Lenzing plant vorerst keinen weiteren Job-Abbau in Österreich

Der börsennotierte Faserhersteller Lenzing plant über den heurigen Job-Abbau um bis zu 250 Stellen in Österreich hinaus vorerst keine weiteren Stellen-Streichungen. Garantie könne man aber nicht abgeben, so CEO Peter Untersperger am Dienstag im Bilanzpressegespräch. Bisher wurden konzernweit 650 Vollzeit-Arbeitsplätze reduziert, davon 123 im Jahr 2013.


Ob man angesichts des Preisverfalls am Markt und der global prall gefüllten Lager heuer Gewinn schreiben wird, wurde offen gelassen. Man wolle heuer wieder in die Gewinnzone zurückkehren, "das ist unser Bestreben", so Finanzvorstand Thomas Riegler. Ob das gelinge, sei unter anderem vom Markt abhängig, gab der scheidende Vorstandschef Untersperger zu verstehen. Er gibt ja seien Posten nach über 30 Jahren im Unternehmen, 15 als Vorstand und davon sechs als CEO, per Ende Mai ab; ihm folgt per 1. Juni Stefan Doboczky nach.

Die Lenzing-Aktie schmierte am Dienstag regelrecht ab. Gegen 11.50 Uhr lag sie 5,46 Prozent im Minus bei 61,44 Euro. Der ATX insgesamt stand zur selben Zeit lediglich 0,47 Prozent tiefer.

Dass man im Vorjahr statt der angepeilten 60 Mio. Euro letztlich 137 Mio. Euro einsparen konnte - Untersperger: "Wenn man sparen muss, ist es gut, voll zuzuschlagen" - soll weitere Bemühungen erleichtern. Für heuer strebt man annualisiert 130 Mio. Euro Kosteneinsparungen an, ab 2016 strukturelle Einsparungen von rund 160 Mio. Euro jährlich. 2014 habe man 137 Mio. Euro "eingesammelt", rechnete Finanzvorstand Riegler vor, davon 30 Mio. Euro als Einmaleffekt und 107 Mio. als strukturellen Teil, der sich heuer auf 119 Mio. Euro vergrößern solle. "Weitere 40 Mio. strukturell müssen wir 2015 holen, damit es 2016 einen ganzjährigen Effekt hat", so Riegler.

Die Dividende von einem Euro je Aktie für 2014 - in Summe 26,5 Mio. Euro - könne man trotz der 14,2 Mio. Euro Konzern-Fehlbetrag zahlen, da die österreichische Lenzing AG einen ausreichend hohen Jahresgewinn ausweisen werde, sagte Riegler. Die Ausschüttung sei also möglich, ohne die Rücklagen anzutasten. Zudem habe man das operative EBITDA um 24 Prozent auf 240 Mio. Euro gesteigert, erinnerte er.

Das Konzernminus in Höhe von 14,2 Mio. Euro im Jahr 2014 entstand durch Impairments von 94 Mio. Euro, wobei die Firmenwerte und übrigen immateriellen Anlagen und Sachanlagen der Töchter in Indonesien und China auf Null gesetzt wurden. In China macht man laut Untersperger nach wie vor Verluste, in Indonesien ist das EBITDA positiv; Lenzing selbst "macht Gewinn, auch Tencel".

Beim Produktions-Mix an Fasern entfallen bei Lenzing derzeit 660.000 t auf Viskose, bei Tencel sind es nach einem Kapazitätsausbau nun 220.000 t und bei Modal 113.000 t. Mit den 220.000 t Tencel sei man nun in einer Größenordnung, die Lenzing noch interessanter mache für Großabnehmer wie etwa Ikea, so Vertriebsvorstand Robert van de Kerkhof. Das Einrichtungshaus, laut Untersperger der größte Tencel-Kunde des Konzerns bei Bettwäsche, beliefert man nicht direkt, sondern über Spinnereien und Webereien. Nun wolle man hier das Produktportfolio erweitern, so van de Kerkhof. Auch bei H&M oder Inditex/Zara habe man ein gutes Standing, da dort auch Nachhaltigkeit gefragt sei. "Und bei Jeans", sagt der CEO, "sind wir in 60 Prozent aller Kollektionen drin."

Den Gesamtabsatz an Fasern konnte Lenzing voriges Jahr um 8 Prozent auf rund 960.000 t steigern, während der Markt nur um 2 Prozent zulegte. Wermutstropfen: Die Durchschnittspreise bei Fasern sind aber um 8 Prozent von 1,70 auf 1,57 Euro pro Kilogramm gesunken. Auch für die Impairments in China und Indonesien war letztlich der Viskose-Preisverfall der Auslöser, so der Finanzvorstand: "Der Goodwill war nicht mehr gegeben." Dank Einsparungen und verbessertem Produktmix habe man operativ (EBITDA) like-for-like gesehen um über 24 Prozent zulegen können. Der Umsatz sank 2014 durch der Verkauf der Business Unit Plastics zur Jahresmitte von 1,91 auf 1,86 Mrd. Euro, sonst hätte er um 5 Mio. oder 0,3 Prozent zugelegt. Im Herbst beschäftigte der Konzern weltweit mehr als 6.150 Personen, davon über 2.950 in Österreich.

Der Ausblick auf den Fasermarkt bleibt sehr trüb. 2015 "wird nicht leichter", so van de Kerkhof: "Wir sehen keine Erholung bei den Viskosepreisen. Auch Polyester und Baumwolle werden uns das Leben nicht leicht machen." Das Billig-Öl drücke die Polyesterpreise und damit die gesamten Faserpreise. Die Baumwoll-Erzeuger würden schon Anbauflächen reduzieren, China sitze aber weiter auf Lagerbeständen von über einem Jahresverbrauch.


Hoffnung gebe, dass die mengenmäßige Nachfrage nach man-made Zellulosefasern unverändert stark sei. Freilich sei "mittelfristig kein durchgreifender Preisanstieg in Sicht - durch die Überkapazitäten in China". Dadurch seien die Weltmarktpreise für Viskosefasern zum Jahreswechsel 2014/15 stabil auf niedrigem Niveau geblieben; die Überkapazitäten Chinas bei Zellulosefasern würden bestehen bleiben.

Ingolstadt (APA/dpa/AFP) - Im Zuge der Abgasaffäre startet Autobauer Audi ab Mittwoch den ersten von insgesamt acht Rückrufen für Modelle mit V-TDI-Motoren in Deutschland. Das teilte die VW-Tochter am Montag in Ingolstadt mit. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) habe die dafür nötige Freigabe erteilt.
 

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Audi startet Rückruf von Diesel-Autos in Deutschland

Hamburg/Wolfsburg (APA/Reuters) - Volkswagen will beim Umstieg auf die Elektromobilität seine herausgehobene Position in der Autoindustrie behalten. "Wir werden günstiger sein als Tesla und wir haben dann die großen Skaleneffekte", sagte Konzernchef Herbert Diess der Branchenzeitung "Automotive News". Die Plattform sei "bereits für 50 Millionen Elektroautos gebucht, und wir haben Batterien für 50 Millionen Elektroautos beschafft".
 

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