI beauftragte Wiener Anwalt Eric Breiteneder recht bekommen: Das Wiener Handelsgericht (HG) erachtete gleich 61 Klauseln in den Geschäftsbedingungen (AGB) und Zusatzgeschäftsbedingungen von Lyoness für gesetzeswidrig. Lyoness hat nun gegen das Urteil Berufung eingelegt, wie die APA erfuhr.

Der VKI wirft Lyoness vor, dass die sogenannten "erweiterten Mitgliedsvorteile" viele Menschen dazu verleitet hätten, zwischen 2.000 und 25.000 Euro an Lyoness zu bezahlen, um diese Vorteile überhaupt nutzen zu können, wie VKI-Chefjurist Peter Kolba der APA sagte. "Betroffene berichteten jedoch, dass sie die ihnen in Aussicht gestellten Vorteile nicht oder nur ungenügend erhalten haben. Viele wollten ihre Verträge mit Lyoness beenden und ihr Geld zurück. Dazu sind bis heute eine Reihe von Klagen bei verschiedenen Gerichten anhängig", so der Konsumentenschützer.

Das Wiener Handelsgericht hat sich jedenfalls der Rechtsansicht des VKI angeschlossen: Lyoness bediene sich in seinen AGB eines unübersichtlichen Regelwerks, das durch zahlreiche Quer- und Rückverweise jedwede Übersichtlichkeit verliere.

"Dieses Verbandsklagsurteil ist etwas Besonderes", meint Anwalt Breiteneder. Wenn es rechtskräftig wird, entfalte es Wirkung für alle Betroffenen, "da sich Lyoness dann nicht mehr auf die aufgehobenen oder sinngleiche Klauseln berufen kann". Mit einem endgültigen Urteil kann aber erst 2016 gerechnet werden.

Breiteneder beschäftigt sich schon seit ein paar Jahren mit der Causa Lyoness und hat zu dem Thema sogar Anfragen aus dem Ausland bekommen. Lyoness ist laut Eigenangaben in 46 Ländern tätig. Die Einzelverfahren in Österreich, die Breiteneder bisher geführt hat und die mit einem Urteil endeten, seien alle zugunsten seiner Mandanten ausgegangen. "Viele Menschen konnten so bereits ihren Einsatz in das System Lyoness zurückerhalten." Breitenender hat mehr als 430 Vollmachten von Lyoness-Investoren.

Laut Kolba vom VKI sind allein in Österreich rund 6.000 Personen betroffen, die bei Lyoness investiert haben und "die eher Opfer als Täter sind".

Ihnen bietet nun der Prozessfinanzierer Advofin an, sie vor Gericht zu vertreten. Menschen, die sich geschädigt fühlen, können sich im Internet (www.advofin.at) anmelden. Sie haben kein Prozesskostenrisiko, dafür bekommt Advofin im Erfolgsfall 25 bzw. 36 Prozent der erstrittenen Summe.

"Wir werden alle Geschädigten dem anhängigen Strafverfahren als Privatbeteiligte anschließen und auch mit den Mitteln des Zivilrechts deren Ansprüche verfolgen", so Advofin-Vorstand Franz Kallinger.

Der VKI unterstützt diese Aktion und streckt darüber hinaus seine Fühler ins Ausland aus. "Wir werden unsere Kontakte zu internationalen Verbraucherorganisationen nutzen und abklären, ob es nicht auch in anderen Ländern viele Menschen gibt, die sich durch das System Lyoness geschädigt sehen und bislang keine effiziente Möglichkeit gefunden haben, ihre Anzahlungen zurückzuerhalten", kündigt Kolba an.

Lyoness kann diese Vorgehensweise nicht verstehen. "Wie wir bereits in der Vergangenheit immer betont haben, können sich Lyoness-Mitglieder direkt an uns wenden, um mögliche Ansprüche geltend zu machen", so Unternehmenssprecher Mathias Vorbach auf APA-Anfrage. "Das hat sich in der Vergangenheit sehr bewährt und das handhaben wir auch weiterhin so, obwohl kaum noch Rückforderungen geltend gemacht werden."

Lyoness gehe davon aus, dass die Mitglieder "sehr wohl verstehen, dass ein Prozessfinanzierer Geld verdienen will und ein Mandant mehr als ein Drittel seines Geldes, das ihm dann möglicherweise zugesprochen wird, verliert." Von der Dauer eines Prozesses gar nicht zu sprechen, so Vorbach. Im Übrigen würde man lieber direkt mit dem VKI eine Lösung finden, nur leider habe der VKI auf dieses Angebot nicht reagiert. "Wir sind hier weiterhin gesprächsbereit."

Lyoness zählt nach Eigenangaben mehr als vier Millionen Mitglieder (Rabattkarteninhaber) auf der ganzen Welt. Darüber hinaus gehören Stiftungen zum Unternehmensimperium ("Lyoness Child & Family Foundation" sowie "Lyoness Greenfinity Foundation"). Im Sportbereich tritt Lyoness als Sponsor in Erscheinung (Austrian Open/Golf). Weiters hält Lyoness regelmäßig Veranstaltungen ab. Am kommenden Samstag trommelt Lyoness seine Vertriebsmitglieder in Las Vegas zusammen - Teilnehmern wird auf der Homepage ein "Beschleuniger ihrer Karriere" versprochen.

London (APA/Reuters/dpa) - Einen Tag nach dem von Konfrontation geprägten EU-Gipfel in Salzburg hat die britische Premierministerin Theresa May Härte demonstriert und von Brüssel neue Brexit-Vorschläge gefordert. Die Verhandlungen seien in einer Sackgasse. "Ich habe die EU immer mit Respekt behandelt. Großbritannien erwartet dasselbe", sagte May in ungewöhnlich scharfen Worten am Freitag in London.
 

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May demonstriert nach EU-Gipfel Härte in Brexit-Gesprächen

Wien/Stuttgart (APA) - "Wir müssen ein anderes Denken üben", so der Appell von Eckhard Minx, Zukunftsforscher und Vorstandssprecher der "Daimler und Benz Stiftung" beim heutigen "Deutsch-Österreichischen Technologieforum" in Wien. Die Menschen hätten das "Trugbild der Beständigkeit" im Kopf, dabei stehe die Gesellschaft vor einem grundsätzlichen Wandel. "Digitalisierung ist so was wie ein Tsunami", so Minx.
 

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Zukunftsforscher: "Digitalisierung ist so was wie ein Tsunami"

Wien (APA) - Zahlreiche Missstände hat der Rechnungshofbericht zur bereits aufgelösten Bundesanstalt für Verkehr (BAV) zutage gebracht. Nachdem der RH die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hat, wird gegen drei Beschuldigte wegen Amtsmissbrauch und Untreueverdacht ermittelt. So sollen Millionen zu viel überwiesen worden sein, knapp 350.000 Euro ohne Gegenleistung gezahlt und Untersuchungsberichte nie veröffentlicht worden sein.
 

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Bundesanstalt für Verkehr: Amtsmissbrauch- und Untreueverdacht